Medems Elternratgeber

In dieser Form einmalig auf dem Tennismarkt: »Ich WILL nach Wimbledon« – die Chance auf das entscheidende Break für Eltern, Coaches und Spieler oder wie DU die Tennislaufbahn Deines Kindes optimal unterstützt und ihm hilfst, das Beste aus sich zu machen! Als Autor erkläre ich in diesem Buch umfassend, worauf es beim elterlichen Coaching ankommt. Das Vorwort ist von Jose Antonio Fernandez Ibarra geschrieben worden. Er ist ehemaliger ATP-Tour-Professional, Davis-Cup-Spieler, Ex-Coach von Steffi Graf sowie Scout der Rafael Nadal Tennis Academy. Dieses Buch ist ein absolutes MUSS für jede (Tennis-)Mutter, jeden (Tennis-)Vater und für jeden Coach, der sich ehrlich für sein tennisspielendes Kind und dessen bestmögliche Entfaltung interessiert! Hier gibt es exklusive Auszüge aus diesem ultimativen Elternratgeber. Viel Erfolg wünsche ich! Euer Steph! PS: Wer den Elternratgeber bestellen möchte, kann dies gern über meine Website tun!

Hat Dein Kind Angst vor dem Wettkampf? Nun, es kann wohl keine Angst vor dem Siegen haben?! Wenn Angst im Spiel ist, dann haben wir es immer mit der Angst vor der Niederlage zu tun! Woher kommt diese Angst? Im frühen Kindesalter spielen doch Kinder eigentlich ganz locker und natürlich, wenn eine Sache nicht klappt, nun, dann setzen sie sich hin und probieren es aufs Neue, bis die Sache halt irgendwann klappt. Angst gibts da normalerweise gar keine! Angst kommt erst mit Erwartungen auf! Das Turnier gewinnen zu müssen! Gegen diesen Gegner nicht verlieren zu dürfen. Nicht schon wieder den selben Fehler zu machen. Endlich das Gelernte vom Trainings- in den Match-Einsatz zu transportieren, und so weiter. Und diese Erwartungen hat der junge Sportler in der Regel Euch Eltern zu verdanken! Lernt, Eure Erwartungen an Euer Kind für Euch zu behalten. Ich bin sicher, jedes ehrgeizige Kind hat eigene Erwartungen, teilweise schon sehr hohe, an sich selbst. Da kann es Eure Erwartungen oben drauf nicht auch noch gebrauchen. Das artet über kurz oder lang aus und wird sehr schnell zu viel an Ballast, bzw. Druck! Versucht, Eurem Sohn, Eurer Tochter die Freude am Wettkampf zu vermitteln. Macht ihnen klar, dass ein Match etwas ‚Geiles‘ ist. Dass es mit Kampfgeist und Esprit in ein Turnier eingreifen soll! Dass es Spaß am Zweikampf hat und Sieg oder Niederlage somit zweitrangig ist! Ich weiß, das ist für dein einen oder anderen von Euch eine ganz schwierige Kiste, aber versucht es! Euer Kind wird, wenn diese Angst nicht mehr vorhanden ist, sehr viel zwangloser und damit automatisch erfolgreicher spielen!
Du wünschst Dir, dass Dein Sprössling bei jeder Trainingseinheit mit 100% Engagement dabei ist. Klare Sache. Du weißt von der »10.000-Stunden-Regel« und möchtest natürlich keine Zeit und kein Geld verschwenden. Auch hier wird Dein Kind genau das umsetzen, was es von Dir gelernt hat. Gehst Du mit der Einstellung an Deine Erledigungen heran, wie Du es von Deinem Kind forderst, so wird es ganz natürlich diesen Teil Deines »Betriebssystems« in seines übernehmen. Erwarte niemals von Deinem Kind, sich »richtig hineinzuhängen«, wenn Du selbst das auch nicht praktizierst! Vorleben anstelle von Vorsprechen!
Nein, wir wollen uns hier nicht um die Ausdauer kümmern, welche ein Marathonläufer zum Erreichen der Ziellinie nach gelaufenen 42,195 Kilometern benötigt. Sicher, eine gewisse konditionelle Grundausdauer braucht ein Tennisspieler selbstverständlich auch! Wir wollen uns eher mit der Art von Ausdauer beschäftigen, die zum Erreichen langfristig gesetzter Ziele unerlässlich ist. Eine anderes Formulierung könnte auch Beharrlichkeit oder Zähigkeit sein. Dein Kind soll ja zäh, beharrlich und ausdauernd ein Endziel, z.B. Tennisprofi, verfolgen. Wir erwarten, dass es penetrant dran bleibt an seinem Ziel! Auch wenn es auf diesem Weg viele Stolpersteine, frustrierende Erfahrungen und haufenweise Rückschläge geben kann. Wie schaut das bei Euch aus? Lebt Ihr diese Ausdauer vor? Mit der Realisation Eurer persönlichen Ziele? Unterstützt Ihr durch Eure Aktionen und Worte diese beinharte Beharrlichkeit? Helft Eurem Kind dabei, nie das Ziel vor den Augen zu verlieren, lobt jeden Schritt in die richtige Richtung, denn es hat einen langen Weg vor sich! Schiebt es auf diesem Weg nicht, sondern begleitet es!
Sicherlich sind Ausreden für den einen oder anderen Spieler eine wunderbare Sache. „Die Bälle waren abgespielt!“, „Der Wind war zu stark!“, „Die Plätze waren zu nass!“, „Der Gegner hat ja nur Glück gehabt!“, „Wenn meine Bespannung nicht gerissen wäre… und der entscheidende Ball nicht versprungen wäre... und... und... und...!" Ich glaube, behaupten zu können, dass ich das ganze Repertoire an Tennisausreden schon x-fach gehört habe - und sie haben alle eines gemeinsam: Sie sind allesamt faul! Ausreden sind von mir aus gesehen die billigste Art, die eigene Unfähigkeit, sprich Niederlage, zu entschuldigen: Indem ich die Schuld etwas, oder jemandem anders zuweise. Entweder produziert Dein Kind Ausreden oder Resultate! Gute Sportler akzeptieren die Niederlage und machen das Beste daraus! Nämlich eine gute, lehrreiche Erfahrung! Unterstützt Euer Kind bei diesem schwierigen Prozess!
Das Wetter draußen vor dem Haus ist nicht gerade prickelnd. Der Arbeitstag war alles andere als gemütlich. Wie schaut es bei Euch aus? Zieht ihr trotzdem die Jogging-Schuhe an und lauft noch ein paar Kilometer? Okay, eigentlich sollte der Rasen gemäht werden. Aber es ist so verdammt heiß draußen, da reicht’s doch auch, wenn die Sache morgen erledigt wird. Der Hund steht schwanzwedelnd vor dem Sofa. „Wie schön wär’s, wenn Du noch kurz eine kleine Runde mit mir spazieren würdest!“ will er Dir mit seinem gesamten verfügbaren Repertoire mitteilen. Und? Ist die »Anziehungskraft Sofa« zu groß oder bekommst Du den Hintern noch einmal hoch? Gut: der Hund, er ist genügsam und legt sich nach mehreren Versuchen irgendwann enttäuscht in die Ecke. Er wird auch nicht lange schmollen. Nicht gut: Euer Kind hat die Sache hautnah miterlebt und eine Erinnerung im »Betriebssystem Leistung« abgespeichert. Eine negative. Wenn es nur bei der einen bleibt, Leute, kein Problem. Aber gewinnt der »innere Schweinehund« bei Euch zu oft die Oberhand, dann habt Ihr ein Problem! Ja, vielleicht auch mit Eurer Figur (!?!?), aber viel schlimmer: Euer Kind wird Euer Verhalten auf seiner Festplatte speichern!
Eine kleine Story aus meiner Racket-Bag. Es ist Montagnachmittag. Tim hat am Wochenende davor ein richtig gutes Turnier gespielt und sich bis ins Finale gekämpft. Das hatte er mir ganz stolz per SMS geschrieben. Schon nach einer Viertelstunde auf dem Trainingsplatz merke ich, dass mein Tennisschüler total kaputt ist. Ich unterbreche die Trainingseinheit und frage nach. Tim erzählt mir, dass er in drei Turnierspielen über zwei Stunden kämpfen musste, um seine Gegner nieder zu ringen und danach (logischerweise) fertig war. Die Niederlage im Finale war eigentlich vorprogrammiert, weil konditionell schlichtweg nichts mehr ging. Sicherlich wird sich Tim für die Zukunft eine bessere Grundkondition antrainieren müssen, um solche kraftreibenden Turniere bis zum Schluss durch stehen zu können. Aber, das geht nicht von heute auf morgen und vor allem nicht mit einem „kaputten“ Sportler. Kurzerhand breche ich die Trainingseinheit ab und empfehle Tim, sich zuhause einen ruhigen Nachmittag zu gönnen und etwas zu „chillen“. Kaum eine Stunde vergeht, da klingelt mein Handy und der erboste Vater von Tim regt sich lauthals darüber auf, was mir hier einfalle, einfach eine Trainingseinheit vorzeitig zu beenden. Ich habe dem guten Mann erklärt, dass ich diese Stunde nicht berechne. War ihm egal! Ich habe ihm von der „10.000 Stunden Regel“ und davon, dass eine lasche Trainingseinheit nichts bringt, erzählt. War ihm egal! Dass manchmal Regeneration sehr viel hilfreicher als schlechte Arbeit ist: Auch das war ihm scheißegal! Nach ein paar Tagen habe ich Tims Vater getroffen und versucht, ihm die oben genannten Fakten noch einmal in aller Ruhe und in aller Deutlichkeit klar zu machen. Leider ohne Erfolg! Er war der unumstößlichen Überzeugung, sein Sohn sei einfach nur zu faul zum Arbeiten. Punkt! Öfter mal ne Pause gönnen! Tim ist einer von den Jungs, die nicht mehr mit mir trainieren. Nein, er war nicht zu faul. Er hat gearbeitet bis zum Umfallen. Leider habe ich seinen Vater in diversen Gesprächen nicht von seinem Standpunkt, sein Sohn sei nur ein „Weichei“, abbringen können. Schade für Tim! Wenn Euer Kind müde und ausgepowert von einem Turnier kommt, gönnt ihm doch einfach auch einmal eine Pause. Es regeneriert innerhalb dieses Tages großartig und wird danach wieder qualitativ und mit Spaß arbeiten können. Hat Euer Kind über einen langen Zeitraum gut und intensiv trainiert und eventuell auch noch Turniere gespielt, läuft deshalb vielleicht ein bisschen auf dem „Zahnfleisch“, gönnt ihm eine Auszeit. Von mir aus auch einmal über mehrere Tage. Erstens einmal kann es sich erholen und auf Grund dessen wieder topfit und intensiv spielen. ‚ICH WILL‘ ist, was wir hören wollen… Und viel wichtiger: Es ist danach wieder hochmotiviert, engagiert und mit Freude bei der Sache! Dafür lohnt sich eine kleine Auszeit allemal! Meine Erfahrung hat gezeigt, dass die Kids, gerade nach einer mehrtägigen Unterbrechung von sich aus daher kommen und quengeln: „Hey, Mum, hey Dad, ich will wieder trainieren!“ Genau das sollten Eltern und Coaches hören wollen! „ICH WILL!“
Choking ist im Tennis-Fachchinesisch die Unfähigkeit, ein Match abzuschließen. Oft wird ‚choking‘ fälschlicherweise als Angst vor dem Sieg interpretiert. In der Regel ist der Spieler schon mit einem Satz im Rücken und einem mehr oder minder klaren Vorsprung im zweiten oder dritten Satz ziemlich nah an der Ziellinie, da gibt es oftmals diesen Filmriss. Choking, plötzlich, wie aus dem Nichts, kommt die gerade noch flott laufende ‚Sieger-Maschine‘ ins Stottern. Gerade, wenn sich diese Sache schon in mehreren Matches wiederholt hat, ist die Wahrscheinlichkeit leider relativ hoch, dass sie sich bei ähnlich hohen Spielführungen immer wieder bemerkbar macht und deshalb unnötige und schmerzhafte Niederlagen kassiert werden. Wie schon gesagt: Dieses Phänomen hat überhaupt nichts mit Angst vor dem Verlieren zu tun! Wäre ja auch Blödsinn: Ein Spieler kann Angst vor einer Niederlage haben, aber wohl kaum vor einem Sieg! Choking ist eigentlich ganz einfach nur eine gravierende Konzentrationsschwäche! Unser auf der Siegerstraße cruisender Sportler realisiert plötzlich aufgrund des Spielstandes, wie nah am Sieg er sich befindet. Seine Gedanken driften in die Zukunft, sie sind nicht mehr im Hier und Jetzt. Durch gezieltes Konzentrationstraining, also das Fokussieren auf den einen Punkt, der gerade in Angriff genommen wird, kann diese Schwäche behoben werden.
Ohne diese Fähigkeit ist keine Karriere machbar, ob als Musiker, Arzt, Model oder Tennisspieler. Vor allem in der Phase der Pubertät wird Dein Nachwuchs hier vor große Herausforderungen gestellt. Am Abend vor einem wichtigen Turnier gehen die Klassenkameraden auf eine angesagte Party, Dein Sprössling muss in der Lage sein ‚Nein‘ zu sagen. Die Woche war vielleicht etwas anstrengend, trotzdem muss ein ambitionierter Nachwuchssportler ‚ja‘ zu seinem Konditionsprogramm sagen und es auch gewissenhaft durchziehen. Mangelnde Disziplin ist in meiner langen Zeit als Coach das große K.O. von wirklich vielversprechenden Sportlerkarrieren gewesen. …und habe ich die Fälle etwas genauer studiert, so ist mir aufgefallen, dass die Unfähigkeit, diszipliniert zu arbeiten, auf die eine oder andere Art von den Eltern der Betroffenen weiter gereicht worden ist. Euer Kind wird sich die Definition von Disziplin zuallererst von Euch abschauen! Und da es als zukünftiger Profisportler über einhundert Prozent an Disziplin verfügen muss, nun…da ist es sehr wichtig, dass Ihr ihm einhundert Prozent an Disziplin vorlebt.
