Unfaire Kapitalverteilung

Von Stephan Medem.


So, ab morgen hat es uns wieder, das Wimbledon-Fieber. Dann werden die Besten der Besten wieder um die prestigeträchtigste Trophäe sowie um ein Gesamtpreisgeld von 37,4 Millionen Euro zocken. Im Vergleich zu 2016 eine Steigerung um 12,5 Prozent. Der Sieger dieses Turnieres, Männlein wie Weiblein, ist mit flotten 2,6 Millionen Euro dabei. Wir reden hier nur vom Prize-Money, denn da kommt ja in der Regel on top noch einmal ein schöner Batzen aus diversen Sponsoren-Verträgen zusammen.

Und wie schaut es mit der Qualifikation aus? Nun, die Loser der ersten Quali-Runde müssen sich mit 3.600 Euro zufrieden geben. Ist das fair? Ganz ehrlich: Ich finde nicht! Ich kenne keine andere professionelle Sportart, in der das Kapital so unverhältnismässig und ungerecht verteilt wird. Ca. 300 Millionen Euro an Preisgeld werden pro Jahr auf der Tennistour ausgeschüttet. Von diesem Gesamtbetrag gehen 60 Prozent an nur ein Prozent der Spieler. Spieler, die irgendeinmal in diesem elitären, top bezahlten Kreis landen möchten, sind gezwungen, davor erst kräftig zu investieren. Gut, bitte nicht falsch verstehen: Ich habe nichts gegen Investitionen in die Zukunft, aber wir wissen alle, was für eine wackelige Aktie das ist, wenn in eine Tenniszukunft investiert wird. Doch, Risiko hin oder her.

Ich würde mir wirklich wünschen, wenn sich die Spielergewerkschaften WTA und ATP über eine gerechtere Verteilung des Preisgeldes Gedanken machen würden. Denn es müsste doch gerade in derem Interesse sein, dass es jungen Nachwuchsleuten so gut geht, dass sie zumindest eine gewisse Zeit von diesem Sport leben und sich weiter entwickeln können, um dann die Elite mit neuen Gesichtern zu beleben und erfrischen. Oder glaubt Ihr der Wimbledon-Sieger von 2017 wäre mit einem Scheck über z.B. 2,2 statt der ausgelobten 2,6 Millionen Euro weniger happy?


Autor: Stephan Medem
Photocredit: tennisredaktion.de

Juli 2017 · © tennisredaktion.de