„Punkt für mich!”

Kindertennis
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Fra­ge an Rei­mar Bez­zen­ber­ger: Hal­lo Herr Bez­zen­ber­ger! Ich wür­de von Ihnen gern wis­sen, ab wel­chem Alter man im Klein­feld mit dem gene­rel­len Spiel um Punk­te begin­nen soll­te?! Hier­bei mei­ne ich nicht unbe­dingt einen ech­ten Wett­kampf oder ein Tur­nier, son­dern mehr das »bewuss­te Suchen im Ball­wech­sel nach einer Ent­schei­dung«. Kann bei den Kids unter­ein­an­der sein oder auch mal gegen den Coach! Ich möch­te mei­ne Kids im Trai­ning näm­lich nicht zu früh überfordern!

Rei­mar Bez­zen­ber­ger: War­um sind Punkt­ab­schlüs­se für Kin­der das Aller­größ­te? Punk­te wäh­rend eines Wett­spiels oder Tur­niers zu erzie­len, sind das Salz in der Sup­pe. Kin­der wol­len Punk­te erzie­len. Erfolg­rei­ches Ten­nis­spie­len defi­niert sich über Punk­ter­fol­ge und Erfolgs­er­leb­nis­se. Jeder Trai­ner stimmt mit der Aus­sa­ge über­ein, dass für Kin­der das Punk­te­er­zie­len das Wesent­li­che im Ten­nis ist. Es ist somit nicht ver­wun­der­lich, wenn selbst die Jüngs­ten in jedem Trai­ning am liebs­ten um Punk­te spie­len. Das Erzie­len eines Punk­tes ist das schöns­te Erfolgs­er­leb­nis im Tennis.

Reimar Bezzenberger
© COACH THE COACHES

Dis­kre­panz: Wich­tig­keit vs. Umfänge

Für jeden Nach­wuchs­trai­ner ist die Auf­ga­ben­stel­lung klar defi­niert: Kin­der und Jugend­li­che müs­sen im Trai­ning so oft wie mög­lich Punkt­ab­schlüs­se erzie­len. Erstaun­lich ist aller­dings die Dis­kre­panz zwi­schen der Wich­tig­keit, die dem Punk­te­ab­schluss im Spiel zuge­schrie­ben wird, und den Umfän­gen, in denen die­ser Aspekt tat­säch­lich trai­niert wird. Die Fra­ge nach dem »wie« sehr häu­fig nur unzu­rei­chend beant­wor­tet: „Wir spie­len zum Schluss des Trai­nings immer um Punk­te“. Obwohl man sich in der Trai­nings­pra­xis im Kin­der­be­reich nicht all­zu inten­siv mit dem Punkt­ab­schluss beschäf­tigt, erwar­ten die Trai­ner nicht sel­ten, dass die­ser im Punkt­spiel funk­tio­niert, weil dies eigent­lich ganz ein­fach ist. Es ist in der Tat sehr ein­fach, Punk­te zu erzie­len, wenn Kin­der es gewohnt sind, dass der Trai­ner ihnen im Rah­men des immer noch viel zu häu­fig prak­ti­zier­ten Kolon­nen­trai­nings den Ball »mund­ge­recht« zuspielt und sie die­sen nur am Trai­ner vor­bei spie­len müs­sen, um zum Punk­ter­folg zu gelan­gen. Punkt­ab­schlüs­se sind wesent­lich kom­ple­xer. Die­se wer­den von meh­re­ren Fak­to­ren beeinflusst:

  • Posi­ti­on der Spie­ler im Feld
  • Distanz zum Gegenspieler
  • Win­kel um ein bestimm­tes Ziel­feld anzuspielen

Der Trai­ner schafft die Rahmenbedingungen!

Die Trai­ner sind gefor­dert, sich mit den Punkt­ab­schlüs­sen alters­ge­mäß zu beschäf­ti­gen, um die­sen effek­tiv in den Trai­nings­pro­zess zu inte­grie­ren. Zunächst müs­sen Trai­ner den Kin­dern aktiv bei­brin­gen, wie sie über­haupt einen Punkt erzie­len kön­nen. Hier­zu ist es drin­gend erfor­der­lich, ihnen die Ten­nis­re­geln sowie die Zähl­wei­se und tak­ti­sche Fein­hei­ten in einer Kind gerech­ten Spra­che zu ver­mit­teln. Die Nach­wuchs­spie­ler soll­ten früh­zei­tig pra­xis- und spiel­nah erle­ben, wie Punk­te erzielt wer­den kön­nen. Dabei ist der Trai­ner ver­ant­wort­lich, einen ent­spre­chen­den Lern­rah­men zu schaf­fen. Die­ser vari­iert inner­halb jeder Alters­klas­se und Lern­stu­fe. Die Grund­sät­ze des Tech­nik­trai­nings gel­ten selbst­ver­ständ­lich auch in der kind­ge­rech­ten Ver­mitt­lung des Punkt­ab­schlus­ses. Da jeder Punkt­ab­schluss spiel­ent­schei­dend sein kann, soll­te die­ser spe­zi­ell trai­niert wer­den. Jedes Kind soll viel­sei­ti­ge Punkt­ab­schluss­tech­ni­ken im Trai­ning spie­le­risch ken­nen­ler­nen und anschlie­ßend im Spiel oder Wett­be­werb anwenden.

Neben die­sen Fer­tig­kei­ten muss auch die Ver­ar­bei­tung von Miss­erfolg erar­bei­tet wer­den. Geduld ist gefragt, um die ein­zel­nen Punkt­ab­schluss­tech­ni­ken nach­hal­tig zu ver­bes­sern. Die­se Aspek­te müs­sen im Trai­ning berück­sich­tigt wer­den. Der Schlüs­sel ist dabei der selbst­re­flek­tie­ren­de Nach­wuchs­trai­ner, der sich dar­über Gedan­ken macht, wie Punkt­ab­schlüs­se moti­vie­rend trai­niert wer­den kön­nen. Die Übungs- und Spiel­for­men sol­len mög­lichst match­ge­treu sein, ohne metho­di­sche Stell­schrau­ben außer Acht zu las­sen. Der Trai­ner soll­te ver­ste­hen, dass Ten­nis-Ler­nen mit Freu­de ver­bun­den ist. Er beglei­tet den Lern­pro­zess durch die Aus­wahl moti­vie­ren­der und kurz­wei­li­ger Punkt­ab­schluss­for­men. Er erar­bei­tet zusam­men mit den Kin­dern die Tech­nik fra­gend und demons­triert sie. Er ist sich dabei der alters­spe­zi­fi­schen Vor­aus­set­zun­gen bewusst und struk­tu­riert auf Grund die­ser Tat­sa­che sein Training.

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