So tickt die »Kämpfer-Natur«

Rafael Nadal
© Hasenkopf

Unter »Kämp­fer-Natur« man einen Men­schen mit den fol­gen­den Eigen­schaf­ten: Wil­lens­stark, moti­viert, gibt nicht auf, hält durch, beißt sich durch, gibt alles, hat ein hohes Selbst­ver­trau­en, ver­sucht stets sein bes­tes, ver­aus­gabt sich. Dar­aus folgt, dass men­ta­le Stär­ke (Kämp­fer-Natur), durch eine Kom­bi­na­ti­on von Moti­va­ti­on und Kon­zen­tra­ti­on erreicht wird. Der men­tal star­ke Spie­ler ver­hält sich im Tur­nier hoch moti­viert und hoch kon­zen­triert. Und er bleibt auch bei even­tu­ell auf­tre­ten­den Pro­ble­men in die­sem opti­ma­len Leis­tungs­zu­stand. Er bleibt men­tal stark, weil er sich selbst nach Nie­der­la­gen wie­der moti­vie­ren kann, weil er weiß, wie er nach einem Ver­lust der Kon­zen­tra­ti­on wie­der zur opti­ma­len Kon­zen­tra­ti­on findet. 

Brigitte Neumann
© Neu­mann

Men­ta­le Stär­ke beruht auf der tie­fen Über­zeu­gung, es drauf zu haben, egal wie schlecht es im Match um einen steht. Der bekann­te Sport-Psy­cho­lo­ge James E. Loehr defi­niert es wie folgt: „Men­ta­le Stär­ke ist die Fähig­keit, sich unge­ach­tet der Wett­kampf­be­din­gun­gen an sei­ner obe­ren Leis­tungs­gren­ze zu bewe­gen“. Da die Wett­kampf­be­din­gun­gen durch ihren Prü­fungs-Cha­rak­ter eine zusätz­li­che Belas­tung für den Sport­ler dar­stel­len, bedarf es men­ta­ler Stär­ke, um die­se Bedin­gun­gen qua­si zu neu­tra­li­sie­ren und damit in einen opti­ma­len Leis­tungs­zu­stand zu gelan­gen. Es scheint tat­säch­lich so zu sein, dass die Wett­kampf­si­tua­ti­on eine Leis­tungs­min­dern­de Wir­kung auf den Sport­ler hat. Ob wir unse­re im Trai­ning ange­eig­ne­te Leis­tung im Wett­kampf wie­der­ho­len kön­nen, hängt vor allem davon ab, inwie­weit wir davon über­zeugt sind, die­se Leis­tung zu beherr­schen. Der Glau­be an sich selbst ent­steht aus der Über­zeu­gung, hart trai­niert zu haben und dem genau­en Wis­sen um die eige­nen Stär­ken. Und es muss dem Sport­ler bewusst sein, dass das Leben selbst bei einem tota­len Ver­sa­gen wei­ter geht, dass Sie­ge genau­so zum Sport dazu gehö­ren wie Nie­der­la­gen. Nur der­je­ni­ge der auch Nie­der­la­gen erlebt und weg gesteckt hat, hat auch wirk­lich Sie­ge ver­dient. „Miss­erfolg ist immer ein Bestand­teil des Erfol­ges“ (Erik Wei­hen­may­er, der als Blin­der die sie­ben welt­höchs­ten Berg­gip­fel bestieg).

Rea­lis­ti­sche Selbsteinschätzung

Bestimm­te Übun­gen wer­den sys­te­ma­tisch immer auf die glei­che Wei­se durch­ge­führt, die Ergeb­nis­se notiert, in eine Erfolgs­ta­bel­le ein­ge­tra­gen und regel­mä­ßig über­prüft. Für Dich als Ten­nis­spie­ler kön­nen das 20 Auf­schlä­ge inner­halb von 7 Minu­ten sein. Du legst Dir 20 Bäl­le an die Grund­li­nie und schlägst wie im Match auf. Lass Dir dabei die erlaub­ten 20 Sekun­den Zeit, kon­zen­trie­re Dich. Dein Trai­ner sagt Dir jeweils die ver­blei­ben­de Zeit an und zählt die Erfolgs­tref­fer laut mit. Gezählt wer­den alle Schlä­ge, die in einem mar­kier­ten Feld lan­den. Dann mar­kierst Du ein neu­es Ziel, stellst die Ball­ma­schi­ne ein und schlägst 20 x die Vor­hand Top­spin cross. Dafür hast Du zwei Minu­ten Zeit. So gehst Du mit allen Dei­nen Schlä­gen vor. Zusätz­lich kannst Du die Zei­ten Dei­ner Sprints stop­pen oder eine fest­ge­leg­te Stre­cke beim Jog­gen. Die jewei­li­gen Daten trägst Du in Dei­ne Erfolgs­ta­bel­le ein. Die Über­prü­fung dei­ner per­sön­li­chen Leis­tungs­stei­ge­rung soll­te spä­tes­tens alle vier Wochen erfol­gen, aber auch vor und nach einem Trai­nings­la­ger, um hier zeit­nah die Erfol­ge fest­zu­stel­len. Außer­dem kannst Du Dei­ne Kon­zen­tra­ti­ons­fä­hig­keit stei­gern, indem Du die Übung aus mei­nem vor­letz­ten Bei­trag machst und immer wie­der die dafür benö­tig­te Zeit notierst. Wich­tig ist, dass Dei­ne Übun­gen immer nach dem glei­chen Sys­tem ablau­fen, damit sie auch ver­gleich­bar sind. Die Kon­trol­len müs­sen über einen lan­gen Zeit­raum erfol­gen um aus­sa­ge­kräf­tig zu sein. Nach eini­ger Zeit kann dann der Schwie­rig­keits­grad der Übun­gen gestei­gert wer­den (z.B. mehr Schlä­ge in weni­ger Zeit). Das erhöht wie­der den Reiz. Eine noch grö­ße­re Her­aus­for­de­rung ist das Ansa­gen der geschätz­ten eige­nen Leis­tung. Sage dem Trai­ner vor Beginn der Übung was Du glaubst, heu­te für ein Ergeb­nis zu errei­chen. Das för­dert die rea­lis­ti­sche Selbsteinschätzung!

    » Bri­git­tes bis­he­ri­ge Beiträge…