David Haggerty
© Jürgen Hasenkopf

Liebe Tennisfreunde!

Seit Jahrzehnten verliert die »International Tennis Federation« (ITF) an Bedeutung. Mittlerweile ist die ITF im internationalen Profitennis nur noch eine Lachnummer. Der verzweifelte Versuch, mit dem »Kosmos-Davis-Cup-Deal« einen großen Wurf zu landen, sieht eher nach einem Desaster für die ITF aus. Und die missglückte WTT-Reform 2019 hat den letzten Kredit bei den Spielern(innen) gekostet. Heute steht die ITF im Abseits, wenn man vom internationalen Profi-Tennis spricht. Einzig die Jugendarbeit, Padel, Beach Tennis und Seniorentennis sind übrig geblieben. Im Bereich Ausbildung gibt die ITF ebenfalls ein schwaches Bild ab. PTR, GPTCA und andere sind hier weit voraus. Das hat seine Gründe. Und der Weg in die Bedeutungslosigkeit ist selbst verschuldet. Lange Zeit hat man die Zeit verschlafen und dachte, man können mit den Spielerinnen und Spielern nach »Gutsherrenart« umspringen. Irgendwann war der Bogen überspannt und die Spieler organisierten sich selbst. Die Gründung der ATP und der WTA resultierten daraus. Soweit zur Geschichte.

David Haggerty
© Jürgen Hasenkopf

ITF springt nicht weit genug

Jetzt versucht die ITF, einen Schritt auf die Spieler zuzugehen. Diesen Monat verkündete man die Gründung eines »Spieler Panels«. Dort dürfen von den Spielern gewählte Vertreter ihre Meinung kundtun. Die dann an ein Komitee von einem ITF ernannten Chairmans weitergegeben werden sollen. Und das Komitee wird dann dem Board seine Meinung kundtun. Und das entscheidet dann. Na ja, das ist zu kurz gesprungen, das ist nicht weiter, als eine »Alibi-Athleten-Vertretung«. Wenn die ITF nicht erkennt, dass man die Spieler- und Athleten-Beteiligung ernsthaft braucht, dann wird die ITF weiterhin so bedeutungslos bleiben. Im Tennis ist der Weltverband einer der Schwächsten aller Sport-Weltverbände. Das sollte nicht so sein. Aber das wird sich nur ändern, wenn die ITF sich ändert.

Lösungsvorschlag

Die ITF sollte : je einen direkt gewählten Vertreter bei den Herren und Damen aus dem Profi-Bereich (erste 200 ATP, bzw. WTA) mit Stimmrecht in das jetzige ITF-Board mit 18 Vertretern aufnehmen. Und je einen direkt von den Spielern(innen) gewählten Vertreter der Damden und Herren aus der »WTT Tour«, die Futures spielen, ab Position 200 ATP/WTA. Dann hätten die Athleten ca. 20 Prozent der stimmberechtigten Board-Vertreter und eine wichtige Stimme. Und die ITF würde auch wieder zur Organisation der Föderationen und Spieler(innen). Dann kann die ITF wieder zu dem werden, was notwendig ist. Ein starker Weltverband, der Motor ist, um Tennis nach vorne zu bringen. Und das Profitennis sollte dann unter dem Dach der ITF von Profis so organisiert werden, dass die dort erwirtschafteten Gelder der ganzen Tennis-Gemeinde zugute kommen und nicht von wenigen vereinnahmt werden.

Beispiel »Fußball«

Wenn man wissen möchte, wie ein Erfolgsmodell aufgebaut ist, dann sollte man auf den Fußball schauen. Die erzielten Gewinne einer Weltmeisterschaft werden auf alle Nationen verteilt. Um sicher zu stellen, dass alle vom Kuchen partizipieren. Und damit Fußball sich als Sportart weiterentwickelt. Auch national verwaltet sich die Fußball-Bundesliga selbst. Aber unter dem Dach des DFB. Und Erlöse aus dem Profi-Fußball kommen auch an der Basis an. Nur so kann die Basis funktionieren. Es kann nicht sein, dass die Vereine die Jugend- und Breitensportarbeit betreiben und die Erfolge dann wiederum anderen zu Gute kommen.

Euer Dirk Hordorff