Thassilo Haun
© Thassilo Haun

Userfrage: „Hallo Herr Haun! Ich denke, das ist ziemlich einmalig, dass sich jemand kostenlos in den Dienst der Vereine und Trainer stellt. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg für diese neue Aufgabe und würde Ihre Kompetenz dann auch gleich mal in Anspruch nehmen. Als Verein überlegen wir, die Trainingsarbeit in die Hände einer Tennisschule zu legen. Bislang wurde der Unterricht vollständig von einem älteren Vereinsmitglied abgedeckt. Dieses verdiente Mitglied steht uns allerdings aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zur Verfügung. Wir diskutieren gerade innerhalb des Vorstandes, ob wir einen einzelnen Trainer auf freiberuflicher Basis bei uns arbeiten lassen oder alles en bloc in die Hand einer Tennisschule legen. Wie sind Ihre Erfahrungen diesbezüglich? In Punkto Tennisschule haben wir ein wenig Angst, dass wir vermutlich nie genau wissen, wer unsere Mitglieder Woche für Woche trainiert. Unser Verein hat 380 Mitglieder, darunter 116 Kinder und Jugendliche und zahlreiche Mannschaften. Bedingt durch die aktuelle Krisenlage und das allgemeine Tennisverbot haben wir Gott sei Dank etwas Zeit, eine weitsichtige Entscheidung zu treffen. Vielen Dank für Ihre Mühen!“

Hallo Bernhard!

Vielen Dank für Ihre Kontaktaufnahme! Es ist toll, wenn verdiente Mitglieder den Unterricht vollständig abdecken können, da dies heutzutage nicht mehr so oft zu finden ist. Die Trainingsarbeit nun in ebenso zuverlässige und empathische Hände zu legen, ist eine Aufgabe, die nicht immer leicht zu lösen ist. Ob Sie sich für einzelne Trainer auf freiberuflicher Basis entscheiden oder für eine Tennisschule, die alles »en bloc« erledigen soll, ist für Sie als Verein in meinen Augen im ersten Schritt das gleiche »Risiko«. Da der Begriff »Tennisschule« nicht geschützt ist, kann sich auch ein »Solist« so nennen. Dies nur der Vollständigkeit halber.

Bei einem einzelnen Trainer (einem Solounternehmer sozusagen) wissen Sie, wer von Woche zu Woche ihre Mitglieder trainieren wird. Das wäre der Vorteil. Sie wissen aber auch, dass im Falle von Krankheit oder anderen Umständen (erstmal) möglicherweise kein Training stattfinden wird, da dieser Solist normalerweise keinen dauerhaften Ersatz liefern kann und/oder liefern wird. Dies wäre der Nachteil. Hier ist es aber wie bei einem guten Handwerker, den Sie für Malerarbeiten gebucht haben: ist er krank, muss der vereinbarte Termin verschoben werden. Im Falle von Malerarbeiten wird dies in den allermeisten Fällen machbar sein, denn Sie wünschen genau diesen Maler. Im Falle von Sommertraining wird dies so sicherlich nicht so einfach machbar sein. Ruck zuck sind die wenigen nicht verregneten Wochen vorbei, der Herbst steht vor der Tür, die Freiplätze schließen und die Wintersaison soll ohne Trainingsrückstand starten.

Bei einem einzelnen Trainer steht und fällt es immer mit der jeweiligen Person, die vor Ihnen steht und der sie das Vertrauen aussprechen. Neben fachlichen Qualifikationen könnte ein gutes Indiz für Sie ein vollständiger Lebenslauf sein und/oder Tätigkeitsnachweise aus vorherigen Vereinsstationen. Wenn ich Vereinsvorstand wäre, so würde ich immer den Hörer in die Hand nehmen und telefonisch nachfragen, wie es denn tatsächlich gelaufen ist. Papier ist geduldig und manche Tätigkeitsnachweise geben, wie in vielen anderen Branchen, nicht immer vollumfänglich wider, was tatsächlich gelaufen ist. Im persönlichen Gespräch erfahren sie vielleicht die Details, die wichtig sind.

»Super-Solisten« und »Im-Stich-Lasser«…

In knapp 20 Jahren habe ich »super Solisten« kennengelernt, die nie krank waren, die immer motiviert waren und – wie ihr verdientes Mitglied – viele Jahre einfach »da« waren. Sie setzen sich am Wochenende für zwei Getränke und ein warmes Essen einen ganzen Tag auf die Bank und helfen den Mannschaftsspielern, helfen beim Arbeitseinsatz oder schenken beim Clubfest Getränke mit aus. Bei dieser Gruppe von Trainern war es für mich nie entscheidend, welche Lizenz oder Ausbildung sie hatten. Sie liebten ihren Job und das hat alles andere überstrahlt. Leider habe ich auch »suboptimale Solisten« kennengelernt, die so ganz anders waren und Vereine im Stich gelassen haben, wenn es darauf ankam. Hilfe beim Punktspiel? „Nö.” Hier mal was nachholen? „Schlecht.” Abends mal eine Stunde länger bleiben? „Keine Zeit.”

