Eine würdige Nummer Eins

Sie ist die Nummer Eins der Welt. Absolut unangefochten. Mit 7.270 Punkten hatte sie bereits vor den French Open 1.140 Zähler mehr auf dem Konto, als die beiden besten deutschen Damen Julia Görges (WTA 11) und Angelique Kerber (WTA 12) zusammen. Nach dem zweiten Grand Slam des Jahres werden die Unterschiede noch gravierender sein. Nicht missverstehen: auch Görges und vor allem Kerber haben bei den Franch Open ein wirklich tolles Turnier gespielt, Kerber hatte es gar in der eigenen Hand, die Rumänin aus dem Turnier zu befördern, knickte aber ein.

Am Ende hat sich das 1 Meter 68 kleine Energiebündel aus Constanta durchgesetzt. »Endlich« – möchte man sagen. Nach unzähligen Anläufen nun also der lang ersehnte und mehr als verdiente erste Majortitel. Es war eine Frage der Zeit. Wer derart viel in ein großes Ziel investiert, der wird dieses auch irgendwann erreichen. Drei Grand-Slam-Finalspiele hatte Halep zuvor bereits verloren. Nun hat sie den Fluch endlich besiegen können. 3:6, 6:4, 6:1 gegen die US-Amerikanerin Sloane Stephens. Es sei ihr gegönnt, zumal sie in gleich mehreren ihrer sieben Partien in Paris echte Comeback-Qualitäten zeigte. Kerber sagt nach Niederlagen meist von sich, sie habe »ihr Herz auf dem Platz gelassen« – das mag durchaus sein. Bei Halep aber hat man das Gefühl, sie würde auch lebendige Ratten fressen, um besser zu sein, als die Konkurrenz. Man kann sie und ihr stets feindseliges Gesicht und Geschreie auf dem Court mögen oder nicht: Halep ist nach dem steten »Bäumchen-wechsel-Dich« an der Weltspitze endlich eine würdige Nummer Eins im Damentennis.

Autor: Christoph Kellermann
Photocredit: Jürgen Hasenkopf

Juni 2018 · © Tennisredaktion.de