Rafa weiß, was er kann!

Rafael Nadal
© Hasenkopf

Fra­ge an Bri­git­te Neu­mann: Lie­be Frau Neu­mann, ich bin 17 Jah­re alt und ein gro­ßer Nadal-Fan. Ich fra­ge mich, wie man in einem so gro­ßen Fina­le wie am 2020 in Paris, men­tal so stark sein kann? Ich bewun­de­re das sehr und wür­de auf die­sem Gebiet ger­ne eben­so stark wer­den. Ich las, dass Sie ver­schie­de­ne Spit­zen­sport­ler in die­ser Hin­sicht betreu­en. Wie arbei­tet ein Super­star wie Rafa an sei­ner Psy­che und wie lan­ge dau­ert es, ein sol­ches Niveau zu erreichen?

Brigitte Neumann
© Neu­mann

Bri­git­te Neu­mann: »Eigent­lich« ein­fach: Rafa weiß, was er kann und was er braucht, um mög­lichst per­fekt Ten­nis zu spie­len! Rafa hat durch sein pro­fes­sio­nel­les Umfeld früh gelernt, was zum Leben als Pro­fi dazu­ge­hört: gute Aus­bil­dung in Tak­tik, Tech­nik und Kör­per, exzel­len­tes Mate­ri­al und die rich­ti­gen Men­schen um ihn her­um. Aber auch ein Gefühl der Sicher­heit, wenn’s »um die Wurst« geht. Auch ein Nadal hat Ängs­te, Befürch­tun­gen und men­ta­le Schwie­rig­kei­ten. Aller­dings hat er die aus­spre­chen dür­fen und sei­ne ganz indi­vi­du­el­len Ritua­le ent­wi­ckelt, die er nutzt, um wäh­rend des Matches sei­ne Ruhe und den Fokus zu hal­ten. Ver­mut­lich hat kei­ner in sei­nem Team gelacht, als er die­ses Zup­fen an Nase und Ohren ent­wi­ckelt hat, um sich gut zu füh­len. Auch die Stel­lun­gen sei­ner Fla­schen bezeu­gen ihm beim Sei­ten­wech­sel: »Alles ist OK!” Das wirkt nach drau­ßen merk­wür­dig, ist aller­dings das, was für ihn das Bes­te ist. Wie lan­ge eine sol­che Ent­wick­lung der men­ta­len Stär­ke dau­ert, ist unter­schied­lich und hängt von den Anfor­de­run­gen ab. Fin­de her­aus, was Du rea­lis­tisch kannst. Erwar­te nicht mehr von Dir, als Du aktu­ell in der Lage bist zu geben. Fin­de her­aus, wel­che Gedan­ken und Gefüh­le Dich wäh­rend eines Matches abhal­ten, Dei­ne bes­te Leis­tung zu brin­gen. Und dann suche nach Ritua­len, die Dich beruhigen.

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