So tickt die »Kämpfer-Natur«

Unter »Kämpfer-Natur« man einen Menschen mit den folgenden Eigenschaften: Willensstark, motiviert, gibt nicht auf, hält durch, beißt sich durch, gibt alles, hat ein hohes Selbstvertrauen, versucht stets sein bestes, verausgabt sich. Daraus folgt, dass mentale Stärke (Kämpfer-Natur), durch eine Kombination von Motivation und Konzentration erreicht wird. Der mental starke Spieler verhält sich im Turnier hoch motiviert und hoch konzentriert. Und er bleibt auch bei eventuell auftretenden Problemen in diesem optimalen Leistungszustand. Er bleibt mental stark, weil er sich selbst nach Niederlagen wieder motivieren kann, weil er weiß, wie er nach einem Verlust der Konzentration wieder zur optimalen Konzentration findet. Mentale Stärke beruht auf der tiefen Überzeugung, es drauf zu haben, egal wie schlecht es im Match um einen steht. Der bekannte Sport-Psychologe James E. Loehr definiert es wie folgt: „Mentale Stärke ist die Fähigkeit, sich ungeachtet der Wettkampfbedingungen an seiner oberen Leistungsgrenze zu bewegen“.

Da die Wettkampfbedingungen durch ihren Prüfungs-Charakter eine zusätzliche Belastung für den Sportler darstellen, bedarf es mentaler Stärke, um diese Bedingungen quasi zu neutralisieren und damit in einen optimalen Leistungszustand zu gelangen. Es scheint tatsächlich so zu sein, dass die Wettkampfsituation eine Leistungsmindernde Wirkung auf den Sportler hat. Ob wir unsere im Training angeeignete Leistung im Wettkampf wiederholen können, hängt vor allem davon ab, inwieweit wir davon überzeugt sind, diese Leistung zu beherrschen. Der Glaube an sich selbst entsteht aus der Überzeugung, hart trainiert zu haben und dem genauen Wissen um die eigenen Stärken. Und es muss dem Sportler bewusst sein, dass das Leben selbst bei einem totalen Versagen weiter geht, dass Siege genauso zum Sport dazu gehören wie Niederlagen. Nur derjenige der auch Niederlagen erlebt und weg gesteckt hat, hat auch wirklich Siege verdient. „Misserfolg ist immer ein Bestandteil des Erfolges“ (Erik Weihenmayer, der als Blinder die sieben welthöchsten Berggipfel bestieg).

Tipps zur Förderung der realistischen Selbsteinschätzung

Bestimmte Übungen werden systematisch immer auf die gleiche Weise durchgeführt, die Ergebnisse notiert, in eine Erfolgstabelle eingetragen und regelmäßig überprüft. Für Dich als Tennisspieler können das 20 Aufschläge innerhalb von 7 Minuten sein. Du legst Dir 20 Bälle an die Grundlinie und schlägst wie im Match auf. Lass Dir dabei die erlaubten 20 Sekunden Zeit, konzentriere Dich. Dein Trainer sagt Dir jeweils die verbleibende Zeit an und zählt die Erfolgstreffer laut mit. Gezählt werden alle Schläge, die in einem markierten Feld landen. Dann markierst Du ein neues Ziel, stellst die Ballmaschine ein und schlägst 20 x die Vorhand Topspin cross. Dafür hast Du zwei Minuten Zeit. So gehst Du mit allen Deinen Schlägen vor. Zusätzlich kannst Du die Zeiten Deiner Sprints stoppen oder eine festgelegte Strecke beim Joggen. Die jeweiligen Daten trägst Du in Deine Erfolgstabelle ein. Die Überprüfung deiner persönlichen Leistungssteigerung sollte spätestens alle vier Wochen erfolgen, aber auch vor und nach einem Trainingslager, um hier zeitnah die Erfolge festzustellen. Außerdem kannst Du Deine Konzentrationsfähigkeit steigern, indem Du die Übung aus meinem vorletzten Beitrag machst und immer wieder die dafür benötigte Zeit notierst. Wichtig ist, dass Deine Übungen immer nach dem gleichen System ablaufen, damit sie auch vergleichbar sind. Die Kontrollen müssen über einen langen Zeitraum erfolgen um aussagekräftig zu sein. Nach einiger Zeit kann dann der Schwierigkeitsgrad der Übungen gesteigert werden (z.B. mehr Schläge in weniger Zeit). Das erhöht wieder den Reiz. Eine noch größere Herausforderung ist das Ansagen der geschätzten eigenen Leistung. Sage dem Trainer vor Beginn der Übung was Du glaubst, heute für ein Ergebnis zu erreichen. Das fördert die realistische Selbsteinschätzung!

Autorin: Brigitte Neumann
Photocredit: Jürgen Hasenkopf
Februar 2019 · © Tennisredaktion.de