Erste Hilfe
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Userfrage: „Sehr geehrter Herr Haun, als Vorsitzender eines Tennisvereins verfolge ich Ihre Beiträge mit großem Interesse. Heute habe ich selbst eine Frage. Am direkt an die Clubterrasse angrenzenden Court Nummer Eins spielten zwei unserer Nachwuchsspieler ein tolles Match. Ein Querschläger (ein mit dem Rahmen getroffener Aufschlag) flog Richtung Terrasse und traf einen älteren Zuschauer am Kopf. Der Zuschauer musste sich daraufhin im Krankenhaus behandeln lassen. Wie verhält es sich hier versicherungstechnisch aus Sicht des Spielers, bzw. des Vereins?! Ich bedanke mich sehr für Ihre Mühen und darf noch einmal meine Bewunderung für diesen kostenlosen Ratgeber zum Ausdruck bringen!“     

Lieber Gottlieb!

Vielen Dank für Ihre Nachricht und ihr positives Feedback! Es freut mich zu hören, dass auch Sie meine Beiträge verfolgen! Nach dem Gesetz haftet man für alle Schäden, die man einem Dritten schuldhaft zugefügt hat, in unbegrenzter Höhe. Der Abschluss einer privaten Haftpflichtversicherung (PHV) ist daher unverzichtbar und sollte in jedem deutschen Haushalt eine Selbstverständlichkeit sein. Die Statistik zeigt, dass dies nicht der Fall ist. Versichert sind Gefahren des täglichen Lebens, so dass unter anderem Versicherungsschutz besteht für Teilnehmer bei privaten sportlichen Betätigungen wie Fußball oder Tennis.

Zu Ihrer konkreten Frage: In dem von Ihnen beschrieben Fall sollte die PHV des Nachwuchsspielers leisten und die Kosten der Krankenhausbehandlung, die aufgrund des Querschlägers notwendig wurde, ersetzen. Mögliche Ausnahmen: beim Nachwuchsspieler lag Vorsatz vor oder die Prämie wurde nicht bezahlt und der Versicherer trat vom Versicherungsvertrag zurück, bevor der Querschläger passierte. Beides scheint hier wohl nicht der Fall gewesen zu sein.

Bei einem Personenschaden, so wie im beschriebenen Fall, können theoretisch neben Arzt- und Krankenhauskosten auch Kosten für die Linderung der Leiden, ein Ausgleich für berufliche Nachteile, Kosten für die Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit, ein Schmerzensgeld, ein Ausgleich für bleibende Schäden (z.B. Rentenzahlungen) und andere Zusatzkosten (z.B. Pflegepersonal) geltend gemacht werden. Dies nur der Vollständigkeit halber. Im genannten Fall bleiben dem älteren Zuschauer der Schreck und evtl. eine Narbe. Die Kosten für die Behandlung, die aufgrund des Querschlägers notwendig war, werden von der PHV übernommen.

Ich kenne das Beispiel, dass Kinder im Garten des Nachbarn bei einer Grillparty Tennis spielten und auf einmal durch einen Querschläger ein Ball durch die offene Terrassentür ins Wohnzimmer flog, um dort punktgenau eine teure Vase vom Podest zu befördern. Die Vase zerbrach und konnte nicht ersetzt werden. Auch hier griff die PHV und sorgte bei Nachbarn zumindest für ein finanzielles Trostpflaster. Denn bei einem Totalschaden wird immer »nur« der Zeitwert der versicherten Sache erstattet. Der Zeitwert ist der Wiederbeschaffungswert von Sachen gleicher Art und Güte unter Berücksichtigung von Alter und Abnutzung. Auch dies nur der Vollständigkeit halber. Ihnen und den Nachwuchsspielern künftig rahmenfreie Aufschläge – ohne böse Überraschungen für die anwesenden Zuschauer!

Thassilo Haun

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Thassilo Haun ist ein echter »Tausendsassa«. Bundesligaspieler, DTB-A-Lizenz-Tenniscoach, Jura-Student, Bankkaufmann sowie Privatkunden- und Existenzgründungsberater. Für unser Portal »Tennisredaktion.de« steht Thassilo als Teil des Kompetenz-Teams für den Bereich »Vereins- und Trainerberatung« kostenlos Rede und Antwort.

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