»Soft-Skills« nicht messbar

Von Stephan Medem.

Ein User schrieb mir: „Hallo Herr Medem. Ich habe Ihren Elternratgeber gelesen und muss sagen, dass ich schon viele Ihrer Tipps in meine Arbeit als Jugendwart einbringen konnte. Man sieht manche Situationen nach Lesen Ihres Buches doch aus einem völlig anderen Blickwinkel. Gratulation dazu. Hier meine beiden Fragen. Erstens: Wie kann ich als Jugendwart, der ja den Vereinsvorstand vertritt, im Vorfeld, sprich: im Bewerbungsgespräch, merken oder herausfinden, ob eine Trainerin oder ein Trainer die von Ihnen beschriebenen Eigenschaften im Bezug auf den richtigen sozialen Umgang mit den Kindern mitbringen wird, oder nicht? Sollte sie oder er diesbezüglich spezielle Qualifikationen vorlegen können? Und zweitens: ist eine Fortsetzung, sprich: ein zweiter Teil des Elternratgebers angedacht? Würde mich und sicherlich viele andere Leser sehr freuen…“

Hallo Silvio! Ich freue mich sehr, dass mein Buch »Ich WILL nach Wimbledon!« für Deine Arbeit als Jugendwart hilfreich war! Einen zweiten Teil habe ich momentan noch nicht auf dem Bildschirm, da ich detailliertes und individualisiertes Wissen zu diesem Thema besser in meinen Eltern-Workshops verpacken kann. »Wie kann ich einen guten von einem schlechten Tennistrainer unterscheiden?« ist schon eine etwas komplexere Frage. Leider gibt Dir darauf eine Qualifikation im Sinne eines A-, B- oder C- Trainerscheines keine ausreichende Hilfestellung. Etwa genauso wenig wie bei einem Lehrer, der zwar einen Hochschulabschluss vorweisen kann, deswegen jedoch nicht unbedingt ein guter Pädagoge oder »Kinderflüsterer« sein muss. »Soft-Skills« sind leider – oder glücklicherweise – nicht messbar. Wenn Du Dich mit einem potentiellen Trainer zusammensetzt, dass du ein gutes Bauch- und Herzgefühl dabei empfindest. Sehr hilfreich ist es darüber hinaus auch, erst einmal eine Probezeit zu vereinbaren um festzustellen, wie sich die Chemie zwischen dem »Neuen« und Deinen Jugendlichen anfühlt. Sie muss von Anfang an stimmen. Ein »Guter« wird immer in der Lage sein, seine Schüler sofort dort abzuholen, wo sie sich befinden. Er wird sofort in der Lage sein, ehrliche Empathie für seine Schüler zu empfinden sowie natürlich auch Begeisterung und Leidenschaft für unseren wunderbaren Sport zu entfachen und am flackern zu halten.

Dezember 2019 · Photocredit: Tennisredaktion.de