„Okay, mein Kind soll weniger Turniere spielen. Deine Argumentation macht Sinn!“ So in der Art hat mich letzte Woche der Vater eines jungen Spielers angesprochen. „Wie schaut das mit dem Training aus? Ist hier weniger auch mehr?“ – „Ganz richtig!“ Mit dieser kurzen, knackigen Ansage wäre hier Teil 11 des Elternratgebers schon fast beendet. Jede Trainingseinheit, die nicht mit 100 Prozent absolviert wird, ist vergeudete Zeit! Natürlich muss man hier je nach Trainingsschwerpunkt Unterscheidungen machen, aber generell muss das Training volles Engagement, Konzentration sowie volle Intensität des Spielers fordern. Genau die Zutaten, die in einem erfolgreichen Turniereinsatz auch abverlangt werden. Ich beobachte sehr oft das Gegenteil: der junge Spieler wird quantitativ zugedröhnt, was natürlich zu einem logischen Abbau der drei oben genannten Hauptzutaten führt. Kommt dann im übelsten Falle wegen zuviel Trainings noch Langeweile, Gleichgültigkeit oder ‚Bocklosigkeit‘ dazu, dann darf man sich nicht wundern, wenn diese Spieler entsprechende Turnierauftritte vorlegen. Wie schon im letzten Beitrag über die Turniereinsätze erwähnt: Einen guten Spieler auszubilden braucht sehr viel Zeit! Der Tennissport hat sich enorm weiter entwickelt, die Ausbildungszeiten habe sich verlängert! Das widerspricht der modernen Gangart unserer Zivilisation, in der alles ‚pronto pronto‘ und am liebsten schon gestern fertig sein muss. Unsere Kids müssen, wie bei den Turniereinsätzen, motiviert und mit Freude in den Einsatz gehen. Ist das über einen längeren Zeitraum nicht der Fall…nun…dann wird vielleicht zuviel trainiert, oder der Trainer macht etwas falsch. Tennis ist viel zu geil, da ist es verdammt schade wenn so etwas passiert!
Tennisspieler stehen unter riesigem Druck! Damit meine ich nicht nur Profis bei ihren Grand-Slams, welche tagein und tagaus um riesige Preisgelder und industrielle Interessen »zocken«. Jedes Kind, welches Turniertennis spielt, hat nicht nur mit einem Gegner, sondern auch mit seinen eigenen Erwartungen zu kämpfen. Sobald Dein Kind ein paar Turniere gespielt hat und sich auf einer Jugendrangliste eine gewisse Position erspielt hat, da geht es nicht mehr nur um ein »bisschen spielen«, da geht es um Ranglistenpunkte, Platzierungen und Titel. Es ist doch grundsätzlich eine tolle Sache, wenn Dein Kind diese Herausforderung annimmt und sich dieser mit Ehrgeiz und Hingabe stellt. NUR, was Dein Kind überhaupt nicht gebrauchen kan, ist zusätzlichen Druck! Hier ist die Gefahr, dass Ihr Eltern das »Druckfass« zum Überlaufen bringt, enorm hoch! Unterlasst alle Kommentare, die diesen Druck erhöhen. »Gegen diesen Gegner hast du beim letzten Turnier schon gewonnen, den besiegst du wieder!« oder »Wenn du diese Runde gewinnst, hast du dich für die Verbandsmeisterschaft qualifiziert!« oder »Das wären genau die 150 Punkte, die du noch für deine LK 11 brauchst!« oder »Du hast diese Woche toll trainiert, dieses Wochenende schlägst Du Deinen Angstgegner!« Die Liste ließe sich unendlich weiterführen, mit dem gleichen Resultat: Ihr erzählt Eurem Kind nichts, was es nicht schon vorher gewusst hat!…Aber Ihr macht ihm die Tatsache bewusst, dass auch Ihr Erwartungen habt! Nicht gut! Das kann Euer Kind nicht auch noch mittragen, es ist ja immer noch ein Kind! Versucht im Vorfeld eines Matches oder Turniers jegliche Kommentare, die den Druck unnötig erhöhen, zu vermeiden. Ich weiß, das ist eine verdammt schwere Aufgabe für Euch, aber es lohnt sich daran zu arbeiten!
In meinem Teenie-Roman »playGIRL« habe ich diesbezüglich schon einen kleinen »Klassiker« geprägt: Gut spielen ist Formsache, kämpfen ist Charaktersache! Natürlich wird gerade im Kindes- und Jugendalter Tennis, vor allem unter Wettkampfbedingungen, immer relativ großen Schwankungen unterliegen. Da haben wir Erwachsenen oftmals große Schwierigkeiten, das einfach so hinzunehmen. Mein Tipp: Nehmt sie hin! Tennis ist verdammt kompliziert, extrem viele, komplizierte Sachen müssen gut abgestimmt ineinander greifen. Und stimmt da im Ablauf halt mal ein technisches Teilchen (z.B. erster Aufschlag), im mentalen Bereich (z.B. stressiger Tag in der Schule wegen einer verkorksten Matheschulaufgabe) oder im konditionellen Bereich (z.B. leichte Erkältung) nicht, so kann eine Match-Performance manchmal wirklich richtig schlecht ausschauen. Aber Dein Kind ist in der Ausbildung und die beste Ausbildung beinhaltet nun einfach auch das Machen von Fehlern! Unabhängig davon sollte Euer Kind eines lernen: Egal wie gut oder wie beschissen es im seinem Match spielt, kämpfen, egal mit welchen Mitteln, ist ein absolutes Muss! …und von wem wird es das wohl wieder als erstes abschauen? Richtig: von Euch!
Natürlich ist es unglaublich wichtig, dass Ihr für Euer Kind einen Trainer sucht, der nicht nur Tennisunterricht herunter spult, sondern Tennis auch tief und innig liebt. Nichts ist ansteckender als die Freude an einer Sache! Und ohne wirkliche, ehrliche Freude an diesem Spiel wird Dein Kind nicht weit kommen! Daher achtet bei der Auswahl Eures Trainers auf diesen so wichtigen Aspekt. Darüber hinaus finde ich es aber auch enorm wichtig, dass Ihr Euren Kids »Enthusiasmus« auch aktiv vorlebt. Sicherlich ist der Alltag im Job nicht unbedingt die richtige Plattform, um diese Freude nachhaltig zu transportieren. Aber gerade in Bezug auf die Tätigkeiten, welche Ihr in Eurer Freizeit ausübt, könnt Ihr Eure Kinder ganz toll beeinflussen. Lasst Eure Kinder spüren, mit welchem Engagement und vor allem mit welcher Freude Ihr zum Mountainbiken, Fitness-Training oder Kegeln geht. So dumm das für Euch klingen mag: Ihr lebt Euren Kids vor, ob etwas einfach getan wird oder ob es mit FREUDE getan wird. Nochmals zum Mitschreiben: Nicht ist so ansteckend wie die Freude!
Nichts ist so ansteckend und anregend wie Freude! Und was macht am meisten Freude? Der Erfolg! Es ist sehr wichtig, dass Euer Kind immer wieder über Erfolgserlebnisse »angefüttert« bzw. motiviert wird. Hier sind erreichte Lernziele im Trainingsalltag genauso wichtig wie gewonnene Partien! Damit Lernziele im Training auch wirklich »gefeiert« können, ist es natürlich wichtig, dass Euer Trainer einen Trainingsplan hat! Was den Erfolg in den Matches angeht, hier eine kleine Faustregel bezüglich Eurer Turnierplanung: Euer Kind sollte ein Drittel Matches, wo es leicht favorisiert ist, ein Drittel Matches mit einer 50:50-Chance und ein Drittel, in welchem es der »Underdog« ist, spielen. Damit ist in der Regel einer gute Balance aus »Sieg und Niederlage« gewährleistet!
Hier haben wir es mit einem verdammt heiklen Thema, gerade auf dem leistungsorientierten Jugendsektor zu tun. Wenn ich z.B. bei TE-Events über die Anlage gehe und mir Matches anschaue, ist es selbst für mich als relativ »abgezockten Tennisveteran« beunruhigend, mit welcher Dreistigkeit die Kids bescheißen! Richtig: Bescheißen! Jeder dieser Spieler verfügt über so viel Tenniserfahrung und ein so geschultes Auge, dass man denen ein „Uups, da habe ich mich wohl verkuckt…“ nicht mehr abkaufen kann. Grundsätzlich werde ich dieses Verhalten nie gut heißen oder sogar unterstützen. Sicherlich wird ein Jugendspieler mit dieser unfairen Einstellung das eine oder andere enge Spiel für sich entscheiden können. Na und? Er wird immer wissen, dass sein Sieg erschummelt und damit unverdient war, richtig glücklich kann er mit einem solchen Resultat niemals werden. Auf Turnieren habt Ihr ein Anrecht auf einen Stuhl-Schiedsrichter. Wenn Ihr also seht, dass auf Eurem Platz beschissen wird, sofort zur Turnierleitung und ganz nett einen Schiri verlangen. Die zicken in der Regel immer ein bisschen herum, aber bleibt penetrant und freundlich, dann bekommt Ihr, was Ihr braucht. Abgesehen davon: Lügen haben kurze Beine – gilt natürlich ganz besonders für Tennisspieler: Spätestens auf der ATP- und WTA-Tour wird jede Linie von einem Linienrichter, das Spiel von einem Stuhlschiri observiert. Notfalls sogar mit einem »Hawk Eye!« – da haben unsere kleinen Bescheißer dann plötzlich ganz miese Karten…
Der richtige Umgang mit Fehlern ist für jeden Tennisspieler jeder Altersklasse und jeden Spielniveaus der Schlüssel zum großen Erfolg! Selbst die allergrößten Spielerinnen und Spieler in unserer Branche machen Fehler. Teilweise sehr viele und teilweise auch saublöde! Wir sitzen doch ab und zu vor dem Fernseher, sehen uns ein Grand-Slam-Spiel an und denken uns „wie kann ein solcher Top-Spieler einen so dummen Fehler produzieren?“ Nun, es ist doch nicht schlimm, einen Fehler zu machen. Unter dem Strich ist er eigentlich auch nur einen Punkt wert. Was nun den guten vom durchschnittlichen oder schlechten Performer unterscheidet, ist die Art und Weise, wie er mit dem Fehler umgeht. Nimmt er Fehler als Versagen wahr, oder nimmt er ihn zum Anlass bzw. zum Ansporn, weiter zu arbeiten und sich zu verbessern. Konstruktiver versus destruktiver Umgang mit gemachten Fehlern. Helft Euren Kids bei diesem entscheidenden Lernprozess! Zeigt ihnen, dass das Machen von Fehlern kein Versagen, sondern eine enorme Chance ist, sich substantiell zu verbessern. Zu diesem Thema hat der legendäre Basketball-Star Michael Jordan einen wunderbaren Satz geprägt: „Meine große Sportlerkarriere habe ich nicht den Würfen zu verdanken, die ich verwandelt habe, sondern denen, die ich verfehlt habe!“ Was gibt es hier noch anzufügen?
Wir haben uns gerade mit Fehlern beschäftigt. Frustration auf dem Court entsteht hauptsächlich dann, wenn zu viele Fehler gemacht werden und diese eben nicht auf konstruktive Weise, zum Beispiel dem Erforschen der Fehlerursache, sondern auf eine destruktive, emotionale Art „Ich bin einfach zu blöd, schon wieder ein einfacher Rückhandfehler!“ behandelt wird. Sicherlich ist es menschlich und normal, sich über Fehler auch ab und an aufzuregen. Die Frage hier ist jedoch: Kann mit einer emotionalen Reaktion kurzfristig »Dampf abgelassen« werden und danach wieder konzentriert gespielt werden. Oder aber: Reißt der Frust den Spieler immer tiefer in eine negative Spirale und somit weg von einer positiven Grundeinstellung und Spielweise. Bleiben die Gedanken in der »negativen Vergangenheit«, also bei den begangenen Fehlern, hängen, so hat der Spieler in der Regel keine Chance mehr, seine optimale Leistung auf den Platz zu bringen. Tennisspieler werden immer mit Fehlern konfrontiert. Somit ist eine sehr hohe Frustrationstoleranz ein absolutes Muss.
„Ich werde das schaffen! Ich werde das Beste geben!“ Wollt Ihr Eltern nicht auch, dass Euer Nachwuchs mit dieser Grundeinstellung an ein Match, an eine Trainingseinheit, ja eigentlich an jede Herausforderung heran tritt? Zweifel werden immer wieder auftreten. „Bin ich gut genug?“ - „Gebe ich genug?“ - „Mache ich alles, was geht?“ sind Fragen, die sich Euer Kind immer wieder stellen wird. Gerade in Phasen, in denen die Sache vielleicht nicht unbedingt rund läuft. Gebt Euren Kids in diesen schwierigen Zeiten Rückendeckung, zeigt ihnen, dass sie ihren schwierigen Weg nicht alleine gehen müssen. Dass Ihr nicht nur in den guten Zeiten für sie da seid, sondern vor allem auch in den holprigen!
Dein Kind muss von Dir lernen, nicht nur den Sport, sondern das Leben an sich als große Herausforderung anzunehmen. Und das ganze Paket mit einer positiven »Macher-Mentalität«! Auch hier handelt es sich um ein absolutes Muss, um erfolgreich zu handeln, auf und neben dem Court. Helft Euren Kids, starke Persönlichkeiten zu werden.