Eine »echte« Tennisschule mit mindestens zwei dauerhaft für Ihren Verein abgestellten und somit seitens der Tennisschule zwei fest eingeplanten Trainern für Ihren Verein würde hier mehr Sicherheit bieten. Wenn der eine Trainer ausfällt, kann der andere abfangen und/oder übernehmen – je nach Gesamtstundenaufkommen und trainerinterner Stundenverteilung. Auch wüssten Sie und die Mitglieder genau, dass nur diese beiden Trainer von Woche zu Woche das Training durchführen werden. All das wären hiermit verbundene (theoretische) Vorteile. Dieses Modell wird aber in der Regel nicht möglich sein, da ein Verein mit 380 Mitgliedern und 116 Jugendlichen in der Regel nicht so viel Trainingsnachfrage vorzuweisen hat, dass der Verein per Vertrag zwei Trainer parallel und annähernd in Vollzeit Sommer wie Winter auslasten kann. In Ihrem konkreten Fall läuft es möglicherweise auf das Modell hinaus, dass ein Haupttrainer den Löwenanteil der Stunden übernimmt und sich tageweise von Trainern, die er persönlich kennt und/oder die aus dem Umfeld des Vereins kommen (Jugendliche, die in der Mannschaft spielen und/oder angehende C-Trainer sind) unterstützen lassen wird. Im Sommer mehr, im Winter weniger.

Die »super Tennisschulen«…

Ich habe »super Tennisschulen« kennengelernt, die auf eine maximale Trainings-Qualität auf dem Platz und eine faire Bezahlung ALLER Trainer im Team geachtet haben. Solche Tennisschulen sind wertvolle Partner von Vereinen, werden zu Recht mit langfristigen Verträgen ausgestattet und können meistens ganzjährig in mittleren bis größeren Vereinen arbeiten. Die leitenden Trainer haben ein gutes Konzept, welches mit dem Verein abgestimmt wurde. Sie sind sehr gut ausgebildet, kommunikativ und organisiert. Alles hat Hand und Fuß. Regelmäßige Fortbildungen inklusive. Und auch die Assistenztrainer (A-Trainer, B-Trainer, C-Trainer, Übungsleiter, etc.) verdienen zu Recht gutes Geld und sind langfristig Teil des Teams.

Die »kommerziellen« Tennisschulen…

Gleichzeitig gibt es »kommerzielle Tennisschulen«, deren Chef(s), aus ihrer Sicht wirtschaftlich nachvollziehbar, vorrangig auf den bestmöglichen Gesamtverdienst schauen. Der Gesamtverdienst setzt sich aus dem direkten Verdienst der eigenen Stunden und dem indirekten Verdienst der Stunden, die die Assistenztrainer geben, zusammen. In nicht wenigen Fällen wird den assistierenden Trainern im Team daher deutlich weniger ausgezahlt, als es auf Basis der Qualifikation des Assistenztrainers möglich oder gar gerechtfertigt wäre. Hinzu kommt, dass manche Trainer, auch wenn sie gut ausgebildet sind, manchmal in der Situation sind, dass sie auch schlecht bezahlte Stunden akzeptieren müssen, da sie finanziell darauf angewiesen sind. Wer unter Druck steht, kann nicht so arbeiten, wie er will und kann. Auch Tennistrainer, die unter Druck stehen, können nicht so arbeiten, wie sie es mal gelernt haben oder es gerne machen würden. Dies ist absolut nachvollziehbar. Aber unglückliche Trainer werden den Mitgliedern und auch dem Vorstand auf lange Sicht nicht gefallen und dem Verein auch nicht helfen, nachhaltig zu wachsen. Häufige Personalwechsel können bei solchen Tennisschulen ein Indiz dafür sein.

Ich drücke Ihnen die Daumen, dass Sie eine gute und intelligente Lösung für Ihren Verein finden. Bitte wenden Sie sich erneut an mich, wenn sich weitere Fragen ergeben sollten.

Thassilo Haun

Hast auch DU eine Frage?

» FRAG Thassilo   » Thassilos ARCHIV

Thassilo Haun ist ein echter »Tausendsassa«. Bundesligaspieler, DTB-A-Lizenz-Tenniscoach, Jura-Student, Bankkaufmann sowie Privatkunden- und Existenzgründungsberater. Für unser Portal »Tennisredaktion.de« steht Thassilo als Teil des Kompetenz-Teams für den Bereich »Vereins- und Trainerberatung« kostenlos Rede und Antwort.

www.vereins-und-trainerberatung.de