Schuss in den Ofen

Das war der berühmte »Schuss in den Ofen«. Eine Woche vor dem WM-Finale Erfolgstrainer Wim Fissette gefeuert, dann vollmundig nach Singapur gereist, um dort in keiner der drei Gruppenspiele auch nur annähernd überzeugen zu können und nebenher auch über einen möglichen Triumph nächstes Jahr in Paris schwadroniert. Peinlich-Pleite gegen Kiki Bertens, ein Würge-Sieg gegen eine angeschlagene Naomi Osaka und zum Abschluss eine ordentliche Klatsche gegen Sloane Stephens – so die magere Bilanz der Kielerin, die in Singapur nichts zu melden hatte. Jetzt sei Angelique Kerber froh, endlich ausspannen zu können. Dabei hatte man das Gefühl, sie weile schon seit Wimbledon im Urlaub. Kein einziges Viertelfinale seit dem Grand-Slam-Erfolg an der Church Road und dennoch im Computer bis auf Rang Zwei geklettert. Das sagt eigentlich alles über das aktuelle sportliche Niveau der WTA-Tour aus.

Solche Leistungen werden dennoch mit Millionen von Dollar belohnt. Unfassbar. Das Dollste aber: im kommenden Jahr soll das Preisgeld für den alljährlichen Showdown der »besten« acht Damen Medienberichten zufolge auf knapp 14 Millionen US-Dollar verdoppelt werden. Ort des professionellen Ball-Geschubses für die ach so ausgelaugten Mädels ab dem kommenden Jahr ist übrigens das chinesische Shenzhen. Sechs von den gestressten acht Damen werden dann erst einmal seufzen, dass sie soweit reisen müssen. 乾杯 (Prost).

 

Autor: Christoph Kellermann
Photocredit:
Jürgen Hasenkopf

Oktober 2018 · © tennisredaktion.de