Hierzu wieder eine kleine Story aus meiner Racketbag:

Sofie ist eine richtig gute Nachwuchsspielerin. Im Rahmen eines »Scoutings« ich sie kennengelernt. Bei unserem Training war sie enorm fleißig, wissbegierig und engagiert bei der Sache. Diese Beobachtung bestätigte mir auch ihr Heimtrainer. Bei Turnieren hat sie immer wieder einige Runden gewonnen, hatte aber kaum Turniersiege auf dem Konto, was ich ihr jedoch aufgrund ihres Könnens jederzeit zugetraut hätte. Ich wollte von ihr die Tableaus ihrer letzten Turniereinsätze sehen. Das Bild war ganz eindeutig: Spielte Sofie gegen ungesetzte Spielrinnen, gewann sie ihre Partien. Wurde sie jedoch gegen eine der Top-Spielerinnen im Feld gelost oder musste gezwungenermaßen zu einem späteren Zeitpunkt im Turnier gegen eine gesetzte Spielerin antreten, da gewann sie kaum Matches. Warum? Ich habe sie natürlich auf dieses Thema angesprochen. „Nun, diese Mädels haben einfach eine viel bessere Ranglistenposition als ich. Meine Mum sagt mir dann vor den Spielen immer, dass ich einfach versuchen soll, einigermaßen gut zu spielen und ein paar Games zu gewinnen, mehr sei da eh nicht drin!“ Hmm, sicher meint es die gute Mum nicht böse mit ihrer Tochter. Versucht vermutlich, keinen Druck auf Sofie auszuüben. Kein schlechter Gedanke und er mag irgendwann in der Vergangenheit auch einmal ganz nett gewesen sein. Inzwischen ist das Mädchen aber sehr gut geworden, hat hart an sich gearbeitet und wäre ohne weiteres in der Lage, Turniere zu gewinnen.

Ich habe mich mit Sofia und ihrer Mutter an einen Tisch gesetzt und habe in etwa Folgendes gesagt: „Ja, die Nummer Eins oder Nummer Zwei des Feldes hat eine bessere Ranglistenposition als Sofie. Korrekt! Aber was heißt das denn konkret? Es bedeutet doch nur, dass diese Spielerinnen in der Vergangenheit gute Resultate erspielt haben. Diese Resultate liegen aber in der Vergangenheit. Sie liegen teilweise schon Monate zurück. Wissen wir, ob die Gegnerin in der Zwischenzeit optimal trainiert hat? Wissen wir, ob sie vielleicht sogar verletzt war? Hat sie vielleicht den Trainer gewechselt? Hat sie sonst irgendwelche Probleme gehabt? Nein, das wissen wir nicht! Wir wissen jedoch, dass Du, Sofie, in den letzten sechs Monaten hart trainiert hast. Dein Spiel in allen Bereichen enorm verbessert hast und konditionell viel stärker geworden bist. Das wissen wir! Die Vergangenheit interessiert uns nicht! Wenn Du in ein Match gehst, dann gehst du hinein, um es zu gewinnen! Egal gegen wen! Die Geschichte deiner Gegnerin ist Geschichte, du spielst hier und heute, nichts anderes zählt. Solltest du hier und heute verlieren, dann war deine Gegnerin auch nur hier und heute besser! Solltest du das Match aber gewinnen, dann warst du hier und heute die Bessere! Für einen erfolgreichen Spieler zählt nur das Jetzt. Nicht das Gestern und auch nicht das Morgen!“ Sofie schrieb sich einen Merksatz auf: „Ich spiele hier und jetzt, alles andere ist unwichtig!“ Nun könnt Ihr gerne erraten, wie sie plötzlich gegen vermeintlich bessere Spielerinnen agiert hat…!
„Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm!“ ist für den einen oder anderen eine alte, »abgenudelte« aber trotzdem immer noch mit verdammt hohem Wahrheitsgehalt verbunden. In meiner Tätigkeit als Mental-Coach werde ich sehr oft mit genau dieser Thematik konfrontiert. Wenn ein Sportler reibungslos und erfolgreich funktioniert, werde ich ja nicht konsultiert. Warum auch? Nur, wenn irgendetwas da ist, was quer liegt, also den Athleten daran hindert, seine Top- Leistung im Wettkampf abzurufen, da werd’ ich irgendwann angerufen! Sehr oft sind es Basisfähigkeiten, die da fehlen! Fehlende Risikobereitschaft, zu wenig »Killerinstinkt«, mangelnde Durchsetzungskraft, Versagensängste, fehlende Frustrationstoleranz u.v.m. Sicherlich bekomme ich die meisten dieser Macken, vorausgesetzt, mein Athlet arbeitet aktiv mit, in den Griff. Dafür ist es nie zu spät! Aber viele dieser Baustellen wären gar nicht vorhanden, wären sie nicht im Verlaufe der Zeit anerzogen worden. Meistens leider von den Eltern der Betroffenen. Es ist nun einmal eine erwiesene Sache: Das erste Idol Deines Kindes bist Du! Sicherlich wird es, kaum spielt es seine ersten Kugeln kontrolliert über das Netz, Sharapova, Djokovic, Ivanovic, Federer, Williams oder Nadal nacheifern und richtig »cool« Nur, bis der kleine Fratz soweit ist, da orientiert er sich an Euch. An Euren Worten, an Euren Aktionen, an Eurer Art, Dinge anzupacken, an der Art, wie Ihr denkt und wie Ihr funktioniert. Als das erste Idol Eures Kindes könnt Ihr eine Menge bewirken. Ihr programmiert mit Eurer Lebensführung, Eurem Vorleben, das erste Betriebssystem bei Euren Kids! Und dieses erste Betriebssystem kann die erfolgreiche Zukunft Eures Kindes VERbauen oder natürlich auch AUFbauen! (Jetzt bitte keine Angst: Sollte sich im Verlaufe der nächsten Seiten heraus stellen, dass da in der Vergangenheit der eine oder andere Fehler begangen wurde: Das ist nicht tragisch, Ihr habt jederzeit die Möglichkeit, Korrekturen vorzunehmen. Interessant dabei ist folgende Beobachtung: Nicht nur den Kindern, sondern auch dem Großteil der Eltern geht es nach solchen Korrekturen erheblich besser.) Ich habe schon oft erklärt, was »Talent« ist, und vor allem, wie irrelevant es im Gegensatz zu anderen wirklich gewichtigen Fähigkeiten ist. Um diese Fähigkeiten, bei denen es sich ja um antrainierte Eigenschaften handelt, in eine Struktur zu bringen, habe ich mich entschlossen, diese in einer alphabetischen Ordnung zu gliedern. Zusätzlich habe ich auch ein paar weitere, wichtige Tools mit in dieses ABC gesteckt, die Euer Leben, das Eurer Kinder und Coaches positiv beeinflusst und konstruktive Hilfestellung auf Eurem hoffentlich erfolgreichen Weg nach oben bedeutet. Kontrolliert anhand dieser Aufstellung, was Eurer Meinung nach jetzt schon rund läuft oder vielleicht die eine oder andere Korrektur Eurerseits benötigt. Denn, Du, Dein Kind und Dein Coach sitzen in einem Boot! Ihr wollt gemeinsam weit kommen. Daher ist es von absoluter Notwendigkeit, dass Ihr alle in die gleiche Richtung rudert.
Ein Kind, das gerne Tennis spielt, sollte auch dabei unterstützt werden, sich über das eigene Spiel hinaus für diesen so geilen Sport zu interessieren. Im Fernsehen wird Tennis gezeigt, schaut, dass Eure Kinder das Match verfolgen können! Meiner Meinung nach ist für unsere Kinder nichts motivierender, als den Top-Stars, den Idolen unserer Nachwuchs-Stars, bei ihrer Arbeit zuzusehen. »Learning by watching!« Gebt ihnen Tennismagazine an die Hand, um »up to date« zu sein. Schaut Euch gemeinsam mit ihnen Filme z.B. über das Training von Federer, Djokovic, Williams oder Sharapova auf »YouTube« an. Immer wieder stelle ich fest, dass die Kids nach solchen »Lehrstunden« wieder mit riesigem Eifer beim Training dabei sind!
Wir haben mittlerweile des Öfteren besprochen, wie wichtig ein gutes Funktionieren des »Dreiergestirns« Eltern-Coach ist. Innerhalb dieses Teams ist es von elementarer Bedeutung, dass direkt, offen und ehrlich miteinander kommuniziert wird. Sollte es innerhalb des Teams zu Dissonanzen kommen, bitte nicht hinauszögern, sondern sofort aus der Welt schaffen. Außerhalb Eures Teams gibt es, je besser Euer Kind wird, genügend Widerstand, da gibt es nichts Schlimmeres und Leistungshemmenderes für Euer Kind als teaminternen zusätzlichen Stress. Auch die Art, wie Ihr mit Eurem Nachwuchs kommuniziert, ist ungemein wichtig. Wir wissen: 70 Prozent der zwischenmenschlichen Kommunikation findet non-verbal statt. Also nur durch die Art und Weise, wie wir agieren, ohne zu reden. Oder natürlich auch, WIE wir etwas sagen. Entspricht Eure Mimik, Eure Körpersprache auch wirklich dem, was Ihr gerade sagt. So kann ein eigentlich als Motivationsspritze gedachter »Come on, Let’s go!«-Zwischenruf in einem Match sehr schnell das Gegenteil bewirken, wenn unsere Körperspannung etwas anderes signalisiert. Schaut, dass Eure Worte und Aktionen das Gleiche aussagen!
Dieser Punkt ist vermutlich eine der größten Herausforderungen für die meisten von Euch Tenniseltern! Mein Jugendroman »playGIRL« mit einer klassischen Szene: Die Erzählerin Janni hat gerade ein Turnier-Match verloren und sitzt auf dem Nachhauseweg mit ihren Eltern im Auto. Ein paar Minuten lang ist erst einmal Funkstille im Wageninneren. Doch irgendwann auf der Fahrt kann sich Jannis Vater nicht mehr beherrschen und legt los. Er lässt so richtig schön Dampf ab und regt sich nach allen Regeln der Kunst über das verlorene Spiel seiner Tochter auf. Nun…kommt Euch das vielleicht bekannt vor? Bringt es denn irgendjemandem etwas, sich nach dem verlorenen Spiel Eures Kindes aufzuregen? Absolut NEIN! Euer Kind hat verloren. Es fühlt sich in dieser Situation schon beschissen genug, braucht es jetzt auch noch zusätzlich die Eltern, welche es gerade jetzt, zu diesem Zeitpunkt, noch weiter nach unten ziehen und zur Schnecke machen? Oder wären jetzt nicht ein paar ehrliche, aufmunternde Worte, eine liebe Geste oder eine Umarmung die viel bessere Reaktion, um Eurem Kind wieder aus seiner Misere heraus zu helfen. Nach vorne zu denken! Gebt gerade in dieser kritischen Phase nicht Eurer Enttäuschung den Vortritt, sondern zeigt den Kindern, dass Ihr gerade auch in den schwierigen Phasen zu ihnen steht. „Hey! Ich bin nicht nur für dich da, wenn es dir gut geht und du gewinnst. Nein, viel besser. Ich bin vor allem dann für dich da, wenn du eine Niederlage einstecken musstest und es dir nicht gut geht!“ Von mir aus das Beste, was Ihr Euren Kindern signalisieren könnt. Ich habe Euch in meinem Buch »Ich WILL nach Wimbledon« eine Matchbeurteilung ausgearbeitet. Der Sinn dieser Beurteilung ist, dass Ihr diese nach dem Spiel ausfüllen könnt und sie bei der nächsten Gelegenheit Eurem Trainer in die Hand drückt. Dieser kann und soll sich dann in aller Ruhe, frei von gefärbtem, emotionalem Beigeschmack, mit seinem Schüler über diese »Mängelliste« setzen und herausfinden, welche Konsequenzen man daraus ziehen kann. Nur so könnt Ihr Eure Kritikpunkte konstruktiv in das Team einbringen. Und bitte vergesst niemals: Wenn man richtig analysiert und verarbeitet, können aus Niederlagen mehr positive Erfahrungen gewonnen werden als aus Siegen!
Würde man alle Songs, bei denen es um Liebe geht, löschen, dann hätten die Radiostationen auf einen Schlag so gut wie keine Musik mehr zu spielen… Sicher seid Ihr einer Meinung mit mir, wenn ich behaupte, dass die Liebe das stärkste Gefühl ist, was wir Menschen geben können. Das Geben von bedingungsloser Liebe sollte gerade im Umgang mit unseren Kindern eine Selbstverständlichkeit sein! Leider habe ich von einigen Tenniseltern gelernt, dass ich hier völlig daneben liege! Die Formel war hier eher: »Gewinnst du, dann liebe ich dich, wenn du verlierst, dann liebe ich dich nicht!« Einzelfall? Nee Leute, leider nicht!

