Turnier-/Wettkampfbetreuung

Angelique Kerber & Torben Beltz
© Hasenkopf

Die Frei­luft-Sai­son hat mitt­ler­wei­le begon­nen und ermög­licht den ambi­tio­nier­ten Spieler*innen trotz Coro­na-Kri­se unter bestimm­ten Auf­la­gen wie­der an Tur­nie­ren und Wett­kämp­fen teil­zu­neh­men, was vor allem wich­tig für die Moti­va­ti­on der Akti­ven ist. Dies möch­te ich zum Anlass neh­men, um auf einen für uns Coa­ches wich­ti­gen Bereich ein­zu­ge­hen, näm­lich die »Tur­nier- und Wettkampfbetreuung«.

Toni Witz
© Witz

Für mich als Coach ist die Tur­nier- und Wett­kampf­be­treu­ung neben dem Trai­ning ein wesent­li­cher Bau­stein, um mei­nem Schütz­ling dabei zu hel­fen, sich rasch wei­ter­ent­wi­ckeln zu kön­nen. Schließ­lich muss ich schau­en, wie sich mein Schütz­ling unter Wett­kampf­be­din­gun­gen ver­hält, denn die unter­schei­den sich mit­un­ter deut­lich von der Trai­nings­si­tua­ti­on. Die Grün­de lie­gen auf der Hand:

  • unge­wohn­te Umge­bung. So unter­schei­den sich Platz­di­men­sio­nen und ‑qua­li­tät oft­mals von der Trainingsstätte
  • unge­wohn­te äuße­re Ein­flüs­se wie Lärm oder auch geg­ne­ri­sche Fans
  • Gegner*in hat eine Spiel­wei­se, mit wel­cher der Schütz­ling nicht zurechtkommt
  • men­tal hohe Belas­tung auf­grund eines unan­ge­neh­men Geg­ners oder auf­grund der Turnierwertigkeit

Die soeben erwähn­ten Bei­spie­le kön­nen auf den eige­nen Schütz­ling einen ganz unter­schied­lich star­ken Ein­fluss haben. So gibt es mei­ner Erfah­rung nach bei­spiels­wei­se Spieler*innen, die ger­ne Matches von hohem Stel­len­wert spie­len, weil sie sich dann leich­ter moti­vie­ren kön­nen. Ande­re Spieler*innen wie­der­um füh­len sich bei der­ar­ti­gen Matches, durch den von ihnen selbst auf­er­leg­ten Druck wie »gelähmt« und kön­nen ihr Leis­tungs­po­ten­zi­al im Ver­lauf des Matches bei wei­tem nicht abrufen.

Was der jewei­li­ge Schütz­ling für ein Typ ist und wie sie/er damit umgeht, kann vor allem durch die Betreu­ung des Schütz­lings bei einer Viel­zahl an Matches, in denen sie/er unter­schied­lichs­ten Situa­tio­nen aus­ge­setzt ist, vom Coach ein­ge­schätzt wer­den. Natür­lich sind Gesprä­che mit dem Schütz­ling nach dem Match im nächs­ten Trai­ning auch eine Opti­on und hilf­reich, sie kön­nen mei­ner Mei­nung nach eine Vor-Ort-Betreu­ung durch den Coach aber nicht gänz­lich erset­zen. Die Vor­tei­le einer Betreu­ung durch den Coach vor Ort kön­nen dabei unter ande­rem fol­gen­de sein:

  • schweißt Coach und Schütz­ling als Team noch mehr zusam­men und erleich­tert so den wei­te­ren Trainingsprozess
  • Schütz­ling fühlt sich nicht allei­ne und das Ver­trau­en wird gestärkt
  • genaue­re Ana­ly­se und dadurch viel genaue­re Planung/Schwerpunktsetzung für die fol­gen­den Trai­nings­ein­hei­ten  mög­lich, um den Schütz­ling auf wei­te­re Matches noch bes­ser vor­be­rei­ten zu können
  • nach dem Match ist mit Hil­fe des Coa­ches eine sach­li­che und emo­ti­ons­lo­se Bewer­tung der Leis­tung unab­hän­gig vom Ergeb­nis mög­lich, was vor allem bei Kin­dern und Jugend­li­chen sehr wich­tig ist

Der Stel­len­wert der sach­li­chen und emo­ti­ons­lo­sen Bewer­tung des Matches durch den Coach ist dabei nicht zu unter­schät­zen. Denn eine sol­che Bewer­tung kann sowohl auf den wei­te­ren Tur­nier­ver­lauf, als auch auf die danach fol­gen­den Trai­nings­ein­hei­ten einen gro­ßen Ein­fluss haben. So kann ein Schütz­ling gera­de ein Match knapp ver­lo­ren, dabei aber eine tol­le Leis­tung gebo­ten haben und mit­tels einer ent­spre­chen­de Ana­ly­se durch den Coach kann der Schütz­ling trotz, oder gera­de wegen die­ser Nie­der­la­ge extrem moti­viert sein, weil sich das Team auf dem rich­ti­gen Weg sieht.

