Schleichende Wachablösung

Die Wachablösung im Herrentennis kommt schleichend, sehr schleichend. Aber sie kommt. Beim letzten Masters-Turnier des Jahres, dem Rolex Paris Masters, sorgte diesmal der Russe Karen Khachanov im Finale für eine handfeste Überraschung, als er die neue Nummer Eins der Tenniswelt, Novak Djokovic, in zwei Sätzen mit 7:5, 6:4 bezwingen konnte.

Djokovic, der in den vergangenen Monaten mit Turnier-Siegen in Wimbledon, Cincinnati, bei den US Open sowie in Shanghai eine Wahnsinns-Serie hinlegen und dadurch völlig verdient Platz Eins im Computer zurückerobern konnte, rang in Paris zwar den Kroaten Marin Cilic und den Schweizer Roger Federer in die Knie, musste sich am Ende aber einem ambitionierten Mitglied des »Next-Gen-Star-Ensembles« geschlagen geben. Khachanov selbst fegte Alexander Zverev im Viertelfinale mit 6:1, 6:2 vom Platz und hatte im Palais Omnisports generell von Runde Eins an nur Gegner der Extraklasse: Filip Krajinovic (Serbien), Matthew Ebden (Australien), John Isner (USA), Alexander Zverev (Hamburg), Dominic Thiem (Österreich) und eben den Serben Novak Djokovic. Interessant hierbei ist, dass Khachanov nur einmal über drei Sätze gehen musste – nämlich im Achtelfinale gegen Aufschlagspezialist John Isner. Ganz ehrlich? Auch wenn ich ein großer Fan der alten Garde bin, so wünsche ich mir im Herrentennis doch langsam eine Wachablösung und frischen Wind – schlichtweg mehr Abwechslung. Die Dominanz der Herren Federer, Nadal und Djokovic über so viele Jahre hinweg war irgendwie schon sehr erdrückend. Aus vielen Gesprächen mit Tennisfans hört man heraus, dass die Zverevs, Chungs, Khachanovs, Tsitsipas, Corics, Thiems und Shapovalovs so langsam in diese Phalanx eindringen dürften.

 

Autor: Christoph Kellermann
Photocredit:
Jürgen Hasenkopf

November 2018 · © tennisredaktion.de