„Kind, hab’ Spaß!”

Stephan Medem
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Ich schaue immer wie­der mit Freu­de zu, wenn Kids aller Alters- und Leis­tungs­klas­sen auf Jugend­tur­nie­ren ihre Klin­gen kreu­zen. Wenn mir dabei der Spaß ver­dor­ben wird, liegt das irgend­wie nie an den Akteu­ren, son­dern stets an deren Eltern. Und ganz ehr­lich? Ich wür­de jeder­zeit eine Peti­ti­on unter­schrei­ben, wel­che den Titel trägt: »Mamis und Papis, die ihren Mund auf­ma­chen, um über Ten­nis zu spre­chen, wer­den sofort vom Gelän­de eskor­tiert!« Um mei­ne Gedan­ken zu sor­tie­ren, emp­feh­le ich fol­gen­de drei Pha­sen: vor einem Match, wäh­rend einer Par­tie und nach einer Begegnung.

Das Bild ist fast immer iden­tisch: Das Kind steht kurz vor sei­nem Ein­satz. Es ist mehr oder weni­ger  ner­vös und freut sich (hof­fent­lich!) auf sein Spiel. Mami oder Papi neh­men ihr Kind noch ein­mal zur Sei­te und mit­un­ter rich­tig schön in die Man­gel: „Regel­mä­ßig trin­ken!” -„Bewe­ge Dei­ne Bei­ne!” — „Immer schön ruhig blei­ben!” — „Spiel hoch auf die Rück­hand!” — „Schmeiß nicht wie­der Dei­nen Schlä­ger!” — und so wei­ter, und so weiter…

Lie­be Eltern, glaubt ihr im Ernst, davon kommt etwas bei Eurem Kind an? Ist das über­haupt Eure Auf­ga­be? Ist das sinn­voll? Mei­ne kla­re Ant­wort: DREI MAL NEIN! Ers­tens: Das Kind soll­te alle die­se Tools mit einer gewis­sen Nor­ma­li­tät beherr­schen. Dafür wird Euer Ten­nis­trai­ner bezahlt: Somit ganz klar: SEIN Res­sort! +++ Zwei­tens: Eure Mono­lo­ge kom­men im Kopf Eures Kin­des garan­tiert nicht an, das ist erwie­sen. Selbst wenn Euer Kind aus Rou­ti­ne und Anstand brav mit dem Kopf nickt. +++ Drit­tens: Wir wol­len doch, dass unser Nach­wuchs irgend­wann (lie­ber frü­her als spät) lernt, eigen­stän­dig und selbst­be­wusst zu agie­ren, Wider­stän­de anzu­pa­cken und mit posi­ti­ver Ener­gie zu lösen, nicht nur auf dem Ten­nis­platz. Dazu müs­sen wir zulas­sen, dass sie ihre Erfah­run­gen sel­ber machen. Auch und vor allem die negativen!

Wel­ches Übungs­feld wäre da bes­ser geeig­net, als die ers­ten Jah­re auf dem Ten­nis­platz?! Gut agiert, gewon­nen! Feh­ler gemacht, ver­lo­ren… aber an Erfah­rung gewon­nen! WIN-WIN! Der rich­ti­ge Satz, bevor Euer Kind in das Match geht, ist nicht: „Ich wün­sche Dir viel Glück!” — Euer Kind braucht kein Glück. Matches wer­den nicht durch Glück gewon­nen. „Gib Dein Bes­tes!” — FALSCH! Kin­der geben, wenn sie sich auf eine Auf­ga­be freu­en, ganz intui­tiv ihr Bes­tes! Die rich­ti­ge Ansa­ge wäre: „Schatz, hab Spaß!” —  alles gesagt. Pro­biert es aus, es wirkt!

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