Im Umkehr­schluss muss aber auch bei einem Sieg nicht alles posi­tiv gewe­sen sein. Auch in die­sem Fall soll­te eine kla­re Ana­ly­se erfol­gen, bei der auch mög­li­che Defi­zi­te ange­spro­chen wer­den. So wird dem Schütz­ling am Ende klar gemacht, dass es nicht immer um nur Sieg oder Nie­der­la­ge geht, son­dern auch um die Art und Wei­se, wie das Ergeb­nis zustan­de gekom­men ist, da dies ist für die wei­te­re Leis­tungs­ent­wick­lung aus­schlag­ge­bend sein kann.

Wir soll­te nun eine opti­ma­le Tur­nier- und Wett­kampf­be­treu­ung spe­zi­ell für Kin­der und Jugend­li­che aus­se­hen? Nun, da gibt es eini­ge Din­ge, die unbe­dingt ein­ge­hal­ten wer­den müs­sen und Din­ge, die sehr indi­vi­du­ell gestal­tet wer­den können/sollen:

  • vor Tur­nier­be­ginn abklä­ren, auf wel­chem Belag und mit wel­chen Bäl­len gespielt wird und dies in den Trai­nings­ein­hei­ten davor ent­spre­chend berücksichtigen
  • mit dem Schütz­ling recht­zei­tig abklä­ren, ob das Equip­ment passt (sind die Schlä­ger neu bespannt, die Schu­he in Ord­nung etc.)
  • auf Ernäh­rung ach­ten (was soll­te wann geges­sen werden)
  • Anrei­se mit ent­spre­chen­der Vor­lauf­zeit pla­nen (genü­gend Zeit, um sich in Ruhe vor­be­rei­ten zu können)
  • Ein­schla­gen wenn mög­lich vor Ort, um sich auf die Bedin­gun­gen ein­stel­len zu können
  • Auf­wärm­ri­tua­le fest­le­gen (wann, was, wie lange)
  • Noti­zen zum Match machen (Akri­bie und Umfang kön­nen variieren)
  • Cool-down-Pro­gramm nach dem Match durch­füh­ren (aus­lau­fen, deh­nen, etc.)
  • Abschluss­be­spre­chung (Zeit­punkt sehr indi­vi­du­ell gestalt­bar und abhän­gig vom Schütz­ling selbst sowie vom Aus­gang des Matches)
  • Betreu­ung des Schütz­lings in den Match­pau­sen (eben­falls sehr indi­vi­du­ell zu gestalten)
  • wenn mög­lich: gemein­sa­me Beob­ach­tung des/der nächs­ten Gegner*in
  • Spie­le wie bei­spiels­wei­se Schach (für die Kon­zen­tra­ti­on) oder auch ein­fach Spie­le, bei denen der Schütz­ling abschal­ten kann und die für die Stim­mung posi­tiv sind
  • Erzie­hung zur Selbst­stän­dig­keit (Schütz­ling mel­det sich sel­ber bei der Tur­nier­lei­tung an und orga­ni­siert sich eine(n) Doppelpartner*in sowie Trainingsmöglichkeiten)

Neben all den soeben erwähn­ten Richt­li­ni­en soll­te nicht ver­ges­sen wer­den, dass es spe­zi­ell für Kin­der und Jugend­li­che auch dar­um gehen soll­te, mit Freu­de an Tur­nie­ren teil­zu­neh­men. Und dazu gehört, auch in den Pau­sen mit ande­ren Spieler*innen Zeit ver­brin­gen zu kön­nen, natür­lich nur, wenn es der Zeit­plan zulässt. Denn der Schütz­ling soll­te ler­nen, dass man zwi­schen Wett­kampf und Frei­zeit dif­fe­ren­zie­ren muss. Unter ande­rem ein Trend, der im Ver­gleich zu dama­li­gen Zei­ten im Pro­fi­ten­nis immer häu­fi­ger zu sehen ist. Bes­tes Bei­spiel hier­für sind Domi­nic Thiem und Alex­an­der Zver­ev, die sich auf dem Platz nichts schen­ken, danach aber bes­tens ver­ste­hen und befreun­det sind. In die­sem Sin­ne wün­sche ich Euch einen küh­len Kopf und viel Spaß bei der Betreu­ung Eures Schützlings!

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