Spielerbetreuung

Spielerbetreuung


Von Stephan Medem.

Ein User schrieb mir: „Hallo Herr Medem! Mich interessiert Ihre Meinung zum Thema Spielerbetreuung. Ich weiß, vieles ist individuell, aber sollte das Verhältnis zwischen Coach und Spieler eher distanziert-unterkühlt oder eher freundschaftlich-warm sein? Kann man anhand der Charaktereigenschaften des Spielers ausmachen, welchen Weg man als Coach einschlagen sollte? Beim Duo Kerber-Schüttler beispielsweise vermute ich auf Grund der vielen internen Verbindungen eher ein Kumpelverhältnis (was Kerber vielleicht gut tut, aber sportlich sicher nicht weiterbringen wird) und beim Duo Zverev-Lendl sehe ich die Verbindung von außen eher professionell-geschäftlich. Schätze ich das richtig ein und wie ist Ihre Meinung dazu?“

Nun, diese Beobachtung in Sachen Kerber/Schüttler sowie Zverev/Lendl ist sicherlich nicht verkehrt. Wobei ich vermute, dass bei Kerber/Schüttler auch noch ein bisschen »DTB- bzw. Hordorff-Politik« mit im Spiel sein könnte. Generell lässt sich Deine Frage nicht beantworten. Sicherlich tut es einem Hitzkopf wie Zverev sehr gut, wenn er einen eher ruhigen, analytischen Berater wie Ivan Lendl an der Seite hat. Was die Punkte »distanziert-unterkühlt« oder »freundschaftlich-warm« angeht: nehmen wir doch als Beispiel doch einfach mal eine Schulklasse. Wird sich ein Lehrer heutzutage Autorität verschaffen, indem er versucht, autoritär aufzutreten? Wohl kaum. Wird sich der Lehrer Autorität verschaffen, indem er kumpelhaft auftritt? Der Kern der Sache ist doch ganz einfach: ich verschaffe mir Autorität, indem ich mit meinen Kompetenzen und meinem Wissen unmissverständlich klar machen kann, dass ich von einer Sache eine Menge verstehe und helfen kann. Hat mein Schüler, Coachée oder wer auch immer, das verstanden, dann wird die Zusammenarbeit auch Früchte tragen. Somit wird alles andere zur Nebensache. Denn ein Coach, sowie ein Coachée haben eine eigene Persönlichkeit. Beide sollten sich niemals verbiegen oder sich selbst untreu werden.


Februar 2019 · Photocredit: Jürgen Hasenkopf