Spezialschläge

Roger Federer
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Fra­ge an Jörg Lin­den: Hal­lo Jörg! Ich bin Übungs­lei­te­rin bei uns im Club und selbst eine sehr pas­sa­ble Spie­le­rin (LK3). Ich fra­ge mich, ab wann ich mei­nen Jugend­li­chen Spe­zi­al­schlä­ge bei­brin­gen soll? Sli­ce und Top­spin sind ja emi­nent wich­tig und ich möch­te den Junio­rin­nen und Junio­ren bei uns im Club ger­ne recht­zei­tig auf­zei­gen, dass es mehr gibt, als den soli­den gera­den Grund­schlag. Auch und vor allem beim Auf­schlag stellt sich mir die Fra­ge, ab wann Jugend­li­che über­haupt Sli­ce und Kick auf die Rei­he bekom­men sol­len und können?!

Jörg Linden
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Jörg Lin­den: Das ist eine span­nen­de Fra­ge und gene­rell wür­de ich die­se mit »JA« beant­wor­ten. Ich habe schon die ver­rück­tes­ten Sachen gese­hen! Dass zum Bei­spiel Vor­hand Top­spin direkt bes­ser war, als der »nor­ma­le« Schlag. Eben­falls gab es Rück­schrit­te und ich habe den Schü­ler mit neu­en Tech­ni­ken über­for­dert. Du sol­lest auf jeden Fall Spe­zi­al­schlä­ge demons­trie­ren und aus­pro­bie­ren las­sen. Es gibt kei­ne wirk­li­che Faust­for­mel, was das Alter betrifft, um mit Spe­zi­al­schlä­gen zu begin­nen. Der Schü­ler (die Schü­le­rin) soll­te aller­dings gewis­se Vor­aus­set­zun­gen erfül­len, um sich die­sen beson­de­ren Schlä­gen inten­si­ver zu widmen.

Ers­tens: Das Beherr­schen der Grund­tech­nik des zu erler­nen­den Spe­zi­al­schlags ist enorm wich­tig. Zwei­tens: Das Talent und die koor­di­na­ti­ve Bereit­schaft für die neue Bewe­gung soll­ten vor­han­den sein. Drit­tens: Das Fest­set­zen der indi­vi­du­el­len Zie­le des Schü­lers. Was möch­te er errei­chen? Mann­schaft? Tur­nie­re ? Frei­zeit­ten­nis? Vier­tens: Wie vie­le Ein­hei­ten trai­niert der Schü­ler pro Woche? Fünf­tens: Wie hoch sein Frus­tra­ti­on-Level? Sechs­tens: Die Grund­ele­men­te des Ten­nis in moti­vie­ren­den pro­gres­si­ven Schrit­ten ver­mit­teln, ist eine erfolg­rei­che Metho­de. Sieb­tens: Die Auf­ga­ben dem indi­vi­du­el­len Kön­nens- und Wis­sen­stand anzu­pas­sen, ist der Schlüs­sel zum Erfolg und zur Erhal­tung des Spaß­fak­tors. Schließ­lich soll der Schü­ler ja in der nächs­ten Woche wie­der kommen.

Um das etwas all­ge­mei­ner zu for­mu­lie­ren, soll­te der Schü­ler in der Lage sein, Ball­wech­sel spie­len zu kön­nen und die Grund­tech­ni­ken locker beherr­schen. Hat der Schü­ler zum Bei­spiel nur ein Mal pro Woche Trai­ning, macht es durch­aus Sinn, in eini­gen Trai­ner­stun­den den Kick-Auf­schlag zu demons­trie­ren und ihn aus­pro­bie­ren zu las­sen, jedoch wird er den Spaß ver­lie­ren, wenn 45 Minu­ten nur Kick-Auf­schlag trai­niert wird. Je nach indi­vi­du­el­len Zie­len, Leis­tungs­stand und Trai­nings­ein­hei­ten pro Woche bespre­che ich gemein­sam mit dem Schü­ler den zukünf­ti­gen Trai­nings­plan. Ich habe schon mit 8‑Jährigen Spe­zi­al­schlä­ge trai­niert, was natür­lich nicht die Regel ist. Neben inten­si­ven Spiel- und Tak­tik­ein­hei­ten, kannst Du beden­ken­los fast jedem Schü­ler in pro­gres­si­ven, kur­zen Schrit­ten spe­zi­el­le Tech­ni­ken demons­trie­ren. Schnell wer­det Ihr Bei­de sehen, ob es Sinn macht, dar­an fest zu hal­ten oder ob die Trai­nings­schwer­punk­te wei­ter­hin auf ande­re Zie­le gelegt werden.

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