Elternratgeber
© Jana Heusinger

Beim Thema »Pubertät« möchte ich mich nur zu zwei Themen äußern, die sich sehr direkt auf die Tenniskarriere auswirken. Es kann sehr gut sein, dass Eure Kids zum Beginn der Pubertätsphase etwas weniger »Bock« auf Tennis haben. Das ist irgendwie auch logisch, das Entdecken des anderen Geschlechts ist ja auch für uns Erwachsene teilweise noch mit großen Rätseln verbunden. Ganz schlecht ist es, wenn wir als Eltern hier mit Druck reagieren, denn dieser Druck wird automatisch Gegendruck erzeugen und die Situation verschlechtern. Hier wird sich zeigen, welche Beziehung Euer Kind zu seinem Tennis aufgebaut hat. Habt Ihr, also Ihr Eltern und Coaches, es geschafft, eine positive Verbindung zum Tennissport aufzubauen, welche ein fester und wichtiger Bestandteil im Leben Eures Kindes einnimmt, dann habt Ihr mit Sicherheit nichts zu befürchten, von kleinen »Aussetzern« mal abgesehen. Kein Kind wird freiwillig etwas aufgeben, was es liebt!

Ein weiterer sehr wichtiger Punkt ist die Tatsache, dass die Kinder zu sehr verschiedenen Zeitpunkten in die Pubertät kommen. Somit gibt es gerade in den Altersklassen U14 und U16 enorm krasse Unterschiede, was die körperliche Entwicklung der Jugendlichen angeht. Bei den Mädchen sehe ich bei Turnieren teilweise fast komplett entwickelte junge Damen gegen »kleine Mädels« antreten, die vielleicht theoretisch über die Anwendung eines Tampons Bescheid wissen, dieses Wissen jedoch mit Sicherheit noch nicht benutzen mussten. Auch spielen »junge Männer« mit Bart und extrem muskulösen, athletisch schon top ausgebildeten Körpern gegen Jungs, welche sich über eine Intimrasur noch überhaupt keine Gedanken machen müssen.

Heißt das jetzt, dass der Spieler, der auf der Jugendrangliste weiter vorne steht, auch der Spieler ist, der die größeren Zukunftsperpektiven hat? Natürlich nicht! Leider werfen gerade in dieser Phase viele Eltern Ihre Flinte ins Korn, weil sie nur die kurzfristigen Erfolge betrachten. Und da ist es nun einmal ganz klar, dass Kinder, die größer und stärker sind, ganz eindeutig Vorteile auf den Court bringen. Deshalb habe ich gerade bei meinen vielen Scoutings oft damit zu tun, Eltern zu beruhigen und Ihnen eine große Portion Geduld zu empfehlen. Denn irgendwann setzt auch beim hintersten und letzten entwicklungstechnischen Spätzünder das Wachstum ein und dann wird dieser sein Handicap im Nu wieder gutmachen können und im Rankings dorthin klettern, wo er gemäß seiner Anlagen auch hingehört.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der Vorstoß, den diverse englische Fussball- und Rugby-Vereine schon seit längerer Zeit planen. Sie wollen, dass Kinder in den Jugendklassen nicht mehr nach ihrem »richtigen« Alter, also somit aufgrund ihres Geburtsjahrganges, sondern auf der Grundlage ihres biologischen Entwicklungsalters eingestuft werden. Durch einen ganz einfachen Test würden Experten die Kids einstufen und danach könnten sie sich auch wirklich mit körperlich gleich ausgebildeten Sportlern messen. Gerade die Begründung, warum diese Idee auch schon in der Vergangenheit immer wieder aufgegriffen wurde, finde ich sehr interessant: anscheinend hat man festgestellt, dass durch das momentane Scouting- und Förderprinzip der renommierten Vereine die groß geratenen pubertären »Frühzünder« ganz enorm im Vorteil sind. Kleinere »Spätentwickler« à la Messi werden zu wenig oder gar nicht berücksichtigt bzw. laufen Gefahr, durch das Sieb der Fördermechanismen hindurch zu fallen und somit auf der Strecke zu bleiben!

Stephan Medem
© AINFACH.com

»Ich will nach Wimbledon« – so lautet der ultimative Elternratgeber in Sachen Tennis von Bestseller-Autor und Ex-Tennisprofi Stephan Medem. Ein »MUST-READ« für alle Tenniseltern, Trainer und Coaches. Bestelle jetzt Dein Exemplar direkt bei Amazon…

» Bestelle JETZT bei Amazon…