Pausenrituale

Userfrage: „Guten Tag! Ich würde gerne wissen, wie aus mentaler Sicht sowohl die 25 Sekunden zwischen den Ballwechseln, als auch die 90 Sekunden beim Seitenwechsel optimal genutzt werden können. Also Analyse des gespielten Punktes, Selbstcoaching, Motivation, etc. Vielen lieben Dank für Ihre Mühen!“

Brigitte Neumann: Im professionellen Pausenverhalten während des Matches zeigt sich der erfahrene und erfolgreiche Spieler. Ein Champion nutzt die Chance zur Regeneration, die in den zahlreichen Wartezeiten liegt. Immerhin besteht ein Match aus nicht weniger als 70 % Pausen! Wenn Du auch in den Pausen auf Hochtouren läufst, brichst Du am Ende des Matches oder eines Turniers unweigerlich ein. Schalte also während eines Seitenwechsels ab, denke optimistisch, atme ruhig und entspannt, trauere keiner verpassten Chance nach und genieße die entspannte Situation.

Gestalte Dein individuelles Pausenritual!

1. Auf der Bank genügend trinken (gerade bei Hitze), ein Stück Banane essen, ablenken (Handtuch über den Kopf ziehen); 2. Langsam und tief in den Bauch atmen und ein positives Selbstgespräch führen („OK. Dieses Spiel gehört mir!” – „Ich schaffe es!”); 3. Gedankliche Vorbereitung, taktische Einstellung auf die nächsten Aktionen, das nächste Spiel; 4. Beim Gang zur Grundlinie klare Körpersprache, tiefes Einatmen, Aufmunterung („Komm jetzt – come on!”); 5. An der Grundlinie leicht bewegen, tänzeln und Konzentration auf Deinen Aufschlag oder den Return.

Zwischen den Ballwechseln kurz den Schläger in die andere Hand nehmen und den Schlagarm ausschütteln, lockern. Dabei immer wieder positiv denken. Die Aufmerksamkeit auf den nächsten Ball richten und Dich ermuntern.

Bei längeren Behandlungspausen oder bei Regenunterbrechungen solltest Du vermeiden, über die letzten Ballwechsel nachzudenken. Schau nur nach vorne, lenke Dich ab. Wenn Dein Gegner mit dem Schiedsrichter diskutiert, dann wende Dich ab, höre weg, lenke Deine Aufmerksamkeit auf Deinen Schläger oder einen Ball. Bewege Dich, halte Deinen Körper warm. Auch zwischen den Aufschlägen hast Du kurz Zeit, um Dich wieder zu konzentrieren. Nach einem eigenen Fehler kannst Du Dich für einen Moment vom Spielfeld abwenden, die Anspannung mit einem schnellen, langen Ausatmen und tiefen Einatmen etwas abbauen. Lass Deine Wut mit diesem Ausatmen hinaus, natürlich ohne Schimpfwörter! Danach bewege Dich, motiviere Dich mit einem positiven Selbstgespräch („OK – jetzt aber Vollgas!” „Jetzt geht’s los! Das ist mein Punkt!”) Schau, dass Du nach einer Pause wieder »voll da« bist. Alles, was vorher war, kannst Du nicht ändern. Also konzentriere Dich auf den nächsten Punkt. Der ist immer der Wichtigste…

Autorin: Brigitte Neumann
Photocredit: Jürgen Hasenkopf
Januar 2019 · © Tennisredaktion.de