Wenn’s drauf an kommt…

Stephan Medem
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Fra­ge an Ste­phan Medem: Ich hin­ke in mei­ner För­der­grup­pe (Bezirk U18) ein wenig hin­ter­her. Obwohl ich laut Trai­ner­gut­ach­ten über eine bes­se­re Tech­nik ver­fü­ge als mei­ne Mit­strei­ter und ich auch kör­per­lich in einer sehr guten Ver­fas­sung bin, kann ich im direk­ten Duell mit ihnen nicht mit­hal­ten. Immer wenn es drauf ankommt, sagen wir beim Stan­de von 4:4 oder 5:5 fal­le ich in ein Loch. Im Trai­ning, wie auch im Tur­nier. Die ein­fachs­ten Din­ge gelin­gen dann nicht mehr. Ich hof­fe, Sie kön­nen mir hel­fen, obwohl Sie mich noch nie haben spie­len sehen. Gera­de jetzt, wo kei­ne Wett­kämp­fe statt­fin­den, möch­te ich gern an mir arbei­ten, um da zu sein, wenn es wie­der los geht…

Ste­phan Medem: Pau­schal lässt sich Dei­ne Fra­ge mit Sicher­heit nicht beant­wor­ten. Jeder Spie­ler reagiert in Stress-Situa­tio­nen anders, bezie­hungs­wei­se hat ande­re Trä­ger, wel­che das »Ver­sa­gen« bei engen Spiel­stän­den, wie von Dir geschil­dert, aus­lö­sen. Gehörst Du eher zu den Spie­ler­ty­pen, die in die­sen Situa­tio­nen eher defen­siv wer­den und sich nichts mehr zutrau­en? Also ihren Geg­nern die Initia­ti­ve über­las­sen und ein­fach nur hof­fen, den Satz oder das Match auf­grund geg­ne­ri­scher Feh­ler gewin­nen? Pas­siv wer­den? Oder gehörst Du viel­leicht eher in die Kate­go­rie jener Spie­ler, die in Schlüs­sel­si­tua­tio­nen über­re­agie­ren? Etwas zu viel Risi­ko fah­ren und dadurch knapp vor einem mög­li­chen Sieg zu vie­le Feh­ler pro­du­zie­ren? Unab­hän­gig davon könn­test Du Fol­gen­des ein­mal an testen…

Ers­tens: Wenn Du in nächs­ter Zeit Trai­nings­mat­ches spielst, begin­ne doch jeden Satz schon beim Spiel­stand von 2:2 oder sogar 3:3 — in Abspra­che mit Dei­nen Trai­nings­part­nern. Dadurch wirst Du mit gro­ßer Regel­mä­ßig­keit mit die­sen satz­ent­schei­den­den Situa­tio­nen kon­fron­tiert. Du gewöhnst dich dar­an und durch die­se Rou­ti­ne ver­lierst Du natür­lich die Angst.

Zwei­tens: Ände­re Dei­ne Grund­ein­stel­lung zu den engen Spiel­stän­den. Meis­tens domi­niert uns in die­ser Situa­ti­on das Gefühl der Angst. Der Angst zu ver­lie­ren! Erset­ze die­ses Gefühl durch Mut und Taten­drang! Selbst­ge­sprä­che hel­fen Dir dabei: „Ich freue mich dar­auf, dass es jetzt rich­tig span­nend wird!“ — „End­lich geht es jetzt rich­tig zur Sache!“ — „So, jetzt lege ich mich rich­tig ins Zeug!“ — und so wei­ter. Span­nung ist schließ­lich das »Salz in der Sup­pe«. Nicht nur in den Büchern, die wir lesen oder in den Fil­men, die wir schau­en…. son­dern auch und ganz beson­ders in der »Sup­pe unse­res Tennislebens«.

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