Dass unsere Kinder mit dem Beginn der Pubertät vieles hinterfragen, logischerweise auch uns Eltern, wissen wir. Das ist erwiesenermaßen ein ganz normaler Teil der Persönlichkeitsentwicklung. Davor jedoch versuchen unsere Kinder in der Regel, es uns »Recht« zu machen. Sie wollen, dass wir sie lieb haben und vielleicht auch etwas stolz auf sie sind. Nun ist es jedoch so, dass es gerade in dieser Phase des Tennislebens auch Niederlagen gibt. Sind diese sowieso schon negativen Erfahrungen dann auch noch zusätzlich mit dem Entzug von Liebe kombiniert, dann haben wir sehr schnell einen jungen Menschen aufgebaut, der immer wieder Angst vor dem Wettkampf haben wird. Er wird nicht in der Lage sein, mit einem guten, freudigen Gefühl in den Ring zu steigen, um sich zu messen. Die Angst vor dem Verlieren wird immer größer sein, als die Aussicht auf einen Erfolg. Nicht nur auf dem Tennisplatz, sondern auch in seinen späteren Karriereentscheidungen. Darum: Wenn Euer Kind vom Platz kommt, egal ob es gewonnen oder verloren hat, drückt es, knuddelt es, zeigt ihm lieber zu viel als zu wenig, dass ihr es liebt. Das ganze Tennis- und spätere Leben wird von diesen Liebesbeweisen auf die beste nur erdenkliche Weise genährt.
Wir haben uns mit dem Punkt »Kritik« und dem optimalen Umgang damit gerade auseinander gesetzt. Viel besser als jegliche Kritik ist natürlich selbstverständlich Lob. Lob fällt uns in der Regel sehr leicht, wenn unser Kind gewonnen. Nur was wollen wir loben, wenn unser Kind verloren hat? Vielleicht hat es ja toll gekämpft? Hat einen guten ersten Satz gespielt. Sich gut bewegt. Den Aufschlag seit dem letzten Match verbessert. Grundsätzlich habe ich in meinen vielen Jahren als Coach Folgendes beobachtet: Es wird mit Kritik auf der einen und Lob auf der anderen Seite, gerade bei Tenniseltern, viel zu übertrieben umgegangen. Das heißt: Gewinnt der Junior ein wichtiges Match oder sogar ein Turnier, dann wird von Elternseite himmelhoch gejauchzt und frohlockt, wie wenn der neue »Tennis-Messias« geboren ist. Verliert der Gute einmal zu viel, vielleicht auch einmal gegen einen niedriger klassierten Spieler, dann ist »Tennisweltuntergangsstimmung« und es wird kein gutes Haar am Nachwuchs gelassen. Dass diese emotionale Berg- und Talfahrt sich auch auf unseren Nachwuchs auswirkt, wird jedem von Euch klar sein. Die zeitgenössischen Sportpsychologen sind sich über folgenden Punkt unstrittig einig (was unter Psychologen sehr selten der Fall ist): Wir erreichen durch Lob immer bessere Resultate als durch Tadel! Hierzu mein Praxistipp: Gebt etwas Euren Kids einfach etwas mehr Liebe, dafür ein bisschen weniger Lob und ein (GROSSES) bisschen weniger Kritik!
Was haben die wirklich großen Sportstars unserer Branche gemeinsam? Djokovic, Williams, Federer, Graf, Sampras, Navratilova, Nadal? Nun, das »Wörtchen« Moral scheint in unseren heutigen Zeiten ganz schwer unter die Räder zu geraten. Ellenbogen einsetzen, die Wahrheit zu seinen eigenen Gunsten auch einmal etwas zu verfälschen, keinen Respekt vor Mitmenschen oder deren Interessen haben, über Leichen gehen… nun… alles anscheinend ganz normal, ob in Politik, Wirtschaft oder auch bei uns im Sport. Komisch, aber irgendwie schaffen es ausgerechnet die großen Sportler, anders zu sein! Warum? Weil Ausnahme-Athleten nicht geboren sondern GEMACHT werden! Und da sind nun einmal so ganz grundlegende Angewohnheiten wie Respekt, Toleranz, Disziplin, Selbstvertrauen, Arbeitshaltung, Interesse, positiver Glaube, Einsatz, Mut absolute MUST HAVES für Erfolg! …und wer ist hauptverantwortlich für diese Angewohnheiten… GENAU… schon wieder IHR!

Wir haben schon des Öfteren über die Wichtigkeit eines gut funktionierenden Dreier-Teams, bzw. dem »Dreigestirn Spieler, Eltern und Coach« gesprochen. Natürlich erwarte ich, dass der Spieler, also Euer Kind, das höchste »Motivations-Level« mit in das Team bringen muss. Schließlich hat ja das Kind den großen Traum von der großen Tenniskarriere. Sehr oft habe ich in meiner langen Karriere als Coach ein verkehrtes Bild gesehen: Die Eltern waren motivierter als das Kind. Sie lebten und opferten sich auf, für den großen Traum der großen Sportkarriere ihres Kindes. Dummerweise ohne ihr Kind vorher nach seinem eigenen Traum zu fragen. Da brauche ich Euch natürlich nicht viel weiter zu erzählen: Die Story geht natürlich über kurz oder lang ganz böse den Bach hinunter. Das ist klar! Sicherlich gibt es Kinder, die extrem duldsam sind und nur um des lieben Friedens willen das Spielchen mitspielen. Aber spätestens in der Pubertät, dann wenn es genug Mumm hat, um sich gegen seine Eltern zur Wehr zur setzen, dann knallt es und der (falsche Traum) zerplatzt!
Der Mut ist der einzige wirklich wahre Verbündete eines Tennisspielers. Er entscheidet, ob ein Ball im Steigen oder kurz vor dem zweiten Bodenkontakt geschlagen wird. Ob der Treffpunkt früh oder spät ist. Ein Ballwechsel auf einen Punktgewinn oder auf das Abwarten eines gewgnerischen Fehlers aufgebaut wird. In den »Big-Point-Situationen« positiv zur Sache zu gehen oder von Zweifeln geplagt zu werden. Das Match - unabhängig vom Spielstand - bis zum letzten Punkt durchzuspielen oder vorzeitig zu resignieren. Ist Mut lernbar? Aber sicher! Leider jedoch genauso gut lernbar ist die Angst. Wenn Du vor den dicken, schwarzen Spinnen im Keller Schiss hast, so wirst Du diese Angst wohl oder übel an Dein Kind weitergeben. Gehst Du jedoch mit Mut und Zuversicht auch an die ganz alltäglichen Aufgaben, die uns das Leben so stellt, so wird natürlich auch unser Kind diese Grundeinstellung übernehmen… Und somit schon wieder einen sehr wichtigen Part im »Optimalen Betriebssystem für erfolgreiche Menschen« abspeichern.
Tennis ist im Vergleich zu anderen sportlichen Disziplinen einzigartig. Beispiel gefällig? Nirgends ist die Präsenz der Niederlage so nah wie beim Tennis! Bei einem Grand-Slam-Turnier gehen 128 Spieler (plus Qualifikanten) in das Turnier. Aber nur ein Spieler kommt am Ende durch, wird Champion. Alle anderen bleiben im Rahmen des K.O.-Prinzips in einer früheren oder späteren Runde auf der Strecke. Selbst für einen Profispieler ist es nicht einfach, am Ende eines Kalenderjahres eine positive »won- lost«-Bilanz vorzuweisen. Gerade dann, wenn das Tennis Eures Nachwuchses noch in den Kinder- oder Jugendschuhen steckt, werden Euer Kind und natürlich auch Ihr mit vielen Niederlagen zu kämpfen haben. Hier könnt und müsst Ihr Euren Kindern emotional sehr stark unter die Arme greifen und ihnen helfen. Es gibt hierfür tausende von Motivationssätzen und Mantras, billige Motivations-Entertainer haben tausende von Büchern geschrieben und Fußball-Stadien gefüllt, immer frei nach dem Motto: »Tschaka, yes we can!« Nun, mir ist diese Nummer schon immer etwas zu billig gewesen. Ich möchte dieses Thema mit einem ganz einfachen Satz umschreiben. „Um zu siegen, brauchst Du Erfahrung. Um Erfahrung zu bekommen, brauchst Du Niederlagen!“ Niederlagen Eures Kindes also bitte niemals emotional und negativ bewerten, sondern immer als Chance für die Zukunft sehen!
Der perfekte Spieler ist derjenige, der gelernt hat, mit seiner Imperfektion zu leben! Leider ist der Perfektionismus, vor allem in unserer westlichen Hemisphäre, eine sehr weit verbreitete »Krankheit«. Ich nenne den Perfektionismus ganz bewusst eine »Krankheit«, da die sich selbst als Perfektionisten bezeichnenden Menschen anscheinend nicht begriffen haben, dass es nichts Perfektes gibt! Die Welt ist nicht perfekt! Auch unsere deutschen Autos sind nicht perfekt, Serena Williams spielt nicht perfekt, Novak Djokovic spielt nicht perfekt! Das ist auch gar nicht nötig! Eine Tennispartie lässt eine Unzahl an Fehlern zu und man ist trotz einer teilweise irren Menge an Fehlern in der Lage, diese Partie für sich zu buchen! Dabei ist es rein formell völlig »wurscht«, ob nun dumme oder nicht ganz so dumme Fehler passiert sind. Rein statistisch ist belegt, dass es in der Regel reicht, 65 Prozent der gespielten Punkte zu gewinnen, um ein Match für sich zu entscheiden. Im Extremfall, das wissen wir, kann ein Spieler sogar gewinnen, indem er weniger Punkte als sein Gegenüber gewinnt! Das wird einem Perfektionisten leider niemals gelingen! Also: Bringt Euren Kindern und Euch selbst bei, möglichst gut zu sein! Denn sind wir mal ganz ehrlich: Liefern wir bei unserer Arbeit täglich eine perfekte Leistung ab?
Was haben Papa Graf, Papa Agassi, Papa Capriati, Papa Djokovic und Papa Williams gemeinsam? Richtig! Alle haben es geschafft, aus ihren Kindern verdammt erfolgreiche Tennisspieler zu machen. Zusätzlich haben sie noch etwas anderes gemeinsam: Sie alle hatten einen klaren Plan! Es steht mir an dieser Stelle nicht zu, darüber zu urteilen, inwieweit in der Umsetzung des anvisierten »Planes« alles optimal lief! Ob zu irgend einem Zeitpunkt vielleicht auch einmal die Interessen ihres Kindes zu kurz kamen oder unter den Tisch gekehrt wurden. Unbestritten ist auf jeden Fall die Tatsache, dass sie ihre eigenen Wünsche und Interessen zurückgestellt und die Karriere ihres Nachwuchses über alles andere gestellt haben. Ich finde es sehr wichtig, einen Plan zu haben! Ich gehe davon aus, dass die meisten von Euch ja auch nicht einfach so nonchalant in den Tag und die Woche hinein leben, sondern alles ziemlich gut strukturiert oder eben geplant ist. Plant also auch die Tenniskarriere Eures Kindes! Eine klare Definition von kurz-, mittel- und langfristigen Zielen sollte, sobald Euer Kind verantwortungsbewusst agieren kann, im gemeinsamen Gespräch innerhalb Eures Teams, erstellt werden. Hier sollten keinesfalls Ranglistenpositionen oder Leistungsklassen abgesteckt werden, sondern vielmehr Themen wie z.B. Schwerpunkte im Konditionstraining oder anstehende technische Verbesserungen, das Erlernen neuer Strategien oder mentaler Fähigkeiten sowie natürlich auch die Auswahl und Terminierung der geeigneten Turniereinsätze. Es handelt sich hier um einen sehr wesentlichen Punkt. Eure Kids sind motivierter bei der Sache, weil sie auf Ziele hin arbeiten. Sie erlernen spielerisch, organisiert und strukturiert zu arbeiten. Sich selbst kritisch unter die Lupe zu nehmen, auch ohne die direkte Rückmeldung aus reiner Match-Erfahrung. In meinem Buch zeige ich Euch ein paar Möglichkeiten auf, wie solche kleinen Planspiele ausschauen können.
Ich möchte mich hierbei nur zu zwei Themen äußern, die sich sehr direkt auf die Tenniskarriere auswirken. Es kann sehr gut sein, dass Eure Kids zum Beginn der Pubertätsphase etwas weniger »Bock« auf Tennis haben. Das ist irgendwie auch logisch, das Entdecken des anderen Geschlechts ist ja auch für uns Erwachsene teilweise noch mit großen Rätseln verbunden. Ganz schlecht ist es, wenn wir als Eltern hier mit Druck reagieren, denn dieser Druck wird automatisch Gegendruck erzeugen und die Situation verschlechtern. Hier wird sich zeigen, welche Beziehung Euer Kind zu seinem Tennis aufgebaut hat. Habt Ihr, also Ihr Eltern und Coaches es geschafft, eine positive Verbindung zum Tennissport aufzubauen, welche ein fester und wichtiger Bestandteil im Leben Eures Kindes einnimmt, dann habt Ihr mit Sicherheit nichts zu befürchten, von kleinen »Aussetzern« abgesehen. Kein Kind wird freiwillig etwas aufgeben, was es liebt!

