Und jetzt erst recht…

Serena Williams
© Hasenkopf

Fra­ge an Bri­git­te Neu­mann: Du kennst das sicher: Als jun­ger Spie­ler hast Du ein­fach ver­sucht, den gel­ben Ball so gut wie mög­lich übers Netz zu spie­len und warst total hap­py, wenn es Dir gelun­gen ist. Ganz beson­ders glück­lich warst Du, wenn Du einen als spie­le­risch stär­ker ein­ge­schätz­ten Geg­ner bezwin­gen konn­test. Irgend­wann ändert sich die unbe­schwer­te Ein­stel­lung, der Druck vom Trai­ner, dem Ver­ein oder von den Eltern wächst und die Erwar­tung von Dir selbst an Dich steigt. Wenn Du unter Dei­nen Mög­lich­kei­ten bleibst und Dei­ne Chan­cen nicht nut­zen kannst, schämst Du Dich.

Brigitte Neumann
© Neu­mann

Bri­git­te Neu­mann: Wie oft hören wir die Sprü­che: »Da spielt ja mei­ne Oma bes­ser!« — »Wäre ich heu­te bloß im Bett geblie­ben!« — »Heut geht ja gar nichts!« — Was steckt dahin­ter? Meist die Scham, heu­te so nicht opti­mal zu spie­len. »Ich kann es doch viel bes­ser – was den­ken denn die Zuschau­er (Trai­ner, Eltern, Spon­so­ren) von mir?!« Am liebs­ten möch­test Du Dich in ein Mau­se­loch ver­krie­chen. In die­ser Situa­ti­on kannst Du jetzt auf­ge­ben, Dich wei­ter selbst beschimp­fen, den Zuschau­ern Grund zum Läs­tern geben, als geknick­ter Ver­lie­rer vom Platz gehen. Dein Unter­be­wusst­sein bekommt ja auch stän­dig von Dir selbst zu hören, dass Du ein Ver­sa­ger bist und Du glaubst irgend­wann auch dran. Wenn Du Dir immer wie­der vor­sagst, was Du NICHT tun sollst, wirst Du immer genau das tun, was Du eigent­lich ver­hin­dern willst. Wenn ich Dir sage: »Den­ke jetzt bit­te nicht an einen rosa­ro­ten Ele­fan­ten«, wirst Du ihn vor Dir sehen. Bes­ser wäre Moti­va­ti­on, feu­er Dich posi­tiv an! Sage Dir einen der fol­gen­den Sät­ze: »Ok, abha­ken, wei­ter!« — »Ich kann es und ich schaf­fe es!« — »Komm jetzt, nächs­ter Ball!« — »Jetzt vol­le Kon­zen­tra­ti­on!« — »Alles noch drin, gib Gas!« oder »Nimm Dir Zeit!«.

Akti­vie­re Dei­nen Kampfgeist!

In die­sem Moment schal­tet dein inne­rer Kri­ti­ker ab, das Unter­be­wusst­sein akti­viert den Kampf­geist, die Auf­merk­sam­keit wird auf den nächs­ten Ball gelenkt (weg vom Feh­ler) und Du hast die Chan­ce, wie­der locker und unver­krampft zu spie­len. Trai­nie­re, Dei­ne Feh­ler weg­zu­ste­cken, immer wie­der nach vor­ne zu schau­en und posi­tiv ein­ge­stellt wei­ter­zu­spie­len. Ein Lächeln nach einem beson­ders »blö­den« Feh­ler kann die Situa­ti­on ent­schär­fen, den Span­nungs­kno­ten lösen und Dich wie­der auf die Gewin­ner­stra­ße brin­gen. Ver­su­che es! Hab Spaß beim Spie­len, nicht nur dann, wenn Du gewinnst! Genie­ße den Wett­kampf und freu Dich auf die Her­aus­for­de­rung! Wenn Du den Platz betrittst, soll­test Du Selbst­ver­trau­en, Ener­gie, Stär­ke und Kampf­be­reit­schaft aus­strah­len. Bereits beim Ein­spie­len demons­trierst Du Sicher­heit und Kon­trol­le. Zei­ge kei­ne Unsi­cher­hei­ten! Bemü­he Dich, schon jetzt Dei­nen inne­ren Rhyth­mus zu fin­den. Ab sofort ist nur noch das Match wich­tig, blen­de alles ande­re aus. Wenn beim Match etwas nicht klappt, dann ver­su­che etwas ande­res. Über­neh­me von Anfang an die Initia­ti­ve, sei auf­merk­sam und nut­ze die Schwä­chen Dei­nes Geg­ners. Spiel das, was Du am bes­ten kannst, aber habe immer auch eine Alternative.

Jam­mern bringt rein gar nichts…

Wenn ein Pro­blem auf­taucht, dann stell Dich der Situa­ti­on. Jam­mern nützt nichts! Je mehr Men­schen gegen Dich sind, des­to ruhi­ger und kon­zen­trier­ter spielst Du. Je mehr Dich Dein Geg­ner pro­vo­ziert, umso gna­den­lo­ser spielst Du Dein Spiel. Je wich­ti­ger der Punkt für den Sieg ist, des­to coo­ler bleibst Du. Je grö­ßer der Druck von außen wird, durch das Ergeb­nis, durch den Geg­ner oder Men­schen am Platz­rand, des­to ruhi­ger, gelas­se­ner und kampf­be­rei­ter musst Du wer­den. Zei­ge Dich gera­de bei Rück­stand kämp­fe­risch. Sobald der Geg­ner etwas nach­lässt, auch Feh­ler macht, dann bist Du dran. Du hast bis zum ver­wan­del­ten Match­ball die Chan­ce, ein Spiel zu gewin­nen. Erin­ne­re Dich jetzt an die Spie­le, in denen Du schon ein­mal einen Rück­stand auf­ge­holt hast. Zei­ge den Zuschau­ern, dass Du alles gibst, um zu gewin­nen. Sie wer­den Dich dafür ganz beson­ders anfeu­ern und einen Win­ner-Schlag mit extra Applaus beloh­nen. Spie­le jedes Match mit vol­lem Ein­satz! Und wenn Du auch dann noch ver­lie­ren soll­test, kannst Du aus vol­ler Über­zeu­gung sagen: »Ich habe alles ver­sucht. Der Geg­ner war heu­te ein­fach stär­ker. Ich weiß, wel­che Defi­zi­te ich im nächs­ten Trai­ning ver­bes­sern werde.«

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