Perverse Entwicklung

Wenn es vom 27. August bis zum 9. September 2018 bei den US Open in New York um den letzten Grand-Slam-Titel des Jahres geht, dann werden Sloane Stephens (USA) und Rafael Nadal (Spanien) versuchen, ihre Titel zu verteidigen. Natürlich geht es hier nicht nur um die »nackte Ehre«, sondern auch um etwas »Kleingeld«. Satte 53,000.000 US-$ (in Worten: dreiundfünfzig Millionen US-Dollar) werden diesmal ausgeschüttet. Unnötig zu erwähnen, dass diese gewaltige und für uns Normalsterbliche kaum vorstellbare Summe in der bisherigen »Hitliste« Platz Eins einnimmt.

Wer in diesem Jahr im Damen- oder Herren-Einzel in Runde Eins verlieren sollte – und das sind immerhin insgesamt 128 Aktive – kassiert für den Kurzauftritt im »USTA Billie Jean National Tennis Center« satte 53.000 US-Dollar und auf die beiden Siegerschecks wird jeweils die Zahl 3,8000.000 gekritzelt. Der Wahnsinn, vor allem wenn man mal schaut, wie sich das Preisgeld entwickelt hat. 1969 gab es für den Herrentitel (Rod Laver) 16.000 US-Dollar und für den Damen-Titel (Margaret Smith-Court) 6.000 US-Dollar Preisgeld, im Jahre 1980 wurden John McEnroe und Chris Evert für ihre Titelgewinne mit jeweils 46.000 US-Dollar abgespeist und im Vergleich zu 2012 (mit den Champions Serena Williams und Andy Murray) hat sich das Preisgeld von 1,900.000 auf 3,800.000 US-Dollar sogar verdoppelt. Seit 2013 ist das Preisgeld um satte 57% gestiegen. Tendenz steigend. Die vier Major-Events werden sich auch in den nächsten Jahren gegenseitig überbieten. Warum? Weil sie es können. Die »Majors« häufen Jahr für Jahr bergeweise Kohle an, wissen nicht, wohin damit. Wem schon die »Preigeldzahlen« astronomisch und schwindelerregend erscheinen, den sollten die »Umsatzzahlen« aus Melbourne, Paris, London und New York besser erst gar nicht erreichen. Da müsste man wegen der Nebenwirkungen einen Beipackzettel zum Download bereitstellen. Das ist schlichweg pervers.

Autor: Christoph Kellermann
Photocredit:
Jürgen Hasenkopf

Juli 2018 · © Tennisredaktion.de