Yannick Hanfmann
© Jürgen Hasenkopf

Userfrage: „Lieber Herr Medem, ich hinke in meiner Fördergruppe (Bezirk U18) ein wenig hinterher. Obwohl ich laut Trainergutachten über eine bessere Technik verfüge als meine Mitstreiter und ich auch körperlich in einer sehr guten Verfassung bin, kann ich im direkten Duell mit ihnen nicht mithalten. Immer wenn es drauf ankommt, sagen wir beim Stande von 4:4 oder 5:5 falle ich in ein Loch. Im Training, wie auch im Turnier. Die einfachsten Dinge gelingen dann nicht mehr. Ich hoffe, Sie können mir helfen, obwohl Sie mich noch nie haben spielen sehen. Gerade jetzt, wo keine Wettkämpfe stattfinden, möchte ich gern an mir arbeiten, um da zu sein, wenn es wieder los geht…“

Hallo Michael!

Pauschal lässt sich Deine Frage mit Sicherheit nicht beantworten. Jeder Spieler reagiert in Stress-Situationen anders, beziehungsweise hat andere Träger, welche das »Versagen« bei engen Spielständen, wie von Dir geschildert, auslösen. Gehörst Du eher zu den Spielertypen, die in diesen Situationen eher defensiv werden und sich nichts mehr zutrauen? Also ihren Gegnern die Initiative überlassen und einfach nur hoffen, den Satz oder das Match aufgrund gegnerischer Fehler gewinnen? Passiv werden? Oder gehörst Du vielleicht eher in die Kategorie jener Spieler, die in Schlüsselsituationen überreagieren? Etwas zu viel Risiko fahren und dadurch knapp vor einem möglichen Sieg zu viele Fehler produzieren? Unabhängig davon könntest Du Folgendes einmal an testen…

Erstens: Wenn Du in nächster Zeit Trainingsmatches spielst, beginne doch jeden Satz schon beim Spielstand von 2:2 oder sogar 3:3 – in Absprache mit Deinen Trainingspartnern. Dadurch wirst Du mit großer Regelmäßigkeit mit diesen satzentscheidenden Situationen konfrontiert. Du gewöhnst dich daran und durch diese Routine verlierst Du natürlich die Angst.

Zweitens: Ändere Deine Grundeinstellung zu den engen Spielständen. Meistens dominiert uns in dieser Situation das Gefühl der Angst. Der Angst zu verlieren! Ersetze dieses Gefühl durch Mut und Tatendrang! Selbstgespräche helfen Dir dabei: „Ich freue mich darauf, dass es jetzt richtig spannend wird!“ – „Endlich geht es jetzt richtig zur Sache!“ – „So, jetzt lege ich mich richtig ins Zeug!“ – und so weiter. Spannung ist schließlich das »Salz in der Suppe«. Nicht nur in den Büchern, die wir lesen oder in den Filmen, die wir schauen…. sondern auch und ganz besonders in der »Suppe unseres Tennislebens«.

Stephan Medem

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Stephan Medem war einst ATP-Weltranglistenspieler und langjähriger Coach auf der WTA-Tour, unter anderem von Barbara Rittner und Karina Habsudova. Viele Jahre spielte er sehr erfolgreich in der deutschen Tennis-Bundesliga, heute ist er nicht minder erfolgreich als Trainer, Speaker und Bestseller-Autor unterwegs. Zu seinen aktiven Zeiten war »Steph« übrigens Sparringspartner von nahezu allen Tennisgrößen, bis hin in die Top-Ten. Als Experte der allerersten Stunde steht »Steph« den Usern auf »Tennisredaktion.de« als Fachmann für »Mentales« zur Verfügung und ist darüber hinaus ein perfekter Ratgeber in Elternfragen.

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