Tennis Europe II

TENNIS EUROPE – was dafür spricht: Es ist vor allem für regional erfolgreiche Spieler wichtig, über ihren Tellerrand hinaus Vergleichsmöglichkeiten zu bekommen und damit ihre Leistung besser einordnen zu können. Das internationale Flair, die professionelle Durchführung der TE-Turniere sind mit Sicherheit eine hilfreiche Motivationsspritze für Teenager. Junge Tenniscracks können über ihre Landesgrenzen hinaus Freundschaften schließen. Die Jagd nach TE-Punkten und TE-Ranglistenpositionen kann sich leistungssteigernd bemerkbar machen. Unabhängig davon, ob dein Kind/Tennisschüler nun regional, national oder eben international seine Turniererfahrungen sammelt. Eine Grundregel sollte nicht vergessen werden: Der richtige Mix macht’s: ein Drittel Matches, die man gewinnen sollte, ein Drittel Matches mit einer fifty/fifty Wahrscheinlichkeit und ein Drittel Matches gegen bessere Gegner mit einer tendenziellen Außenseiter-Chance.

TENNIS EUROPE – was dagegen spricht: Kinder in den Altersklassen U12/14 auf TE-Turnieren spielen zu lassen, halte ich für groben Unfug. Hier reichen regionale/nationale Turniere völlig aus. Die Jagd auf TE-Punkte bzw. Ranglistenplätze verleitet dazu, übertrieben viele Turniere zu spielen. Kids verlieren den »Biss‘« Es werden teilweise immense Anfahrten und Turnierkosten verursacht, die in keinem Verhältnis zum »Ertrag« stehen. Es wird ja noch kein Preisgeld gewonnen. Ein paar hübsche Pokale, Urkunden und Sachpreise ausgenommen. Bei erfolgreichen TE-Spielern ist die Gefahr groß, zu früh erfolgsverwöhnt zu werden. Wie soll sich so jemand später durch die Qualifikations-Mühlen irgendwo im Niemandsland auf den kleinen Events der ATP- und WTA-Tour kämpfen können?! Durch die Überbewertung von TE-Punkten, auch für die nationalen Ranglisten, wird Vielspielerei zusätzlich belohnt und gleichzeitig die Attraktivität deutscher Turniere gemindert. Ich habe in meinem persönlichen Umfeld schon zu viele Fälle erlebt, in welchen wirklich talentierte Spieler von inkompetenten Trainern und fanatischen Eltern verheizt wurden. Was bringt es einem Kind tatsächlich, mit z.B. vierzehn Jahren die Nummer Fünf von Europa zu sein? Gar nichts! Spieler müssen dann in Top-Verfassung sein, wenn ein eventueller Übergang zu den Profis ins Auge gefasst werden kann. Die Aussage »Hier werden Stars geboren« ist Bullshit! Champions werden nicht geboren, sie werden gemacht. Auf dem Trainingsplatz!

 

Autor: Stephan Medem
Photocredit: Jürgen Hasenkopf

September 2018 · © tennisredaktion.de