Teils heiter, teils wolkig

Für jeden Turnierveranstalter ist es wichtig, dass die so genannten »prominenten Zugpferde« so lange wie möglich im Rennen bleiben und vor allem: dass das Wetter mitspielt. Besonders im beschaulichen Halle in Westfalen sind diese beiden Komponenten unverzichtbar, denn das Turnier lebt in ganz besonderer Form vom attraktiven Gesamtpaket und dem »netten Drumherum«. Insofern dürfte Turnierboss Ralf Weber dieser Tage nicht ganz so glücklich sein, denn auf der einen Seite musste er zuschauen, wie gleich an den ersten drei Tagen zahlreiche Top-Acts in seinem Hotel vorzeitig auscheckten und auf der anderen Seite wäre da ein mehr als skeptischer Blick gen Himmel, denn auch der heutige Donnerstag beginnt mit viel Nass von oben. Keine guten Aussichten also für einen Turniertag, an dem Superstar Roger Federer alles überstrahlen soll. Vermutlich wird dies bei geschlossenem Dach einmal mehr als »Hallenevent« über die Bühne gehen. Und sollte es heute wieder durchregnen, beißen die zahlreichen Schausteller rund um das GERRY WEBER STADION einmal mehr in die Tischkante. Übrigens: die Geldschraube wird nicht nur bei den Preisgeldern für die Spieler ins Unermessliche geschraubt, auch eine »Runde Pils« oder den »Kuchen für Oma« finanziert man längst schon nicht mehr ohne vorher mit seinem Sparkassenberater gesprochen zu haben. Die diesjährige Krönung ist ohne jeden Zweifel ein Mini-Burger für sage und schreibe 14 Euro, den man gleich nach Erhalt und Inspektion und vor dem Verzehr 1:1 entsorgt, aus Angst, sich den Magen zu vertun.

Zurück zum Sportlichen: Roger Federer spielt heute gegen den Franzosen Benoit Paire, bei dem bekanntlich in jedem Match alles möglich ist. Es kann sein, dass er nach sieben Minuten die Sachen packt, wenn er merkt, dass es heute nicht sein Tag werden wird, er kann aber durchaus auch mal einen Roger Federer schlagen. Die Chancen auf einen Verbleib des Eidgenossen und einen möglichen späteren Finaleinzug stehen allerdings nicht schlecht. Die ganz großen Namen fehlen in der oberen Hälfte des Tableaus: Paire, Ebden, Kohlschreiber, Sugita, Kudla – das sollte für den »Maestro« machbar sein. Aber vor allem auf Rasen weiß man nie. Kaum vorstellbar, wenn sich nach Alexander Zverev, Dominic Thiem, Kei Nishikori, Lucas Pouille und Richard Gasquet auch Federer vorzeitig verabchieden sollte. Überhaupt fragt man sich, was bei den GERRY WEBER OPEN eigentlich passieren wird, wenn mit Roger Federer mal nicht mehr geworben werden kann?! Ein Zuschauer orakelte im Biergartengespräch vor zwei Tagen, „dass die GERRY WEBER OPEN mit Rücktritt Federers ebenfalls Geschichte werden”. Wollen wir es mal nicht hoffen.

 

Autor: Christoph Kellermann
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Juni 2018 · © tennisredaktion.de