Trainer Coaches
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Userfrage:Hallo Herr Haun! Zunächst einmal Kompliment für Ihre bisherigen Beiträge. Ich bin als Jugendwart neu im Amt und habe eine Frage zur Vertragsgestaltung mit einem potentiellen Vereinstrainer. Welche Laufzeit sollten wir vertraglich mit unserem neuen Jugendtrainer vereinbaren? Was ist marktüblich? Auf der einen Seite wollen wir dem Trainer ja eine gewisse Perspektive bei uns zusichern, auf der anderen Seite wissen wir ja nicht, wie der Trainer einschlagen wird und ob er seitens unserer Jugend und deren Eltern überhaupt angenommen wird? Kann man Verträge auch einseitig vorzeitig lösen, wenn es absolut nicht passt? Ich bedanke mich sehr für Ihre Bemühungen und Expertise.“

Lieber Erwin!

Vielen Dank für Ihre Nachricht und das damit ausgesprochene Vertrauen in meine Person! Wenn wir einen Blick zum Fußball werfen, so sind dort mittlerweile 3- bis 5-Jahresverträge für Trainer mit entsprechender Qualität marktüblich geworden. Im Tennis ist es nach wie vor so, dass einige Tennistrainer nur mit unzureichenden Verträgen ausgestattet sind, teilweise aufgrund von Unwissenheit, teilweise aufgrund mangelnder Alternativen.

Ich gehe davon aus, dass Ihr potentieller Vereinstrainer im Rahmen seiner Bewerbung neben Kopien seiner Trainerlizenz(en) und/oder Berufsabschlüssen auch Arbeitsnachweise und/oder Zeugnisse früherer Engagements vorgelegt hat. Somit haben Sie bereits einen ersten Eindruck, wer vor Ihnen steht. Ergänzend dazu kann ein Anruf bei einem früheren Verein nicht schaden, da es nicht selten vorkommt, dass in Tätigkeitsnachweisen nicht immer alles drin steht, was wissenswert ist. Oft erfahren Sie in einem Telefonat mit dem Vorstand des vorherigen Vereins entscheidende Details für oder gegen einen Kandidaten. Wenn ein Kandidat nichts zu verheimlichen hat, wird er dieser telefonischen Kontaktaufnahme auch zustimmen.

Aufgrund meiner Erfahrung halte ich es für wichtig, darauf zu achten, ob der Kandidat eine gültige Trainerlizenz vorweisen kann oder nicht, ob sich der Kandidat den vorgeschriebenen Fortbildungen unterzogen hat oder nicht und ob er sich zusätzlich fortgebildet hat. Denn hieraus lassen sich Faktoren wie Eigenmotivation und Arbeitsqualität ableiten.

Kann der Kandidat aussagekräftige Referenzen vorlegen und verfügt er zeitgleich über viele Jahre Berufserfahrung, so steht einem 2- oder 3-Jahresvertrag nichts entgegen. Ich empfehle Ihnen aber, dass sie sich für das erste Jahr ein Sonderkündigungsrecht sichern, sollte der Kandidat trotz bester Referenzen und Erfahrung doch nicht bei den Mitgliedern ankommen. Denn schließlich tickt ja jeder Verein ein bisschen anders und oft passt es trotz bester Referenzen nicht zusammen. Entscheiden Sie sich für einen jüngeren Kandidaten, der erst am Anfang seiner Trainerlaufbahn steht und daher noch nicht viel vorlegen kann, so spricht nichts gegen eine kürzere Laufzeit zu Beginn (z.B. ein Jahr) – verbunden mit der Option, dass sich die geschlossene Vereinbarung vorzeitig um zwei Jahre verlängert, wenn es für beide Seiten passt und bis zum »Termin X« nichts Gegenteiliges vereinbart wurde. Somit hat auch der jüngere Kandidat die Chance, sich eine langfristige Perspektive aufzubauen. Ich selbst hatte eine solche Vereinbarung bei meiner ersten Trainerstation. Dieser Passus motivierte mich zusätzlich. Aus einem Jahresvertrag wurden sechs Jahre am Stück.

Bei weiteren Fragen stehe ich Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung! Und nun, lieber Ernst, wünsche ich ein gutes Händchen und viel Freude und Erfolg mit dem neuen Trainer!

Thassilo Haun

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Thassilo Haun ist ein echter »Tausendsassa«. Bundesligaspieler, DTB-A-Lizenz-Tenniscoach, Jura-Student, Bankkaufmann sowie Privatkunden- und Existenzgründungsberater. Für unser Portal »Tennisredaktion.de« steht Thassilo als Teil des Kompetenz-Teams für den Bereich »Vereins- und Trainerberatung« kostenlos Rede und Antwort.

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