Ein weiterer sehr wichtiger Punkt, welcher sehr gerne vergessen wird, ist die Tatsache, dass die Kinder zu sehr verschiedenen Zeitpunkten in die Pubertät kommen. Somit gibt es gerade in den Altersklassen U14 und U16 enorm krasse Unterschiede, was die körperliche Entwicklung der Jugendlichen angeht. Bei den Mädchen sehe ich bei Turnieren teilweise fast komplett entwickelte junge Damen gegen »kleine Mädels« antreten, die vielleicht theoretisch über die Anwendung eines Tampons Bescheid wissen, dieses Wissen jedoch mit Sicherheit noch nicht benutzen mussten. Es spielen »junge Männer« mit Bart und extrem muskulösen, athletisch schon top ausgebildeten Körpern gegen Jungs, welche sich über eine Intimrasur noch überhaupt keine Gedanken machen müssen. Heißt das jetzt, dass der Spieler, welcher auf der Jugendrangliste weiter vorne steht, auch der Spieler ist, der die größeren Zukunftsperpektiven hat? Natürlich nicht! Leider werfen gerade in dieser Phase viele Eltern Ihre Flinte ins Korn, weil sie nur die kurzfristigen Erfolge betrachten. Und da ist es nun einmal ganz klar, dass Kinder, die größer und stärker sind, ganz eindeutig Vorteile auf den Court mitbringen. Deshalb habe ich gerade bei meinen vielen Scoutings oft damit zu tun, Eltern zu beruhigen und Ihnen eine große Portion Geduld zu verschreiben. Denn irgendwann setzt auch beim hintersten und letzten entwicklungstechnischen Spätzünder das Wachstum ein und dann wird dieser sein Handicap im Nu wieder gutmachen können und an die Position in den Rankings klettern, die ihm auch von seinem wirklichen Können her zusteht.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der Vorstoß, den diverse englische Fussball- und Rugby-Vereine schon seit längerer Zeit planen. Sie wollen, dass Kinder in den Jugendklassen nicht mehr nach ihrem »richtigen« Alter, also somit aufgrund ihres Geburtsjahrganges, sondern auf der Grundlage ihres biologischen Entwicklungsalters eingestuft werden. Durch einen ganz einfachen Test würden Experten also die Kids einstufen und danach könnten sie sich auch wirklich mit körperlich gleich ausgebildeten Sportlern messen. Gerade die Begründung, warum diese Idee auch schon in der Vergangenheit immer wieder aufgegriffen wurde, finde ich sehr interessant. Anscheinend hat man festgestellt, dass durch das momentane Scouting- und Förderprinzip der renommierten Vereine die groß geratenen pubertären »Frühzünder« ganz enorm im Vorteil sind. Kleinere »Spätentwickler« à la Messi werden zu wenig oder gar nicht berücksichtigt bzw. laufen Gefahr, durch das Sieb der Fördermechanismen hindurch zu fallen und somit auf der Strecke zu bleiben!
Respektvoller Umgang mit anderen Tennisspielern sollte für Eure Kids eine Selbstverständlichkeit sein. Und das natürlich unabhängig von spielerischen Niveau! Des Öfteren höre ich Eltern, welche Sätze wie „Na klar mein Junge, gegen so’ne Lusche kannst du ja wirklich nicht verlieren!“ oder „Na, da musstest du dich nun wirklich groß anstrengen, deine Gegnerin ist ja wohl eine Komplettanfängerin!“ Ist es nötig, einen Sieg Deines Kindes herunter zu spielen? Fühlt es sich dadurch etwa besser? Eine sehr hübsche Sache, die ich auch schon mehrfach erlebt habe: Ein oder zwei Jahre später spielt Dein Kind wieder gegen die Lusche oder die Anfängerin von früher. Dumm dabei ist jedoch, dass die Lusche bzw. die Anfängerin in der Zwischenzeit einen enormen Ehrgeiz entwickelt hat, vier Mal die Woche bei einem richtig guten Coach trainiert und sein Spielniveau ganz fett nach oben geschraubt hat und logischerweise richtig heiß auf einen Vergeltungsschlag in das Match gehen wird! Grundsätzlich wird die Turnierszene Euren Kinder immer wieder einige alte Gesichter als Gegner zulosen! Je früher ihr Euren Kindern eine professionelle Einstellung den Gegnern gegenüber beibringt, desto besser. Und diese sollte auch mit einer anständigen Portion Respekt bestückt sein!
Ihr alle kennt die »10.000 Stunden-Regel«. Auch an dieser Stelle nochmals die Anmerkung, dass es hier um eine grobe Hausnummer und keine feste, unumstößliche Konstante geht! Des Weiteren haben wir in diesem Zusammenhang gelernt, dass diese Anzahl von Stunden nur dann gut investiert ist, wenn sie mit SINN und INTENSITÄT bestückt sind. Intensiv ist das Training dann, wenn Euer Kind die gesamte Trainingszeit auf eine tennisrelevante Weise, sei es konditionell, motorisch, konzentrationstechnisch oder mental auf hohem Niveau gefordert ist. Sinnvoll ist eine Trainingseinheit dann, wenn Tools, die das Spiel Eures Schützlings substantiell verbessern, erlernt werden! Um Euch diese Sache etwas deutlicher zu erklären, werde ich etwas ausholen.

Dazu wieder eine kleine Story aus meiner Racket-Bag. Herr P. kommt aus Russland und hat es, trotz anfänglicher sprachlicher und kultureller Barrieren zu sehr viel gebracht und ist ein guter Geschäftsmann geworden. Sein Motto von »Fleiß, Disziplin und Willenskraft« hat ihm zu diesem Erfolg verholfen. Mit dem gleichen Motto, welches ihm zu seinem Ruhm verholfen hat, will er aus seinem Sohn einen erfolgreichen Tennisspieler machen. Tagein tagaus verbringt er seine Freizeit mit seinem Sohn auf dem Tennisplatz. Eigentlich wäre das ja kein Problem, aber das Kind ist neun Jahre alt! Und hier liegt das Problem! Das Kind spielt wirklich verdammt gut und auch gerne Tennis… aber es will spielen… nicht arbeiten! Es verbringt zwar eine Unmenge von Stunden auf dem Tennisplatz, sollte also mit 16 bis 17 Jahren die 10.000 Stunden voll haben, wird jedoch trotzdem kein Champion sein, weil das Engagement und damit logischerweise auch die Intensität fehlen. Darüber hinaus ist der Herr Papa zwar wahnsinnig ehrgeizig und engagiert, aber leider nicht wirklich tenniskompetent, das heißt logischerweise, der Junge schlägt zwar Millionen von Kugeln, aber völlig SINNLOS!

Max ist 13. Bis letztes Jahr hat er relativ wenig Tennis gespielt. Er hat zwar ein Ranking auf der Jugendrangliste, es gibt aber etliche Jungs in seinem Verein, die schon einiges mehr trainieren und auch mehr Turniere spielen als er und damit konsequenterweise viel höher klassiert sind. Max ist aber deswegen nicht faul gewesen. Er hat nämlich zusätzlich noch in der höchsten Jugendklasse sowie in der Bezirksauswahl Fußball gespielt. Ist die Zeit, die Max auf dem Fußballplatz verbracht hat auch für sein Tennisspiel sinnvoll? Natürlich! Er hat einen unglaublichen Touch! Seine konditionellen Voraussetzungen sind grandios! Er hat ein gutes Auge! Er hat viel Wettkampferfahrung gesammelt! Er musste sich durchbeißen! Er ist zweikampfstark! Das sind doch alles Attribute, die auch einem Tennisspieler zugute kommen. Nun, Max hat gemerkt, dass die Doppelbelastung Fußball/Tennis auf Dauer nicht gut gehen kann und hat sich, aus was für Gründen ist an dieser Stelle nebensächlich, entschieden. Was aber nicht nebensächlich ist, ist folgende Tatsache: Von Woche zu Woche schwindet der Vorsprung, den die »Tennisspezialisten« gegenüber Max einmal hatten. Ich gebe Max noch ein paar Wochen, dann hat er zu ihnen aufgeschlossen. Und in spätestens einem halben Jahr, dafür lege ich meine Hand ins Feuer, ist er der Spieler in seinem Verein, der das beste Ranking in seiner Altersstufe hat.

