Unangemessen gehandelt

Naomi Osaka
© Hasenkopf

Fra­ge an Marc-Kevin Goe­ll­ner: Ich möch­te ger­ne wis­sen, was Sie von den Aus­sa­gen Nao­mi Osakas hal­ten. Ist der media­le Druck auf die Spie­le­rin­nen und Spie­ler wirk­lich der­art groß? Und wie war das zu Ihren Zei­ten? Da gab es ja noch kei­ne sozia­len Medi­en und so. Hat Nao­mi Ihrer Mei­nung nach rich­tig und kon­se­quent gehan­delt? Fan­den Sie es sei­tens des Grand-Slam-Ver­an­stal­ters rich­tig, mit Tur­nier­aus­schluss zu dro­hen, anstatt die Spie­le­rin zu schüt­zen? Wenn erst jemand etwas antun muss, damit was pas­siert, fin­de ich das schon sehr schlimm. Nao­mi ist dem Ver­an­stal­ter in Paris ja prak­tisch zuvor gekommen.

Marc-Kevin Goellner

Marc-Kevin Goe­ll­ner: Hal­lo, Jan­nik! Der media­le Druck ist heut­zu­ta­ge enorm groß, das muss man schon sagen. Zu mei­ner akti­ven Zeit gab es kei­ne sozia­len Medi­en und auch das Inter­net war erst in den Kin­der­schu­hen, das ist rich­tig. Aber auch damals gab es schon die Bild­zei­tung und alle ande­ren ein­schlä­gi­gen Maga­zi­ne und Schrif­ten und auch da gab es nur schwarz und weiß. Ent­we­der »him­mel­hoch­jauch­zend oder zu Tode betrübt. Die Fra­gen haben sich auch nicht geän­dert. Wenn Du gewon­nen hast, warst Du der König, bei Nie­der­la­gen wur­de man nicht sel­ten nie­der­ge­macht. Die Pres­se ist mei­nes Erach­tens so kon­zi­piert, dass sich nega­ti­ve Schlag­zei­len und rei­ße­ri­sche Auf­ma­cher halt bes­ser verkaufen. 

Was Nao­mi Osa­ka angeht, so bin ich der Mei­nung, dass sie, wenn sie die­se Pro­ble­me hat, unbe­dingt men­ta­le Hil­fe auf­su­chen soll­te. Sie kann Pres­se­kon­fe­ren­zen selbst gestal­ten und zwar so neu­tral wie mög­lich und so aus­führ­lich wie nötig. Es gibt auch »Ja-oder-Nein-Ant­wor­ten«, man muss nicht immer aus­schwei­fend ant­wor­ten. Des­halb fin­de ich, dass sie in Paris mit ihrem PK-und Medi­en­boy­kott völ­lig unan­ge­mes­sen gehan­delt hat. Ich mei­ne, sie ist die mut­maß­lich bes­te Spie­le­rin der Welt, die best­be­zahl­te Sport­le­rin welt­weit. Wenn es dar­um geht, bei Nike oder Yonex einen neu­en mil­lio­nen­schwe­ren Wer­be­ver­trag zu unter­zeich­nen, sagt sie ja auch nicht „der media­le Druck ist mir zu groß”. 

Ich erin­ne­re mich in die­sem Zusam­men­hang an die Zei­ten von Stef­fi Graf, als ihr Vater wegen Steu­er­hin­ter­zie­hung im Gefäng­nis saß. Stef­fi sag­te damals: „Der ein­zi­ge Ort auf der Welt, wo ich frei bin, ist der Ten­nis­platz!” Das sieht Osa­ka so offen­sicht­lich nicht. Dar­an soll­te sie arbei­ten. Dass die Tur­nier­ver­an­stal­ter samt ihrer Spon­so­ren und Part­ner das media­le Inter­es­se aus­schöp­fen, um Auf­merk­sam­keit zu gene­rie­ren und dem­zu­fol­ge auch Geld zu ver­die­nen, ist doch auch klar. Man muss immer bei­de Sei­ten sehen. Von daher den­ke ich, dass Osa­ka nicht rich­tig gehan­delt hat.

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