Zurück auf der Landkarte

Von Dirk Hordorff.

Ein Baby braucht 9 Monate.

Ein erfolgreicher Tennisstar 9 Jahre.

Die Australian Open sind nicht nur ein Erfolg, weil Alexander Zverev das Halbfinale erreicht hat. Zverev, ein Spieler, der durch die Hilfe seiner Familie den Sprung in die Weltspitze geschafft hat. Und der einer der ersten war, der durch den DOSB und das BMI gefördert wurde. Und wenn Angelique Kerber nicht gesundheitlich angeschlagen gewesen wäre, hätten da auch im Damenbereich noch größere Erfolge kommen können. So blieb es für Angie bei drei gewonnen Matches. Mit ihr können wir immer rechnen. Das haben die letzten Jahre gezeigt, wo sie ganz Tennis-Deutschland immer wieder hat jubeln lassen.

Aber auch im Jugendbereich machen die Deutschen mittlerweile wieder auf sich aufmerksam. Allen voran  Alexandra Vecic, die in Melbourne bei den Juniorinnen das Halbfinale erreichen und damit den Sprung in die Top 20 der ITF-Weltrangliste realisieren konnte. Im Team von Jasmin Wöhr und Albert Ender, unterstützt vom »Head of Women’s Tennis« Barbara Rittner, waren insgesamt vier weibliche Nachwuchskräfte im Hauptfeld des Juniorinnen-Wettbewerbs der Australian Open vertreten. Alexandra Vecic, Mara Guth, Angelina Wirges und Eva Lys haben sich ordentlich verkauft und konnten wertvolle Grand-Slam-Erfahrungen sammeln. Darauf gilt es in den kommenden Jahren aufzubauen.

Bei den Jungen waren mit Max Wiskandt und Benito Sanchez auch zwei DTB-Vertreter am Start, betreut von Fritz Klasen. Und auch der »Head of Men’s Tennis«, Boris Becker,  war sich nicht zu schade, den deutschen Junioren zur Seite zu stehen und sich selbst in der heißen Sonne von Melbourne ein Junioren-Doppel anzuschauen und die Jungs zu motivieren. Und mit Michael Kohlmann, dem Davis-Cup-Kapitän, wird der Leiter der Nachwuchsförderung die Optimierung der Nachwuchsarbeit im Duett mit Boris Becker weiter vorantreiben und verantworten.

Zur selben Zeit konnten Mika Lipp und Philip Florig mit Coach Gerald Marzenell in Südamerika Erfolge und Punkte einheimsen – verbunden mit dem Ziel, im nächsten Jahr bei den Australian Open aufzuschlagen. Mika Lipp gelang durch hervorragende Erfolge der Sprung in die Top 100 der ITF-Jugend-Weltrangliste. Mit Max Rehberg und Maximilian Homburg konnten zwei weitere hoffnungsvolle Talente in Afrika punkten. Oliver Olsson, Georg Israelan und Neo Niedner haben bei den deutschen Turnieren in Frankfurt und Offenbach gepunktet und ebenfalls hervorragende Erfolge erzielt.

Da tut sich was! Noch sind wir nur zweitklassig, aber immerhin wieder auf der Landkarte des Jugendtennis angekommen. Jahre des Nichtstuns, mangelnder Förderung und konzeptionsloser Arbeit haben das deutsche Jugendtennis ins Abseits geführt. Nicht die Jugendlichen, sondern unsere schlechte Arbeit waren die Ursachen. Keine finanzielle Unterstützung durch den DOSB und das BMI waren hierfür wesentliche Gründe. Eine ganze Generation von Tennisspielern hat durch diese Benachteiligung die Chance verloren, den Weg nach oben zu schaffen. Jetzt aber kann man erste Früchte ernten. Aber bis zum Profispieler ist es für viele Nachwuchsspieler noch ein langer Weg. Da sind keine Manager oder Eltern hilfreich, die nach ein paar Jugenderfolgen bereits denken, dass Sie schon »Stars« managen. Da ist harte, konsequente und zielorientierte Arbeit notwendig. Und der volle Einsatz, leidenschaftliche Hingabe und jede Menge Fleiß eines jeden Talentes, damit erfolgreiche FedCup-Spielerinnen und Davis-Cup-Spieler heranwachsen. Und wir in Deutschland wieder jubeln dürfen. Wie zu Zeiten von Boris Becker, Michael Stich und Steffi Graf.

Euer Dirk Hordorff

Februar 2020 · Photocredit: Jürgen Hasenkopf