Also Leute, lasst Eure Kinder erst einmal nur spielen. Wenn sie irgendwann einmal vom Ehrgeiz gepackt werden, dann werden sie automatisch mehr trainieren wollen. Spätestens in der Jahrgangsstufe U14, U16 realisiert Eurer Kind, dass Tennis nicht nur Spielen, sondern auch eine Menge Arbeit ist. Es ist jetzt aber auch soweit, dass es damit keine Probleme hat. Spezialisiert Euer Kind nicht unnötig früh auf Tennis. Es gibt sehr viele Disziplinen, die die Tennisentwicklung Eurer Kinder unterstützen. Und wenn Ihr Euch entscheiden müsst, dann wählt immer die QUALITÄT vor der QUANTITÄT!
»No risk, no fun!«, ist die richtige Devise für Tennisspieler! Natürlich soll das nicht heißen, einfach nur blind draufzudreschen auf die Kugel, ganz frei nach dem Motto »Hopp oder Top!«, sondern mit dem Faktor Risiko und dessen mögliche Gewinnchancen sollte mit möglichst viel Kalkül umgegangen werden.

Dafür braucht Dein Kind eine Menge Erfahrung und wie wir wissen, kann es diese Erfahrungen nur machen, wenn es auch eine gehörige Portion an Niederlagen kassiert. Gerade hier in Deutschland wird sehr gerne viel und früh Match-Tennis gespielt. In vielen Tennisvereinen wird Kleinfeld-Tennis in seinen diversen Größen richtig groß gepushed und mit viel Ehrgeiz wettkampfmäßig betrieben. Natürlich finde ich es toll, wenn Kinder die Möglichkeit bekommen, ihr Können schon möglichst früh mit anderen zu messen… solange der Wettkampfgedanke noch sehr stark im Hintergrund verborgen bleibt und die Kids in erster Linie einfach nur aus SPASS spielen! Denn, eine ganz brutale, negative Nebenwirkung birgt der zu frühe, zu verbissene Match-Einsatz für Eure Kinder in sich: Es siegen die Kinder, die primär sicher spielen können!

Ein Kind, welches sich schnell bewegen kann und die Kugel geduldig 100 Mal fehlerlos über das Netz schaufeln kann, bringt es unter Umständen bis zum Verbandsmeister in der Altersklasse U12 und wird damit verdammt, weit oben in der Rangliste stehen. Das gleiche Kind wird jedoch in den darauf folgenden Jahren richtig schön von oben nach unten durch gereicht, weil seine Kontrahenten immer konstanter, schneller und auch risikofreudiger spielen. Das Kind, welches seine Lorbeeren mit dem »Sicherheits-Schaufel-Tennis« gewonnen hat, geht unter, weil es schon zu lange mit diesem falschen Betriebssystem gespielt hat.

Das System »mache keine Fehler, dann gewinnst du!« ist in der Regel schon zu sehr verankert… und wer auf dem Tennisplatz und im Leben neben dem Court Erfolg haben will, der MUSS risikofreudig sein und ab und zu auch einmal auf die Schnauze fallen… denn das sind nun einmal die wertvollsten Erfahrungen, die man machen kann!
Es gibt auf dem langen und oftmals steinigen Weg zum erfolgreichen Tennis-Champ immer wieder Rückschläge. Die Ursachen dafür können vielfältig sein. Schulische oder familiäre Probleme, die sich auf die Leistung auf dem Tennis-Court auswirken können. Oder eine längere Durststrecke bei Turniereinsätzen, in denen sich vielleicht ungewohnt viele schmerzhafte Niederlagen aneinander reihen. Was auch immer die Rückschläge verursacht hat, eine ganz wichtige Fähigkeit wird Euer Kind dabei lernen: Nicht aufgeben, aufstehen, weiterarbeiten, mit Kampf und Willenskraft am Ziel festbeißen! Auch Verletzungen gehören zum Sportleralltag und können Dein Kind kurzfristig zurückwerfen. Ich sage ganz bewusst »kurzfristig«, da gerade nach einer Verletzungspause normalerweise ein ungeheurer Motivationsschub einsetzt, der außergewöhnliche Energie freischaufelt und eventuelle Defizite schnell wieder aufarbeiten lässt. Auch lassen sich zum Beispiel technische Veränderungen, Optimierung einer Aufschlagbewegung oder Ähnliches, gerade nach einer längeren Pause sehr gut einbauen, weil der technische Ablauf nicht mehr so präsent ist und damit bei einem Restart weniger motorischer Widerstand vorhanden ist.

In den meisten Fällen sind Tennisspieler auch nicht am ganzen Körper verletzt. Hat ein Spieler Probleme mit Handgelenk, Arm oder Schulter, so kann die Pause wunderbar dafür genutzt werden, die Beinarbeit zu verbessern. Ist die Verletzung im Bein oder Fussbereich, so kann die Spielunterbrechung logischerweise für den muskulären Aufbau des Oberkörpers genutzt werden. So oder so! Euer Kind wird Euch Eltern und Coaches gerade in diesen schweren Zeiten sehr brauchen. Gebt ihm den bestmöglichen Support und helft ihm wieder auf die Beine!
Hierzu habe ich einen sehr schönen Vergleich gehört, den ich sehr gerne mit Euch teilen möchte. Wenn wir uns das Bild einer Blume zur Hilfe nehmen, dann wissen wir, dass sie aus einer Wurzel unter der Erde und einem Stengel, Blättern und einer Blüte an der Oberfläche besteht. Tritt jetzt jemand auf diese Blume oder sie wird überfahren, so ist sie kurzfristig »platt« jedoch innerhalb einer kurzen Zeit wieder beginnen zu wachsen, da die Wurzel ja noch intakt ist.

In der gleichen Art können wir Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl sehen. An der Oberfläche haben wir das Selbstvertrauen. Als Tennisspieler habe ich dann Vertrauen in mich selbst, wenn ich meine Schläge beherrsche und mich körperlich und mental fit fühle. Natürlich hat auch eine schöne Siegesserie großen Einfluss auf mein Selbstvertrauen. Dieses Selbstvertrauen ist jedoch sehr fragil, es kann sehr schnell auch einmal »platt« gemacht werden. Gerade für einen Tennisspieler reichen da schon ein paar Niederlagen oder eine kleine Unterbrechung zum Beispiel bedingt durch eine Verletzung. Hat Dein Kind NUR »Selbstvertrauen«, dann hat es einen schwierigen Stand. Daher ist es so wichtig, dass es auch »Selbstwertgefühl« hat, je mehr, desto besser. Dieses Gefühl, etwas WERT zu sein, wird gerade in Situationen, in denen die »Kiste einmal nicht so optimal« läuft, für den nötigen Rückhalt und die nötige Ausdauer sorgen, um mit voller Kraft wieder auf Kurs zu kommen. Nun, wie bekommt Dein Kind dieses so wichtige »Selbstwertgefühl«? Indem Ihr ihm zeigt, tagein und tagaus und bedingungslos, wie wertvoll es für Euch ist. Unabhängig von Siegen und von Niederlagen… womit ich wieder einmal bei der großen Kraft der Liebe angelangt wäre… bitte entschuldigt… ;-)
Ein Tennisspieler, der keinen Spaß beim Spiel hat, wird nie ein Champion. Der Spaß am Spiel muss immer der Hauptantrieb sein, mit dem Euer Kind auf den Platz geht. Egal ob im Training oder im Wettkampf. Je jünger die Kinder sind, desto wichtiger ist dieser Grundsatz. Versäumt Ihr Eltern es, Euren Kindern diese Freude zu vermitteln, so wird sich das zu irgendeinem späteren Zeitpunkt auf brutale Art und Weise rächen. Wenn die Kinder älter werden, realisieren sie früh genug, dass es auch eine gehörige Portion an sehr schweißtreibender Arbeit benötigt, um an die absolute Spitze zu gelangen. Aber auch hier kommt die Aussicht auf das viele Geld und den möglichen großen Ruhm nie an den einzigen, wirklichen Antrieb mit Substanz heran: Den Spaß am Tennis!
„Diese Rückhandschwäche müssen wir ausmerzen!“ - „Der zweite Aufschlag ist viel zu harmlos!“ - „Die Beinarbeit ist sehr schwach!" - Egal, ob ich bei einem internationalen Top- Event oder bei lokalen Bezirksmeisterschaften am Spielfeldrand stehe, ob sich Eltern oder Trainer miteinander unterhalten, ich höre fast ausschließlich Gespräche über die Schwächen der Spieler! Wie sind denn diese Kinder und Jugendlichen auf dieses doch schon sehr gute Level vorgestoßen? Etwa nur, weil sie so tolle Schwächen haben?

Ich bin der Meinung, dass auf unseren Tennisplätzen sehr viel mehr über die Stärken unserer Kids gesprochen werden sollte! Denn sind wir doch mal objektiv: Auch die absoluten Top-Verdiener in unserer Branche haben Schwächen! Aber die verstehen es halt, ihre Schwächen gut zu übertünchen bzw. haben es gelernt, wie die Gegner möglichst wenig Schaden anrichten können. Dafür haben sie natürlich einige ganz große Stärken bzw. Waffen, mit denen sie ihre siegbringenden Punkte einfahren.

Bitte versteht mich hier nicht falsch: Natürlich gehören die eingangs erwähnte Rückhand, der zweite Aufschlag und auch die Beinarbeit verbessert! Logisch! Aber vergesst auf keinen Fall, in erster Instanz die Stärken aufrecht zu erhalten und zu fördern, denn diese bringen die Punkte und in der Summe auch die Matches und die Rankings. Also liebe Eltern: Traut Euch ruhig! Redet mehr über die Stärken Eurer Kinder!
Schon wieder könnte ich hier X Stories aus meiner Bag ziehen, möchte dies aber sehr gerne unterlassen, weil diese Stories einfach nicht schön sind. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass eine Familie und ihre Mitglieder nicht nur wie Planeten um die Sonne »TENNIS« kreisen können.

Vielleicht gibt es ja noch andere Geschwister, die vielleicht nichts mit Tennis am Hut haben, dafür aber in der Schule toll sind, musizieren oder sonst einfach klasse sind. Müssen diese sich beim Abendessen einen Monolog des Vaters über das letzte Turniermatch anhören?

Oder Dein Kind hat gerade ein Match verloren, will es jetzt auf dem Nachhauseweg Deine Analyse hören? Gerade dann, wenn der Sport einen immer größeren Einfluss gewinnt, ist es wichtig, Tennis-Tabu-Zonen einzurichten.

Tabu-Zone Auto: Verschont Euer Kind auf dem Weg zum Turnier, VOR ALLEM auf dem Heimweg nach dem Turnier vor Tennis-Talk! Ausnahme: Euer Kind beginnt die Unterhaltung und möchte mit Euch darüber reden.

Tabu-Zone Familienmahlzeiten: Solltet Ihr in der glücklichen Lage sein, solche Mahlzeiten miteinander einzunehmen, genießt die Zeit mit Euren Lieben, redet über alles Mögliche, aber nicht über Tennis. Ich bin der Meinung, wie Eure individuellen Tennis-Tabu-Zonen am Ende abgesteckt werden sollten, liegt in Eurem Ermessen: Und da dürft Ihr Eure Kinder sehr gerne konsultieren, sie werden Euch sicherlich sehr gerne mit Rat und Tat unterstützen!
Hier gäbe es Dutzende lustiger kleiner Episoden aus meiner Racket-Bag zu erzählen, die würden aber den Rahmen dieses Manuals ganz böse sprengen! Aber die Story ist eigentlich immer sehr ähnlich: Irgendwo auf einem Tennisplatz führt sich ein Jugendlicher wie ein Berserker auf! Schimpft, flucht, wirft mit irgendwelchem teurem Tennis-Equipment um sich oder knallt Bälle durch die Gegend. Draußen stehen Eltern, oft fassungslos, machmal ernsthaft darüber sinnierend, der Tenniskarriere ihres Kindes hier und jetzt den Stöpsel zu ziehen… oder… sie schämen sich einfach nur.

Etwas seltener kommt es auch vor, dass sich Eltern über die nach außen schon wie Gleichgültigkeit wirkende Nonchalance ihres Kindes wundern und etwas mehr Zurschaustellen eines »Kampfgeistes« wünschen. So oder so, wo liegt hier der große Fehler? Ganz einfach: Wir gehen leider zu oft davon aus, dass unsere Umwelt so tickt wie wir! Gefälligst so zu ticken hat wie wir! Vor allem natürlich hat unser familiäres Umfeld so zu ticken wie wir.

