Plädoyer für den Wettkampf

Dominic Thiem
© Hasenkopf

Von Beginn an hat mich der Wett­kampf — das viel zitier­te »Eins gegen Eins« — fas­zi­niert. Im Lau­fe der Jah­re hat es weni­ge Din­ge oder Situa­tio­nen gege­ben, die so star­ke posi­ti­ve wie auch nega­ti­ve Emo­tio­nen in mir aus­lö­sen konn­ten, wie ich es häu­fig im Ver­lauf eines Matches emp­fun­den habe. Ganz beson­ders spe­zi­ell sind natür­lich die posi­ti­ven Gefüh­le. Die Glücks­mo­men­te. Die Eupho­rie. So wie bei­spiels­wei­se nach einem tol­len Pas­sier­ball aus vol­lem Lauf oder einem lan­gen Ball­wech­sel, den man schließ­lich für sich ent­schei­den konn­te. Genau das sind für mich wesent­li­che Grün­de, an Wett­kämp­fen teilzunehmen.

Toni Witz
© Witz

Spe­zi­ell zu Beginn der Meis­ter­schafts­sai­son habe ich jedoch auf­grund von Aus­sa­gen unmit­tel­bar vor dem Wett­kampf wie: „Ich bin so ner­vös, war­um tue ich mir das eigent­lich an?”, oder „Den/die Geg­ne­rIn ken­ne ich schon, gegen den/die möch­te ich nicht spie­len!” den Ein­druck, dass eini­ge Spie­le­rIn­nen den Wett­kampf vor­wie­gend als belas­tend emp­fin­den und sich dabei der posi­ti­ven Aspek­ten, die der Wett­kampf mit sich bringt, gar nicht bewusst sind oder die­se wegen einer Nie­der­la­gen­se­rie oder auf Grund einer schmerz­li­chen Nie­der­la­ge »ver­ges­sen« haben.

Aus die­sem Grund möch­te ich im Fol­gen­den wei­te­re posi­ti­ve Aspek­te des Wett­kamp­fes erwäh­nen, um Vor­freu­de zu erzeu­gen und dadurch das »belas­ten­de« Gefühl zu redu­zie­ren und/oder einen klei­nen Bei­trag zu leis­ten, bei ehe­ma­li­gen Wett­kampf­spie­le­rIn­nen das berühm­te »Feu­er« wie­der zu entfachen…

Der gewis­se Kick — das »Wel­len­bad der Gefüh­le«, wel­ches man vor allem im Ver­lauf eines knap­pen Matches häu­fig durch­lebt +++ Span­nung — auf­grund des unge­wis­sen Aus­gangs, ob sich die Mühen am Ende auch aus­zah­len +++ Abschal­ten — die Fähig­keit, im »Hier und Jetzt« zu sein und alles ande­re als unwich­tig erach­ten zu kön­nen +++ Per­sön­li­che Gren­zen — an sei­ne psy­chi­schen und phy­si­schen Gren­zen zu gehen und die­se auch im Vor­feld aus­ge­lo­tet zu haben +++ Her­aus­for­de­rung — eine erfolgs­ver­spre­chen­de Stra­te­gie zu suchen und sie dann im Ver­lauf des Matches auch zu fin­den, um danach ganz genau zu wis­sen, was in der Fol­ge zu tun ist +++ Gefühl von Stär­ke — das Gefühl, wel­ches man spürt, wenn man nach und nach die Ober­hand gewinnt +++ Glücksgefühl(e) — der Moment vor dem Match­ball, wenn man sich bewusst macht, dass nur noch ein Punkt zum Sieg fehlt. Am bes­ten ein Sieg, der hart erar­bei­tet wur­de und den man sich red­lich ver­dient hat +++ Eupho­rie und Stolz — das eupho­ri­sche Gefühl nach dem letz­ten Punkt. Stolz auf sich sein zu können…

Mei­ner Mei­nung nach ist es wich­tig, sich ein­mal sel­ber Gedan­ken dar­über zu machen war­um man an einem Wett­kampf eigent­lich teil­nimmt. Wel­che Gefüh­le die­ser Wett­kampf in einem aus­löst und was man eigent­lich davon erwar­tet. Denn wenn man sich des­sen bewusst ist, dann kann dies auch die zuvor erwähn­te Vor­freu­de erzeu­gen, die sich ohne Zwei­fel posi­tiv auf die Leis­tung aus­wir­ken wird.

Zu guter Letzt soll­te man sich auch bewusst sein, dass die zuvor erwähn­ten posi­ti­ven Aspek­te, die in Ver­bin­dung mit dem Wett­kampf ste­hen, anders­wo in der Häu­fig­keit und Inten­si­tät kaum oder wenn nur sehr sel­ten zu fin­den und zu erle­ben sind. Dies könn­te ver­mut­lich auch ein Grund sein, war­um sich sehr erfolg­rei­che Spit­zen­sport­le­rIn­nen, die bereits alles erreicht haben, wei­ter­hin den Her­aus­for­de­run­gen, die mit dem Wett­kampf ein­her­ge­hen, stel­len möch­ten. In die­sem Sinn wün­sche ich Euch viel Erfolg, aber vor allem viel Spaß bei Euren künf­tig hof­fent­lich noch zahl­rei­chen Matches.

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