Tennis Europe – Pro & Contra

»DIE STARS VON MORGEN« – unter anderem mit diesem vollmundigen Slogan wirbt die »Tennis Europe Junior Tour« für ihre 1990 ins Leben gerufene Turnierserie. „Die anerkannte, ideale Grundlage für eine erfolgreiche Karriere als Tennisprofi!“ soll durch die Teilnahme an so genannten »TE-Events« gelegt werden. Eines ist definitiv Fakt: »Tennis Europe« macht professionelle Arbeit! Serviert werden hierbei klingende Namen wie Novak Djokovic, Roger Federer, Rafael Nadal, Maria Sharapova, Victoria Azarenka, Andy Roddick, Juan Martin del Potro oder Lindsay Davenport.

Ja, die Turniere sind organisatorisch teilweise auf ATP- oder WTA Niveau. Tolle Turnierprogramme mit Sponsoren, Fahrservice, Top-Hotels und Superorganisation, ein Online-Turnierkalender, ein wöchentliches Ranking sowie ein Masters-Turnier mit »Players of the Year« erinnern schon ganz artig an die großen Profi-Vereinigungen. Mittlerweile gibt es jährlich über 400 Events in den Altersklassen U12, U14 sowie U16. 410.000 Zuschauer, 228.000 Bälle, 12.000 Tennistalente aus 110 Nationen, mehr als 900 Zeitungen, welche über die Tour berichten und 14.000 Sendeminuten bei Funk und Fernsehen. Wir sehen, »Tennis Europe« macht einen professionelle Job. Dass bei einem solchen Hype Spieler, Eltern und Trainer das Gefühl bekommen können, „Hey, da müssen wir dabei sein, wir verpassen ansonsten unsere große Chance aufs Profitennis!“, ist klar und von den Machern sicher auch gewollt.

»Tennis Europe« – was dafür spricht…

Es ist vor allem für regional erfolgreiche Spieler wichtig, über ihren Tellerrand hinaus Vergleichsmöglichkeiten zu bekommen, um damit ihre Leistung besser einordnen zu können. Das internationale Flair, die professionelle Durchführung der TE-Turniere sind mit Sicherheit eine hilfreiche Motivationsspritze für Teenager. Junge Tenniscracks können über ihre Landesgrenzen hinaus Freundschaften schließen. Die Jagd nach TE-Punkten kann sich leistungssteigernd bemerkbar machen. Unabhängig davon, ob Dein Kind/Tennisschüler nun regional, national oder eben international seine Turniererfahrungen sammelt. Eine Grundregel sollte nicht vergessen werden: »Der richtige Mix macht’s!« Ein Drittel Matches, die man gewinnen sollte, ein Drittel mit einer 50/50-Wahrscheinlichkeit und ein Drittel gegen bessere Gegner mit einer tendenziellen Außenseiter-Chance.

»Tennis Europe« – was dagegen spricht…

Kinder in den Altersklassen U12/14 auf TE-Turnieren spielen zu lassen, halte ich für groben Unfug. Hier reichen regionale/nationale Turniere völlig aus. Die Jagd auf TE-Punkte bzw. Ranglistenplätze verleitet dazu, übertrieben viele Turniere zu spielen. Kids verlieren den »Biss«. Es werden teilweise immense Anfahrten und Turnierkosten verursacht, die in keinem Verhältnis zum »Ertrag« stehen. Es wird schließlich noch kein Preisgeld gewonnen, lediglich ein paar hübsche Pokale, Urkunden und Sachpreise. Bei erfolgreichen TE-Spielern ist die Gefahr groß, zu früh erfolgsverwöhnt zu werden. Wie soll sich so jemand später durch die Qualifikations-Mühlen irgendwo im Niemandsland auf den kleinen Events der ATP- und WTA-Tour kämpfen können?! Durch die Überbewertung von TE-Punkten, auch für die nationalen Ranglisten, wird Vielspielerei zusätzlich belohnt und gleichzeitig die Attraktivität deutscher Turniere gemindert. Ich habe in meinem persönlichen Umfeld schon zu viele Fälle erlebt, wo wirklich talentierte Spieler von inkompetenten Trainern und fanatischen Eltern verheizt wurden. Was bringt es einem Kind tatsächlich, mit z.B. vierzehn Jahren die Nummer Fünf in Europa zu sein? Gar nichts! Spieler müssen dann in Top-Verfassung sein, wenn ein eventueller Übergang zu den Profis ins Auge gefasst werden kann. »Hier werden Stars geboren« ist Bullshit! Champions werden nicht geboren, sie werden gemacht. Im Training.

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