Roger Federer
© Jürgen Hasenkopf

Am gestrigen Dienstag haben wir in Halle wieder einmal gesehen, wie wichtig Roger Federer für das Vorzeige-ATP-Event in HalleWestfalen ist. Obwohl gestern wirklich durch die Bank erstklassige Spiele auf dem Centre-Court angesetzt waren, so schaffte es doch nur der Rekord-Grand-Slam-Sieger, die imposante Arena für eine gute Stunde zu füllen – gefühlt bis auf den letzten Platz. Der Superstar aus der Schweiz besiegte den tapfer kämpfenden Australier John Millman in der ersten Runde der NOVENTI OPEN mit 7:6, 6:3 und wurde für seine – wenn auch phasenweise eher durchschhnittliche – Leistung, wie in Ostwestfalen und eigentlich auf der ganzen Welt üblich, ordentlich gefeiert. Zuvor spielten im »Stadion« Top-Acts wie Lokalmatador Struffi, Zick-Zack-Tsonga oder Vorjahressieger Coric vor weitestgehend verwaisten Rängen, während die durchaus anwesenden Fans lieber das Tennistainment drumherum oder den starken Fight von Rudolf Molleker auf dem »Einser« genossen. Leider brachte Rudi die Partie gegen den Ukrainer Sergiy Stakhovsky trotz eigenem Matchball nicht nach Hause.

Richtig gefreut habe ich mich für Jan-Lennard Struff, der nach zuvor zig vergeblichen Versuchen erstmals ein Hauptrundenmatch in Halle gewinnen und somit seine beeindruckende Leistungssteigerung der letzten Monate weiter fortsetzen konnte. Zweisatzerfolg über Djere. Nun wartet Khachanov. Stark. Noch mal zurück zu Roger: wenn der mal nicht mehr spielt, haben die GERRY WE… äh: NOVENTI OPEN ein existentielles Problem. Die Zuschauer sind gestern nicht mal für die French-Open-Sieger Krawietz und Mies sitzen geblieben – und das, obwohl Federer gerade einmal 77 Minuten zu sehen war. Blicken wir auf den heutigen Spieltag: Goffin, Albot, Khachanov, Struff, Stakhovsky, Herbert, Coric und Sousa im Stadion plus drei Döppelchen auf dem »Einser« sind ganz sicher keine Straßenfeger. Ich sehe national und international absolut niemanden, der Federers Platz als Publikumsmagnet in Halle ausfüllen könnte. Auch Sascha Zverev wird das ad hoc mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht schaffen. Hier braucht Turnierboss Ralf Weber jede Menge Weitsichtigkeit und wirklich gute Ideen. »Tennistainment« alleine reicht da nicht aus.