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Liebe Tennisfreunde!

eine großartige Initiative des Player Council, angeführt von Novak Djokovic, macht zur Zeit Schlagzeilen. Die Profis in den Top 100 ATP wollen für ihre Kollegen einen Unterstützungsfond gründen. Jeder Profi soll je nach Rangliste selber Geld spenden. Dazu will man die Grand-Slam-Turniere, die ATP und die ITF dazu bringen, ebenfalls Geld in den Fond einzuzahlen. So sollen insgesamt ca. 4,5 Millionen Dollar eingesammelt werden. Diese sollen dann an die Spieler zwischen Platz 250 und 700 ausgezahlt werden.

Jetzt kann man über den Kreis der Berechtigten gerne streiten. Und auch Novak Djokovic räumt ein, dass hier noch nicht das letzte Wort gesprochen wurde. Egal, wie am Schluss die Verteilung entschieden wird, es ist die richtige Idee, die richtige Vorgehensweise, zur richtigen Zeit. Diese Situation gibt aber auch Anlass, zu überlegen, warum überhaupt die Spieler unterhalb 250 ATP oder WTA Unterstützung brauchen. Warum ein Spieler in dieser Ranglistenposition so wenig verdient. Warum jemand, der eine der weltweit populärsten Sportarten betreibt und in der Weltrangliste auf Platz 500 steht, so wenig verdient.

Dirk Hordorff
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Meine klare Antwort: Da gibt es zwei Gründe

Erstens: Die Verteilung der erzielten Einnahmen und Umsätze ist nicht gerecht. Einer der Gründe ist, dass Tennis nicht einheitlich geführt wird, sondern ITF, ATP, WTA und die Grand-Slam-Turniere jeder das machen, was Ihnen am meisten dient. Und keine Gesamtverantwortung für Tennis haben. Die großen Einnahmen werden von den Grand-Slam-Turnieren und wenigen 1.000er-Events erzielt. Und eine vernünftige Weiterleitung und eine kluge Aufteilung des vorhandenen Geldes existiert nicht. Wer nicht zum erlesenen Kreis der Top 100 der Weltrangliste zählt, bleibt außen vor. Und hat entweder reiche Eltern oder eine durch das Grand-Slam-Turnier gefütterte reiche Nation im Hintergrund. Toni Nadal befürchtete bei der im letzten Jahr von der ITF missglückten World Tour Reform, dass nur noch Profis von reichen Eltern übrig bleiben. Weil die anderen vorher aus finanziellen Gründen aufgeben müssen. Lösung: bessere Verteilung der Gelder auch in den unteren Weltranglistenränge! Fairere Verteilung auch für die nationalen Verbände, die für die Basisarbeit und Nachwuchsförderung zuständig sind!

Zweitens: bessere Vermarktung und Erzielung höherer Einnahmen, um dies auch finanzieren zu können. Der neue Boss der ATP, Andrea Gaudenzi, selber ein ehemaliger Top-20-Profi aus Italien, hat unlängst dargelegt, wie die Erlöse im TV-, Medien- und Datengeschäft optimiert werden könnten. Anstatt dass jeder seine eigene Vermarktung durchführt, müssten die Rechte gebündelt werden. Andere große Sportarten, Fußball oder Formel 1, machen dieses vor. Und sind erfolgreich. Und das ist nur ein Beispiel. Auch hier kommt man wieder an den Kern des Übels. Die Zerstrittenheit der Akteure, die mangelnde Zusammenarbeit, die fehlende Nutzung der Möglichkeiten. Und eine gute wirtschaftliche Vermarktung ist die Voraussetzung, dass eine ausreichende wirtschaftliche Ausstattung auch der unteren Profiränge und der Verbände erfolgen kann. Lösung: ATP, WTA und ITF setzen sich an einen Tisch. Und anstatt sich mit Sand zu bewerfen und sinnlose Kleinkriege zu führen, ordnen sie Tennis, arbeiten gemeinsam an einem optimalen Kalender und vermarkten Tennis. Und sorgen dafür, dass man nicht Almosen verteilen muss, um andere am Leben zu erhalten, sondern dass durch faire Verteilung der Ressourcen Tennis weiter das bleibt, was es ist: Die schönste Nebensache der Welt.

Euer Dirk Hordorff