Sorgen um Roger

Von Christoph Kellermann.

Moin, moin, liebe Tennisfreunde! Kaum zu glauben, aber: mit den US Open steht das letzte Grand-Slam-Event des Tennisjahres 2019 bereits unmittelbar bevor… Wie schnell diese Tennissaison an uns vorbeigerauscht ist. Wahnsinn! Cincinnati läuft aktuell und während der Serbe Novak Djokovic seine bärenstarke Form auch nach seinem Wimbledonsieg und dem wohlverdienten Urlaub ganz offensichtlich weiter aufrecht erhalten kann und der Weg zum Titel wohl auch bei den US Open nur über ihn führen wird, nagt der »Maestro« an seinem ganz persönlichen Wimbledon-Trauma. Zwei Matchbälle leichtfertig vergeben, den neunten Titel an der Church Road im Tiebreak des fünften Satzes hergeschenkt. Noch dazu gegen seinen ungeliebten Rivalen aus Serbien. Ich denke, dieses Desaster wird der Schweizer niemals ablegen können, da kann er erzählen, was er will. In Cincy verlor er gestern gegen den Russen Andrey Rublev. 3:6, 4:6. Eine Niederlage, die er so praktisch nie erfährt. Blutleer, ohne Feuer in Herz und Augen. Er nahm die Niederlage einfach so hin. Auch dies ist selbstverständlich Federer-untypisch. Um ehrlich zu sein: ich sorge mich um Roger und bin sehr gespannt auf seinen Auftritt in New York.

Um Angelique Kerber und Alexander Zverev, unsere beiden deutschen Nummer Einsen, sorge ich mich hingegen längst nicht mehr. Ich leide auch nicht mehr mit. Ich nehme nur noch zur Kenntnis. Beide irren absolut planlos auf der großen, weiten Tour umher und lassen sich gefühlt widerstandslos durchreichen. Beide trennten sich von ihren Coaches und haben keine Idee, wer sie in Zukunft wieder nach oben führen kann. Das ist für mich absolut unverständlich. Und beide stehen sich gewissermaßen selbst im Weg, scheinen untrainierbar. Während die Coaches bei Kerber an derem egozentrischen Verhalten abprallen, wird im familiären Zverev-Geflecht wohl kein Coach von Welt und Klasse seinen Platz finden. Zverev, amtierender Weltmeister und einst völlig zurecht als erster Kandidat für die Nachfolge der »Big Three« gehandelt, wird aktuell von den Kollegen seiner »Next generation« links und rechts überholt und um die dreifache (!) Grand-Slam-Siegerin Kerber zu schlagen, braucht es aktuell wenig Klasse. Ein wenig Freude über dieses dankbare Los sowie ein wenig Selbstverstrauen reichen schon aus. Das ist erschreckend. Und gleichermaßen auch traurig.

August 2019 · Photocredit: Jürgen Hasenkopf