Sandra Reichel
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Nun ist also das passiert, was die Spatzen schon länger von den Dächern pfiffen: Turnierchefin Sandra Reichel hat das WTA-Turnier in Nürnberg nach nur sieben Ausgaben verscherbelt. Welcher neuer Austragungsort Nutznießer dieses Rückzugs wird, ist noch nicht publiziert. Damit ist das Turnier beim idyllisch gelegenen 1. FC Nürnberg bereits Geschichte, ehe es eine solche wirklich schreiben konnte. Was bleibt vom »Nürnberger Versicherungen Cup« in Erinnerung? Sicherlich in erster Linie die klangvollen Namen der Siegerinnen bei den ersten beiden Ausgaben, Simona Halep und Eugenie Bouchard und auch bei des zweifachen Champions Kiki Bertens schwingt zumindest ein Hauch von Weltklassetennis mit.

Hier alle Finalergebnisse im Überblick:

2019 ♛ Yulia Putintseva – Tamara Zidansek 4:6, 6:4, 6:2
2018 ♛ Johanna Larsson – Alison Riske 7:6, 6:4
2017 ♛ Kiki Bertens – Barbora Krejcikova 6:2, 6:1
2016 ♛ Kiki Bertens – Mariana Duque Marino 6:2, 6:2
2015 ♛ Karin Knapp – Roberta Vinci 7:6, 4:6, 6:1
2014 ♛ Eugenie Bouchard – Karolina Pliskova 6:2, 4:6, 6:3
2013 ♛ Simona Halep – Andrea Petkovic 6:3, 6:3

Das übliche »Bla-bla«…

In der offiziellen Presseerklärung natürlich die gängigen Floskeln: „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht…“, „Wir haben bis zur letzten Minute alles versucht…“ – und selbstverständlich war der Rückzug des Hauptsponsors ausschlaggebend. Das übliche Bla-bla also. Klar, wenn der Hauptsponsor wegbricht, dann wird es schwierig, solch ein Turnier mit 250.000 Euro Preisgeld zu halten. Fakt ist aber auch: eine nette idyllische Location reicht nicht aus, um solch ein Turnier für potentielle Investoren interessant zu machen.

Schwächer werdende Teilnehmerfelder

Alleine ein Blick auf das letztjährige Teilnehmerfeld offenbart das eigentliche Manko des Nürnberger Events: Sabine Lisicki, Mona Barthel, Jule Niemeier, Anna-Lena Friedsam und Andrea Petkovic als deutsche Zugpferde und ein mehr als durchwachsenes internationales Feld, welches sich von den Namen her gefühlt nur unerheblich von den Internationalen Westfälischen Tennismeisterschaften in Versmold abhebt, sind zu wenig. Die Teilnehmerfelder wurden mit den Jahren immer unattraktiver. Ein Finalduell zwischen Putintseva und Zidansek jedenfalls kriegst Du medial kaum verkauft.

Bobbycar-Rennen
© Jürgen Hasenkopf

»Bobbycar-Rennen«

Das WTA-Turnier in Nürnberg wird bei Fans und Spielerinnen schnell vergessen sein. Was bleibt, sind vielleicht die Bilder von den auf der Tour natürlich einzigartigen »Bobbycar-Rennen« der Finalteilnehmerinnen. Aber auch diese Reichelsche Idee war sicherlich alles andere als »Weltklasse«. Nun, Sandra Reichel kann sich nun voll und ganz auf ihre Aufgaben beim WTA-Turnier in Linz sowie auf das ATP-Event am Hamburger Rothenbaum konzentrieren. Reicht vielleicht auch. Am Nürnberger Valznerweiher heißt es derweil: „Pfüat di Gott!“