Kidstennis
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Userfrage: „Hallo Herr Bezzenberger! Ich würde von Ihnen gern wissen, ab welchem Alter man im Kleinfeld mit dem generellen Spiel um Punkte beginnen sollte?! Hierbei meine ich nicht unbedingt einen echten Wettkampf oder ein Turnier, sondern mehr das »bewusste Suchen im Ballwechsel nach einer Entscheidung«. Kann bei den Kids untereinander sein oder auch mal gegen den Coach! Ich möchte meine Kids im Training nämlich nicht zu früh überfordern!“

Hallo Stefan!

Warum sind Punktabschlüsse für Kinder das Allergrößte? Punkte während eines Wettspiels oder Turniers zu erzielen, sind das Salz in der Suppe. Kinder wollen Punkte erzielen. Erfolgreiches Tennisspielen definiert sich über Punkterfolge und Erfolgserlebnisse. Jeder Trainer stimmt mit der Aussage überein, dass für Kinder das Punkteerzielen das Wesentliche im Tennis ist. Es ist somit nicht verwunderlich, wenn selbst die Jüngsten in jedem Training am liebsten um Punkte spielen. Das Erzielen eines Punktes ist das schönste Erfolgserlebnis im Tennis.

Diskrepanz: Wichtigkeit vs. Umfänge

Für jeden Nachwuchstrainer ist die Aufgabenstellung klar definiert: Kinder und Jugendliche müssen im Training so oft wie möglich Punktabschlüsse erzielen. Erstaunlich ist allerdings die Diskrepanz zwischen der Wichtigkeit, die dem Punkteabschluss im Spiel zugeschrieben wird, und den Umfängen, in denen dieser Aspekt tatsächlich trainiert wird. Die Frage nach dem »wie« sehr häufig nur unzureichend beantwortet: „Wir spielen zum Schluss des Trainings immer um Punkte“. Obwohl man sich in der Trainingspraxis im Kinderbereich nicht allzu intensiv mit dem Punktabschluss beschäftigt, erwarten die Trainer nicht selten, dass dieser im Punktspiel funktioniert, weil dies eigentlich ganz einfach ist. Es ist in der Tat sehr einfach, Punkte zu erzielen, wenn Kinder es gewohnt sind, dass der Trainer ihnen im Rahmen des immer noch viel zu häufig praktizierten Kolonnentrainings den Ball »mundgerecht« zuspielt und sie diesen nur am Trainer vorbei spielen müssen, um zum Punkterfolg zu gelangen. Punktabschlüsse sind wesentlich komplexer. Diese werden von mehreren Faktoren beeinflusst:

  • Position der Spieler im Feld
  • Distanz zum Gegenspieler
  • Winkel um ein bestimmtes Zielfeld anzuspielen

Der Trainer schafft die Rahmenbedingungen!

Die Trainer sind gefordert, sich mit den Punktabschlüssen altersgemäß zu beschäftigen, um diesen effektiv in den Trainingsprozess zu integrieren. Zunächst müssen Trainer den Kindern aktiv beibringen, wie sie überhaupt einen Punkt erzielen können. Hierzu ist es dringend erforderlich, ihnen die Tennisregeln sowie die Zählweise und taktische Feinheiten in einer kindgerechten Sprache zu vermitteln. Die Nachwuchsspieler sollten frühzeitig praxis- und spielnah erleben, wie Punkte erzielt werden können. Dabei ist der Trainer verantwortlich, einen entsprechenden Lernrahmen zu schaffen. Dieser variiert innerhalb jeder Altersklasse und Lernstufe. Die Grundsätze des Techniktrainings gelten selbstverständlich auch in der kindgerechten Vermittlung des Punktabschlusses. Da jeder Punktabschluss spielentscheidend sein kann, sollte dieser speziell trainiert werden. Jedes Kind soll vielseitige Punktabschlusstechniken im Training spielerisch kennenlernen und anschließend im Spiel oder Wettbewerb anwenden.

Neben diesen Fertigkeiten muss auch die Verarbeitung von Misserfolg erarbeitet werden. Geduld ist gefragt, um die einzelnen Punktabschlusstechniken nachhaltig zu verbessern. Diese Aspekte müssen im Training berücksichtigt werden. Der Schlüssel ist dabei der selbstreflektierende Nachwuchstrainer, der sich darüber Gedanken macht, wie Punktabschlüsse motivierend trainiert werden können. Die Übungs- und Spielformen sollen möglichst matchgetreu sein, ohne methodische Stellschrauben außer Acht zu lassen. Der Trainer sollte verstehen, dass Tennis-Lernen mit Freude verbunden ist. Er begleitet den Lernprozess durch die Auswahl motivierender und kurzweiliger Punktabschlussformen. Er erarbeitet zusammen mit den Kindern die Technik fragend und demonstriert sie. Er ist sich dabei der altersspezifischen Voraussetzungen bewusst und strukturiert auf Grund dieser Tatsache sein Training.

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User der »Tennisredaktion«, die Fragen zu den Themen »Kinder- & Schultennis« haben, sind bei Reimar Bezzenberger bestens aufgehoben. Nach seinem Studium der Sportwissenschaft mit den Schwerpunkten Sportpsychologie, motorisches Lernen sowie Trainingslehre und dem Abschluss als Magister Artium (M.A.) an der Technischen Universität Darmstadt hat sich Reimar intensiv mit der Entwicklung von Lehr- und Lernwegen im Tennis für Kinder befasst. Aus dieser Tätigkeit sind mehrere Fachpublikationen und umfangreiche Vortragstätigkeiten hervorgegangen. Reimar ist darüber hinaus einer der Gründer von »COACH THE COACHES«, dem renommierten internationalen Workshop Kids Tennis.

www.coach-the-coaches.com