Besser als Mathe und Deutsch

Fröhlicher Kinderlärm – Erwachsene nennen ihn ohrenbetäubend – schallt aus der Sporthalle. Das eigene Wort ist kaum mehr zu verstehen. Mehr als 300 Grundschüler der ersten bis vierten Jahrgänge sorgen für Stadion-Atmosphäre, anlässlich einer örtlichen Schultennis-Meisterschaft; alles wie zu besten Davis-Cup-Zeiten in den 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts. „Das ist viel besser als Mathe und Deutsch“, war von einigen Teilnehmern zu hören. Diese Ausführungen haben genau so bei einem Schultennisevent einer Grundschule in der Nähe von Heidelberg stattgefunden. Zur Siegerehrung kam die mehrfach deutsche Tennismeisterin Stefanie Gehrlein als Überraschungsgast in die Sporthalle. „Eine solche Stimmung habe ich noch nie bei einer Tennisveranstaltung erlebt“, war ihr Kommentar, als ihr die Autogramme regelrecht aus der Hand gerissen wurden.

Dies ist ein Beispiel von vielen, wie es möglich ist, Tennis als eine spannende Sportart in Form eines Events einer großen Anzahl vom Schülern näher zu bringen. Als Auftakt für eine sich anschließende Kooperation »Schule-Verein« ist ein Schultennis-Event in Form einer Meisterschaft die ideale Plattform, aktiv Mitgliederwerbung bei Kinder und Jugendlichen zu betreiben. Zusätzlich ist dies eine sehr gute Gelegenheit, sich als Verein in der örtlichen Presse als aktiver Sportanbieter der Öffentlichkeit zu präsentieren. Dies ist vor dem Hintergrund sinkender Mitgliederzahlen innerhalb der Vereine eine gute Gelegenheit, Präsenz zu zeigen und für sich zu werben.

Das Freizeitverhalten der Kinder und Jugendlichen hat sich in den vergangenen Jahren deutlich hin zur Inaktivität verschoben. Parallel dazu ist das Freizeitangebot von Vereinen und kommerzieller Sportanbieter stetig angewachsen. Diese drängen nun ebenfalls auf den »Markt Schule«, um Mitglieder für ihre Aktivitäten zu gewinnen. Hier wird sich am Ende derjenige durchsetzen, der den Schülern das beste und attraktivste Angebot vorstellt.

Die heutige Bildungspolitik beeinflusst im starken Maße die Planungen im Jugendbereich der Vereine. Die vielfach angestrebte Ganztagesschule und die auf acht Jahre verkürzte Gymnasialzeit haben dabei große Auswirkungen auf die aktive Jugendarbeit der Tennisvereine bis hin zum Wettkampfspielbetrieb der jugendlichen Altersklassen.

Falls es bundesweit zu einer Ganztagsbetreuung der Schüler kommen sollte, ist der Jugendsport am Nachmittag in seiner bisherigen Form kaum integrierbar und es müssen neue Wege gefunden werden. Solche bildungspolitischen Veränderungen dürfen aber nicht als Bedrohung angesehen werden, sondern müssen als neue Chance und Herausforderung für Vereine verstanden werden. Weiterhin ist es sinnvoll, über den Tellerrand hinauszuschauen und genau zu verfolgen, welche Aktivitäten andere Sportarten wie Handball oder Fußball vollziehen, um aktiv in den Schulen Fuß zu fassen.

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