»PHV« bei Querschlägern

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Fra­ge an Thas­si­lo Haun: Sehr geehr­ter Herr Haun, als Vor­sit­zen­der eines Ten­nis­ver­eins ver­fol­ge ich Ihre Bei­trä­ge mit gro­ßem Inter­es­se. Heu­te habe ich selbst eine Fra­ge. Am direkt an die Club­ter­ras­se angren­zen­den Court Num­mer Eins spiel­ten zwei unse­rer Nach­wuchs­spie­ler ein tol­les Match. Ein Quer­schlä­ger (ein mit dem Rah­men getrof­fe­ner Auf­schlag) flog Rich­tung Ter­ras­se und traf einen älte­ren Zuschau­er am Kopf. Der Zuschau­er muss­te sich dar­auf­hin im Kran­ken­haus behan­deln las­sen. Wie ver­hält es sich hier ver­si­che­rungs­tech­nisch aus Sicht des Spie­lers, bzw. des Ver­eins?! Ich bedan­ke mich sehr für Ihre Mühen und darf noch ein­mal mei­ne Bewun­de­rung für die­sen kos­ten­lo­sen Rat­ge­ber unterstreichen!

Thassilo Haun
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Thas­si­lo Haun: Vie­len Dank für Ihre Nach­richt und ihr posi­ti­ves Feed­back! Es freut mich zu hören, dass auch Sie mei­ne Bei­trä­ge ver­fol­gen! Nach dem Gesetz haf­tet man für alle Schä­den, die man einem Drit­ten schuld­haft zuge­fügt hat, in unbe­grenz­ter Höhe. Der Abschluss einer pri­va­ten Haft­pflicht­ver­si­che­rung (PHV) ist daher unver­zicht­bar und soll­te in jedem deut­schen Haus­halt eine Selbst­ver­ständ­lich­keit sein. Die Sta­tis­tik zeigt, dass dies nicht der Fall ist. Ver­si­chert sind Gefah­ren des täg­li­chen Lebens, so dass unter ande­rem Ver­si­che­rungs­schutz besteht für Teil­neh­mer bei pri­va­ten sport­li­chen Betä­ti­gun­gen wie Fuß­ball oder Tennis.

Zu Ihrer kon­kre­ten Fra­ge: In dem von Ihnen beschrie­ben Fall soll­te die PHV des Nach­wuchs­spie­lers leis­ten und die Kos­ten der Kran­ken­haus­be­hand­lung, die auf­grund des Quer­schlä­gers not­wen­dig wur­de, erset­zen. Mög­li­che Aus­nah­men: beim Nach­wuchs­spie­ler lag Vor­satz vor oder die Prä­mie wur­de nicht bezahlt und der Ver­si­che­rer trat vom Ver­si­che­rungs­ver­trag zurück, bevor der Quer­schlä­ger pas­sier­te. Bei­des scheint hier wohl nicht der Fall gewe­sen zu sein.

Bei einem Per­so­nen­scha­den, so wie im beschrie­be­nen Fall, kön­nen theo­re­tisch neben Arzt- und Kran­ken­haus­kos­ten auch Kos­ten für die Lin­de­rung der Lei­den, ein Aus­gleich für beruf­li­che Nach­tei­le, Kos­ten für die Wie­der­her­stel­lung der Arbeits­fä­hig­keit, ein Schmer­zens­geld, ein Aus­gleich für blei­ben­de Schä­den (z.B. Ren­ten­zah­lun­gen) und ande­re Zusatz­kos­ten (z.B. Pfle­ge­per­so­nal) gel­tend gemacht wer­den. Dies nur der Voll­stän­dig­keit hal­ber. Im genann­ten Fall blei­ben dem älte­ren Zuschau­er der Schreck und evtl. eine Nar­be. Die Kos­ten für die Behand­lung, die auf­grund des Quer­schlä­gers not­wen­dig war, wer­den von der PHV übernommen.

Ich ken­ne das Bei­spiel, dass Kin­der im Gar­ten des Nach­barn bei einer Grill­par­ty Ten­nis spiel­ten und auf ein­mal durch einen Quer­schlä­ger ein Ball durch die offe­ne Ter­ras­sen­tür ins Wohn­zim­mer flog, um dort punkt­ge­nau eine teu­re Vase vom Podest zu beför­dern. Die Vase zer­brach und konn­te nicht ersetzt wer­den. Auch hier griff die PHV und sorg­te bei Nach­barn zumin­dest für ein finan­zi­el­les Trost­pflas­ter. Denn bei einem Total­scha­den wird immer »nur« der Zeit­wert der ver­si­cher­ten Sache erstat­tet. Der Zeit­wert ist der Wie­der­be­schaf­fungs­wert von Sachen glei­cher Art und Güte unter Berück­sich­ti­gung von Alter und Abnut­zung. Auch dies nur der Voll­stän­dig­keit hal­ber. Ihnen und den Nach­wuchs­spie­lern künf­tig rah­men­freie Auf­schlä­ge — ohne böse Über­ra­schun­gen für die anwe­sen­den Zuschauer!

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