Sorry Leute, das ist leider totaler Unfug, denn es gibt nun einmal verschiedene Charaktertypen und es ist eher unwahrscheinlich, dass Dein Sohn oder Deine Tochter der gleiche Typ ist wie Du. Das wäre ja sonst auch alles viel zu einfach für Euch, finde ich! Darüber hinaus kann es an dieser Stelle hilfreich sein, nochmals in den »FIRST SET« zurückzublättern. Da haben wir uns mit den diversen Aspekten beschäftigt, welche Tennis so verdammt schwer machen, gerade im mentalen Bereich. Dass hier in Stresssituationen einem extrovertierten, intuitiv agierenden Youngster auch einmal per Zufall ein Schläger 15 Meter weit aus der Hand rutschen kann… nun… nicht gerade hübsch… aber sehr verständlich!

Sicherlich sollte daran gearbeitet werden, Temperament zu kontrollieren. Aber bitte liebe Eltern, lasst die Finger von diesem wirklich heißen Eisen: Überlasst dieses Thema Eurem Trainer oder einem entsprechend qualifizierten Coach! Ich weiß nicht genau, für wie viele zerworfene und zerstrittene Familienabende nach Tuniertagen dieses heiße Thema bis jetzt gesorgt hat… mit Sicherheit sind es abertausende!
Meine Devise ist relativ einfach und ich habe sie an früherer Stelle schon einmal erwähnt: „Gute Tennisspieler werden auf dem Trainingsplatz gemacht, NICHT auf Turnieren!“ Natürlich müssen Eure Kids immer wieder mit Wettkampfsituationen konfrontiert werden, um überprüfen zu können, ob ihr Spiel siegbringend funktioniert. Match- und Turniererfolge sind darüber hinaus unglaublich wirksame Motivationsspritzen! Leider wird jedoch, auch von Verbandsseite, zu früh zu viel Wert auf Ranglistenpositionen gelegt. Kinder, deren Eltern, sich von solchen kurzfristig ausgelegten Zielformulierungen blenden lassen, haben langfristig keine Chance auf eine Tenniskarriere, welche die Erwähnung im einen oder anderen hübschen, kleinen Artikel in der lokalen Presse übersteigt. Bestes Beispiel: Sind die Williams- Schwestern jemals auf einer Jugend-Rangliste aufgetaucht? Nöö, sie haben lieber gut trainiert und haben dann gleich die WTA-Damen Rangliste gerockt! Gemeinsam haben sie schlappe 100 Millionen US-Dollar an Preisgeld eingefahren, weitere circa 200 Millionen durch »Tennis-Nebenjobs«!

Eine Story aus meiner Racket-Bag:

René war in sämtlichen Jugendklassen die Nummer eins in den Verbandsranglisten. Auch bei den deutschen Meisterschaften war er regelmäßig vorne dabei. Die Regale in seinem Zimmer bogen sich unter der Last der vielen Pokale und Medaillen. Der Blick in das Zimmer hat mich immer an einen Besuch bei Ferrari in Maranello erinnert. Immer wieder bin ich jedoch mit seinem Vater im Clinch gewesen: Ich habe immer wieder davon abgeraten, so viele Turniere zu melden, sondern lieber mehr Zeit in sein Konditionstraining und vor allem in die Ausbildung seines linkshändigen Aufschlages zu investieren. Leider wollte der liebe Papa nicht hören, sondern ist lieber zu einem weniger kritischen Trainer gegangen. „Hey, mein Sohn macht gerade Promotion-Fotos mit einem großen Schlägerhersteller, zusammen mit Roger Federer. Das Motto der Kampagne: »The next Generation is coming!« So in etwa kanzelte er mich und mein mangelndes Urteilsvermögen ganz lässig ab.

Hey, ich sage das ohne böses Blut oder Schadenfreude: In diesem Falle kommt die nächste Generation über ein paar Regale mit wertlosem Gerümpel sowie einem netten Souvenirphoto mit dem Maestro nicht hinaus, denn auch große Schlägerhersteller können sich irren… Bitte versteht mich nicht falsch: Turniere sind sehr wichtig! Aber die Arbeit auf dem Trainingsplatz ist viel wichtiger! Der Spieler soll dann »ready to rock« sein, wenn es an’s Eingemachte geht. Und das ist erst beim Übergang ins Damen- beziehungsweise ins Herrentennis der Fall. Dass zur Vorbereitung auch in der Altersklasse U18 Wettkampfeinsätze schon leicht erhöht werden können, ist okay. Ihr könnt Euch auch gerne an Euren Kids orientieren, was die Turniereinsätze angeht. Euer Kind muss mit den Hufen scharren, es muss richtig »Bock« auf den Turniereinsatz haben! Turnier/ Eltern - Hier, an diesem kleinen Punkt, könnt Ihr Eltern eine Menge Bonuspunkte für Eure Kinder sammeln. Es geht dabei um den Umgang mit Turnierleitung, Oberschiedsrichtern und natürlich auch den Umgang mit anderen Tenniseltern sowie der Tatsache, dass man sich sprichwörtlich immer zwei Mal im Leben trifft. Auf dem Tennis-Circuit ist die Sache mit den zwei Mal noch etwas verzwickter. Hier ist die Wahrscheinlichkeit, sich ziemlich häufig wieder über den Weg zu laufen, sehr hoch. Da ist es gerade für Eure Kinder ein riesiger Vorteil, wenn Ihr ein paar Freunde habt. Beispiele gefällig? Ihr habt letztes Jahr mit dem Turnierleiter ein nettes Schwätzchen gehalten und habt Euch nach dem Turnier nochmals für die tolle Organisation bedankt. Dieses Jahr braucht ihr eine spätere Startzeit für die erste Runde, weil Euer Kind länger Schule hat. Die Chance ist sehr groß, dass die Turnierleitung sich an Euren Namen erinnert, positiv erinnert, und Eure Anfrage gerne berücksichtigt. Bei einem der letzten Turniere gab es in einem Match Deines Schützlings Zoff wegen einer strittigen Linienentscheidung. Der Oberschiedsrichter musste anrücken und entschied gegen Euch. Darauf hast Du ihn wegen seiner unmöglichen Entscheidung und ganz allgemein wegen seiner Inkompetenz angemacht. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass er in einem neuen Fall für Dein Kind entscheidet? Auch ein freundschaftlicher Umgang mit anderen Tenniseltern kann Vorteile bringen. Sei es eine Fahrgemeinschaft zu einem Turnier, eine Trainingsgemeinschaft in den Schulferien, Berichte über andere Turniere oder bevorstehende Kontrahenten, ein wertvoller Hinweis über einen neuen, kompetenten Trainer, Leute, bitte versteht mich nicht falsch: Ihr sollt jetzt nicht bei jedem Turnier in jeden Hintern kriechen, aber ein kleines bisschen »nett« kann durchaus von Vorteil sein, vor allem für Euer Kind!
Unternehmungslustig sind Kids dann auf dem Platz, wenn sie auch neue, überraschende, verrückte Sachen machen. Ich bin ein Fan solcher Kinder! Warum? Ganz einfach: Unser ganzes System, ob in der Schule oder auf dem Tennisplatz beruht so ziemlich darauf, Sachen auswendig zu lernen, zu kopieren, zu imitieren, Ja und Amen zu sagen, ohne groß nachdenken zu müssen.

Kinder, die auf dem Tennisplatz auch einmal etwas »Verrücktes« probieren, werden gerne zurecht gestutzt und auf Tennis-Quoten-Mechanik getrimmt. Aber sind es nicht gerade die Querdenker, die »Um-die-Ecke-Denker«, die »Neues- Ausprobierer«, die »Hinterfrager der Norm«, die uns in ihren Bann ziehen und verzaubern.

Wenn ich beziehungsweise meine Informanten nicht total daneben liegen, sind genau diese »verrückten Typen« auch in der »normalen« Wirtschaftswelt immer gefragteres Gut! Also, lasst Eure Kinder in der unmöglichen Situation den unmöglichen Stoppball spielen. Oder mit dem zweiten Aufschlag das Ass probieren. Den Kurz-Cross-Winkel versuchen. Nennt es nicht Dummheit, nennt es einfach Kreativität! »Try and error« ist das goldene Prinzip und irgendwann merken Eure Kinder von alleine, welche Schläge für eine bestimmte Spielsituation die Besten sind!
Sicherlich gönnt Ihr Euch auch jedes Jahr ein paar Tage Urlaub. Selbst die Top-Spieler gönnen sich jedes Jahr einen Auszeit. Damit ist natürlich nicht ein Aufenthalt in einer Tennis-Academy gemeint, sondern Urlaub vom Tennis. Es ist ganz wichtig, dass Euer Kind mindestens einmal im Jahr für ein, zwei Wochen überhaupt kein Tennis spielt. Auch hartes Konditionstraining sollte in dieser Zeit tabu sein. Gegen ein lockeres Jogging-Läufchen am Strand oder im Wald gibt es hingegen nicht zu sagen. Erstens muss der junge Körper Eurer Kinder die Gelegenheit bekommen, total zu regenerieren und frische Kraft zu tanken. Zweitens sorgt die lange Tennis-Abstinenz für einen dringlichen Wunsch, endlich wieder mit dem Spielen anfangen zu dürfen. Motivation pur! Keine Angst, Euer Kind verpasst in dieser Zeit gar nichts, ganz im Gegenteil, gerade nach solchen Pausen kommt es zu großen Leistungsschüben!
Ich gehe in meinem Buch »Ich WILL nach Wimbledon« in der Rubrik »Rückschläge« sehr eingehend auf die Thematik Verletzungen ein. Verletzungspausen gehören zum Sport, wobei wir im Tennissport im Vergleich zu anderen Disziplinen, vor allem natürlich den Mannschaftssportarten Fußball, Basketball und Handball noch in Sachen »Schwere und Häufigkeit von Verletzungen« sehr glimpflich davon kommen. Wichtig und an dieser Stelle noch einmal eine Wiederholung wert, ist die große Chance, die in einer Verletzungspause liegt. Emotional fördert eine solche Pause die Dankbarkeit Eures Kindes, gesund, fit und leistungsfähig zu sein. Nach einer Pause ist in der Regel ein sehr hohes Level an Motivation und Leistungsbereitschaft vorhanden. Und wie auch schon früher erwähnt: In der Regel kann eine Pause genutzt werden, um an anderen »Baustellen« im Gesamtpaket zu arbeiten! Grundsätzlich möchte ich Euch davon abraten, Eure Kinder verletzt oder krank Turniere spielen zu lassen. So etwas ist äußerst unprofessionell, kann sich zudem auch negativ auf die Gesundheit auswirken und die Chance ein gutes Ergebnis zu erzielen ist sehr nahe Null! Also sollte man es gleich lassen! Trainingseinsätze bei entsprechend angepassten bzw. verschobenen Belastungsschwerpunkten sind ohne Weiteres möglich, sollten aber mit Eurem Trainer abgesprochen sein!
Nur mit tiefem, auf Gegenseitigkeit beruhenden Vertrauen ist eine langfristig fruchtbare und erfolgsversprechende Zusammenarbeit von Kind, Eltern und Trainer möglich! Gerade Euer Kind als »Zentrum« dieses kleinen Sonnensystems wird sofort spüren, wenn irgendetwas im Team nicht rund läuft. Leistungsfördernd wird sich eine Missstimmung sicherlich nie auswirken. Setzt alles daran, dass Euer Team geschmeidig und harmonisch kooperiert. Sollte es zu irgendwelchen Zeitpunkten zu Meinungsverschiedenheiten oder Problemen kommen, so löst diese so schnell wie möglich!
Eine solide Vorbereitung auf Trainingseinheiten sowie auch auf Matches sollte für Eure Kids eine Selbstverständlichkeit werden. Leider sieht der normale Traineralltag anders aus! Sehr oft werden die Kids verspätet oder auf die Minute genau zum Beginn ihrer Trainingseinheiten am Tennisplatz abgeliefert. Als »normaler« Tennistrainer könnte ich hier vielleicht anfügen: „Das ist mir doch wurscht, ob meine Kunden es rechtzeitig auf den Platz schaffen oder nicht, mein Taxometer ist schon am Laufen! Kinder sollten vor einer Trainingseinheit Zeit haben. Mindestens 15 Minuten! Der Körper kann durch ein lockeres Aufwärmprogramm auf die richtige Betriebstemperatur und in den richtigen Spannungszustand gebracht werden. Natürlich dient diese Vorbereitung auch dazu, »Nebengräusche« aus der Schule, Stress mit Freunden oder Familie herunter zu fahren und sich auch mental, emotional auf die bevorstehende Aufgabe einzustellen. Genauso sollte vor Matches verfahren werden. Sehr oft haben wir das Thema, dass sich die Kinder vor ihrem ersten Turnier-Match nicht warm spielen können. Umso wichtiger, dass sie eine ganz feste Formel haben, mit welcher sie sich körperlich auf die bevorstehende Aufgabe einstellen können. Kinder, die hier einen festen Ablauf, ein Ritual haben, können emotional gefestigter in Matches gehen. Besprecht mit Eurem Heimtrainer unbedingt, wie Euer Kind optimal auf Training und Match »vorgeglüht« werden kann. Top-Profis nehmen sich teilweise weit über eine Stunde Aufwärmzeit, nicht nur vor Matches!
Natürlich können wir in unserem »kleinen« Eltern-ABC nicht vermeiden, dass sich die eine oder andere Fähigkeit in einem etwas anderen Wort verkleidet, wiederholt. Wille hat natürlich auch etwas mit Ausdauer, Biss, Einsatz, Einstellung, vielleicht auch mit Disziplin zu tun.

Wie auch immer wir diese Kraft in Worte hüllen wollen oder können: Sie ist der Treibstoff Deines Kindes ab dem Zeitpunkt, an dem es die reine »Spiel-oder Fun-Phase« auf dem Court hinter sich gelassen hat. Euer Kind hat Blut geleckt, das heißt, es will nicht einfach nur ein bisschen mitspielen, sondern es WILL gewinnen, es WILL nach Wimbledon ;-)

Was für Euch ganz wichtig sein sollte: Ihr müsst Euch wirklich sicher sein, dass Euer Kind wirklich WILL. Zu oft hat sich die kleine Story aus meiner Racket-Bag wiederholt, dass Eltern mit dem Wunsch zu mir gekommen sind, ich solle doch bitte ihr Kind langfristig und altersgemäß intensiv trainieren bzw. coachen. „Unser Kind will auf jeden Fall Profi werden! Wir haben die finanziellen Möglichkeiten und werden unser Kind auf jeden Fall unterstützen!“

Nun, leider sind wir Eltern (ich selbst bin von dieser Erfahrung auch nicht verschont geblieben) teilweise auch nicht ganz objektiv. Unser Kind spielt gerne Tennis, könnte sich auch vorstellen, etwas mehr ins Tennis zu investieren…aber von ALLES INVESTIEREN…davon hat es nie gesprochen. Wir jedoch haben es, vielleicht weil wir das für unser Kind, oder uns selber wünschen, haben genau das hinein interpretiert. Für mich als externer Tennis-Experte und Menschenkenner ist spätestens nach ein paar Trainingseinheiten und Gesprächen mit dem Kind zu hundert Prozent klar, dass die Eltern WOLLEN, das Kind nur MÖCHTE!

Ein guter Coach wird Euch an dieser Stelle reinen Wein einschenken und Euch zu einer Tennis-Freizeit-Karriere Eures Sohns oder Eurer Tochter raten. Ganz ehrlich gesagt gibt es dagegen auch überhaupt nichts Negatives einzuwenden. Tennis ist fantastisch, egal auf welchem Niveau! Also, bevor Ihr eine Menge Zeit, Kohle und Herzblut in die Hand nehmt: Seid Euch sicher!
Wenn Kids neu bei mir ins Training aufgenommen werden, kommt in der Regel folgende Frage sehr, sehr früh: „Wieviel unnötigen Mist müsst ihr euch z.B, in der Schule aufschreiben? Sachen, die ihr später nie mehr lesen oder brauchen werdet?“ - „Eine Menge!“ ist die eindeutige Antwort. „Komisch! Aber auf dem Tennisplatz, beim Training, da werden so viele, wirklich wichtige und wertvolle Tipps für Euer Spiel weiter gereicht, aber ihr schreibt sie nicht auf. Warum?“ - Schweigen!

Nun, jeder von uns weiß, Sachen, die wir uns aufschreiben bleiben viel länger in unserem Gedächtnis haften als nur Gehörtes…. und wir haben die Möglichkeit das Geschriebene zu jedem Zeitpunkt wieder nachzulesen. Ein »Workbook« ist für jeden meiner leistungsorientierten Tennisschüler ein absolutes »MUSS«. Alle relevanten Informationen werden in den Rubriken Technik, Strategie, Kondition und Mentales in kurzen, knackigen Merksätzen oder auch kleinen Zeichnungen notiert. Mit der Zeit sammelt sich somit für jeden Schüler SEIN individuelles Tennisbuch an. Ohne unnütze Allgemeininformationen, sondern mit genau auf das Kind zurecht geschneiderten Merkpunkten. Das gewissenhafte Führen eines »Workbooks« signalisiert für Dich: Dein Kind WILL etwas lernen und es auch behalten! Dein Kind respektiert den Trainer, da es die Informationen ernst nimmt und aufschreibt! Dein Kind respektiert auch den finanziellen Einsatz von Deiner Seite. Denn indem es die Sachen notiert, wird die Unterrichtszeit, welche Dein Geld kostet, optimal genutzt. Dein Kind hat eine professionelle Einstellung zu seinem Tennis! Genauso wie wir das von jedem Lehrling oder Student in einem anderen Metier auch als Selbstverständlichkeit erwarten!
An dieser Stelle möchte ich nicht noch einmal auf die »Wutausbrüche« Eures, in der Regel Testosterongesteuerten männlichen, jugendlichen Nachwuchses äußern. Mir etwas netter Hilfe von außen bekommen die Jungs das in der Regel ganz von selbst in den Griff. Was mir an dieser Stelle ganz arg am Herzen liegt, einfach weil auch hier meine Bag wieder mit so vielen wirklich unschönen Geschichten voll gepackt ist, müsst Ihr Euch wirklich gut merken: Bitte, bitte, liebe Papas, deren Testosteron ebenfalls oft etwas überdosiert ist: gerade wenn Eure Kinder verloren haben, geht raus aus der Tennisanlage, macht ein paar Schritte, ein paar tiefe Atemzüge, alles was Euch halt möglichst kurzfristig entspannen lässt und redet dann erst mit Eurem Kind. An diesem Knackpunkt könnt Ihr fast alles kaputt machen… aber auf der anderen Seite auch wahnsinnig viel aufbauen!
Ob in einem einzelnen Match, oder im Verfolgen einer wie oben besprochenen Ziel- oder »Traum«-Vorgabe: Dran bleiben, nicht aufgeben, sich durch Niederlagen, Rückschläge oder sonstige unliebsame Nebenwirkungen eines Sportlerlebens kämpfen, ist natürlich ein Attribut, ohne welches KEIN Sportler an irgend eine Spitze kommen kann. Dass diese Zähigkeit nicht eine angeborene Gabe ist, ist eine klare Tatsache. Das heißt also: Schon wieder müssen wir unseren Kindern etwas vorleben und mit gutem Bespiel vorangehen. Natürlich ist die Art und Weise, wie wir mit unseren Kids umgehen, genauso wichtig. „Egal was passiert, wir halten zu dir!“ „Egal wie schmerzhaft, dumm oder unnötig eine Niederlage ist, es ist immer eine Chance etwas daraus zu lernen!“ sind Schlüsselsätze, die bei Euren Kindern, wenn ehrlich vorgetragen, hängen bleiben und damit Charakter formen!
Am Anfang einer Tennislaufbahn, steht bei unseren Kindern, das haben wir schon mehrfach gehört, ein Traum! Mit zunehmendem Altern und natürlich auch Fortschritten auf dem Platz sowie natürlich auch Eurer Hilfe, kann daraus ein Ziel werden. Wie vorher erwähnt, wird dieses Ziel dem Tennisnachwuchs, aber vermutlich auch Euch Eltern, mitunter als sehr weit entfernt und teilweise auch als fast unerreichbar vorkommen. Gerade in den Zeiten, in denen es vielleicht nicht so super läuft!

Daher ist es elementar wichtig, dass Ihr zusammen mit Eurem Trainer/Coach und selbstverständlich auch mit Eurem Kind, sobald es alt genug ist, Zwischen- oder Teilziele definiert. Je klarer, desto besser! Genauso, wie jedes große Projekt in einzelne, möglichst gut messbare kurz-, mittel- und langfristige Einzelteile zerstückelt wird, sollte auch eine Tenniskarriere einer klaren Planung mit klaren Vorgaben unterliegen. Die Motivation im Team wird dadurch sehr gestärkt, gerade beim Erreichen gesetzter »Bench-Marks«. Der größte Fehler, der hier leider viel zu oft vorkommt und auch wirklich katastrophale Konsequenzen hat: Ziele werden zu häufig resultat- bzw. ergebnisorientiert definiert.

Die bessere Alternative ist immer weg- oder zielorientiert. Was heißt das für uns konkret? Hier der einfachste Fall: Dein Kind kommt nach dem Match-Training vom Platz und setzt sich neben Dich ins Auto. Du fragst: „Na, wie war das Match? Hast Du Natalie jetzt endlich einmal einen Satz abgeknöpft?!“ oder Du könntest eine sehr viel bessere und konstruktivere Frage stellen, zum Beispiel: „Hey, heute war doch Training mit Natalie, hat denn Dein zweiter Aufschlag, Du weißt schon, der mit Kick, hat der heute schon geklappt?“

Genauso kurzsichtig ist die Angewohnheit vieler Eltern, sich, einmal im Frühling, einmal im Herbst, wie die Wilden ins Internet zu stürzen, um die neue Ranglistenposition Ihres Kindes zu erfahren. Okay, das ist sicher ganz nett, wenn sich Euer Kind auch in den Rankings verbessert, und aufgrund dessen auch einmal bei einer großen Verbandsmeisterschaft mitmachen darf. Aber glaubt mir, langfristig ist es total unwichtig. Denn eigentlich ist das Prinzip doch ganz einfach: Spielt ein Mensch gut Tennis, dann gewinnt er Matches. Wenn dieser Mensch viele Matches gewinnt, bekommt er automatisch eine gute Ranglistenposition. Und wenn er irgendeinmal auf einer Weltrangliste auf einer richtig guten Ranglistenpostion steht, dann verdient er eine Menge Geld! So einfach ist das Prinzip im Tennis. Und das solltet Ihr nie vergessen! Ziele sind sehr wichtig. Bitte schaut, dass diese auch wirklich konstruktiv und sachbezogen gehalten sind!
Je früher Eure Kinder Zuverlässigkeit von Euch abschauen können, desto besser und nachhaltiger die Wirkung! Wir wissen, wir leben in einer Welt, in der selbst die mächtigsten Menschen, ob Politiker, Industrielle oder sonstige »Stars« nicht zuverlässig sind. Sie machen heute Eingeständnisse, von denen sie morgen schon nichts mehr wissen. Sie machen heute Versprechungen, die sie morgen schon wieder zurück nehmen. Erklären heute, was die Wahrheit ist, nur um uns morgen eine ganz andere zu erzählen. Wenn ich’s so richtig bedenke, scheint es richtig cool, hipp und angesagt zu sein, NICHT zuverlässig zu sein! Ist mir persönlich mittlerweile auch ziemlich egal! Außer es tangiert mein eigenes Team! Eltern, Kinder, Coach: ein funktionierendes Team muss auf Zuverlässigkeit bauen können!
Jedes Ziel, das groß ist, ist auch immer weit von uns entfernt! Gerade für unsere Kinder, die in der Regel erst einmal nur mit einem Traum von der großen Tenniskarriere zu uns kommen, sehen die tollen Turniere in Wimbledon oder Roland Garros aus wie unerreichbare, ferne Galaxien. Unsere Aufgabe als Eltern und Trainer muss es sein, den Kindern so lange wie möglich dabei zu helfen, dran zu bleiben an diesem Traum. Ihn so lange es geht zu leben! Zu verfolgen und auf keinen Fall aufzugeben. Wir Erwachsenen können enorm viel dafür tun, dass unsere Kinder starke Persönlichkeiten werden. Gerade indem wir ihnen helfen, zäh zu sein. Zäh zu sein heißt erst einmal wie gerade besprochen, dran zu bleiben an einem langfristig gesetzten Ziel. (Oder Traum!) Mit einer positiven Grundeinstellung unseren Kindern gegenüber, einer „Ja, du schaffst das!“ Mentalität sollten doch unsere Kids hinaus geschickt werden. Nicht nur auf den Tennisplatz, in ein Match, sondern in die Welt an sich! Was wir hier an lebensbejahender Energie säen, landet garantiert auf fruchtbarem Boden!