Aufschlag-Rhytmus

Frage an Jörg Linden: Ich spiele schon lange Tennis und beherrsche eigentlich so ziemlich alles, was man in unserer bescheidenen Liga beherrschen muss. Außer einem sicheren Aufschlag. Es ist wie verhext, wenn ich mit einem Eimer Bälle übe, gelingt mir zum Beispiel der Kick-Aufschlag recht gut. Allerdings verliere ich ihn im Match jedes Mal vollkommen. Ich habe das Gefühl, genau dasselbe wie im Training zu machen, schlage den Ball aber oft völlig ohne Spin 3 bis 4 (!) Meter ins Aus! Gibt es eine Art Checkliste, anhand derer ich im Match herausfinden kann, wo der Fehler liegt?

Jörg Linden: Nun, scheinbar hast Du generell kein technisches Problem mit deinem Aufschlag, da Du ja im Training super aufschlägst. Ich weiß nicht, wie Du den Aufschlag trainierst, deshalb gebe ich Dir ein paar Tipps zum Training, denn das Problem ist, dass der Matchrythmus ein völlig anderer ist, als der Trainingsrythmus.

Hier Übungen, die Dir sicher weiterhelfen:

1. Welches Ritual hast Du beim Aufschlag? Es sollte festgelegt sein, wie oft Du den Ball prellst, wann und wo Du entspannst, was Du Dir vor dem Aufschlag bildhaft vorstellst, welche Kontrolle/Vorstellung hast Du für den Ballwurf (z.B. Wurfarm wird parallel zum rechten Netzpfosten nach oben geführt)? Der Körper stellt sich nach vielen Wiederholungen auf dieses Ritual ein und kann dann auch im Match unter Druck den gewohnten Bewegungsfluss aufrechterhalten. 2. Stell den Korb ins Feld und nimm nie mehr als 2 Bälle in die Hand! 3. Nach etwa 10 Aufschlägen wird eine Konzentrationspause von etwa 45 Sekunden gemacht! 4. Zwischen den Aufschlägen auch mal Sprints machen, damit der Puls wie im Match erhöht ist! 5. Arbeite mit Skalen von 0 bis 10, wenn Du so schnell schlägst wie Du nur kannst wäre es eine 10, Griff so fest zu packen wie es geht ist auch eine 10, dann spiele mal alle Nummern mehrmals durch und Dein Körpergefühl wird sich schnell verbessern. Im Match vermeidet man stets die 8, 9 und 10! 6. Spiele im Aufschlagtraining gegen Dich selbst: Teile beide Aufschlagfelder jeweils in 3 gleichgroße Zonen auf. Die Zählweise ist wie im Match: Pro Punkt hast Du 2 Aufschläge zur Verfügung. Triffst Du die richtige Zone stehts 15:0, Doppelfehler 0:15, bis das Spiel vorbei ist! So wird dann ein Match gespielt. Der erste Aufschlagpunkt muss also auf Vorhand-Seite links in die Zone, der nächste in die Mitte auf der Vorhand-Seite, der nächste Punkt rechts in die Zone Vorhand-Seite. Weiter gehts mit den 3 Zonen auf der Rückhandseite…

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Tipps für den Aufschlag

Frage an Jörg Linden: Mein Problem ist, das bei meinem Aufschlag Körper sowie Schlagarm nicht ganz gestreckt sind (linkes Bein und rechter Arm bilden nicht eine Linie). So, dass ich den Ball nicht am höchst möglichen Punkt treffe. Welche Korrekturmöglichkeiten und Übungen gibt es, um an diesem Problem zu arbeiten?

Jörg Linden: Nun, die Streckung des Ellenbogens ist sehr wichtig. Hierzu folgende Übungen: 1. Du hältst in jeder Hand einen Tennisball und versucht die Aufschlagbewegung zu imitieren. Du wirst den Ball Deines Wurfarms auf 12 Uhr etwa 1,5 m hoch und versucht diesen Ball mit dem Ball des Schlagarms kurz nachdem der geworfenen Ball herunter kommt ab zutreffen. Der Wurf sollte möglichst steil nach oben geworfen sein, so dass der Arm gestreckt sein muss. 2. Eine gute Übung für die Hallensaison: Schlage den Ball so auf, dass Du unter die Hallendecke schlägst, etwa dort wo die die Dachgiebel sich treffen. So muss der Arm gestreckt sein und der Ellenbogen zeigt in den »Himmel«. Nach etwa 30 Versuchen machst Du gleiche Bewegung, nur schnappst Du nun im Treffpunkt mit dem Handgelenk zu. Schon könnte Dein Problem behoben sein. Diese Übung ist nach einigen Wiederhloungen erfolgreich!

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Besser als Mathe und Deutsch

Fröhlicher Kinderlärm – Erwachsene nennen ihn ohrenbetäubend – schallt aus der Sporthalle. Das eigene Wort ist kaum mehr zu verstehen. Mehr als 300 Grundschüler der ersten bis vierten Jahrgänge sorgen für Stadion-Atmosphäre, anlässlich einer örtlichen Schultennis-Meisterschaft; alles wie zu besten Davis-Cup-Zeiten in den 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts. „Das ist viel besser als Mathe und Deutsch“, war von einigen Teilnehmern zu hören. Diese Ausführungen haben genau so bei einem Schultennisevent einer Grundschule in der Nähe von Heidelberg stattgefunden. Zur Siegerehrung kam die mehrfach deutsche Tennismeisterin Stefanie Gehrlein als Überraschungsgast in die Sporthalle. „Eine solche Stimmung habe ich noch nie bei einer Tennisveranstaltung erlebt“, war ihr Kommentar, als ihr die Autogramme regelrecht aus der Hand gerissen wurden.

Dies ist ein Beispiel von vielen, wie es möglich ist, Tennis als eine spannende Sportart in Form eines Events einer großen Anzahl vom Schülern näher zu bringen. Als Auftakt für eine sich anschließende Kooperation »Schule-Verein« ist ein Schultennis-Event in Form einer Meisterschaft die ideale Plattform, aktiv Mitgliederwerbung bei Kinder und Jugendlichen zu betreiben. Zusätzlich ist dies eine sehr gute Gelegenheit, sich als Verein in der örtlichen Presse als aktiver Sportanbieter der Öffentlichkeit zu präsentieren. Dies ist vor dem Hintergrund sinkender Mitgliederzahlen innerhalb der Vereine eine gute Gelegenheit, Präsenz zu zeigen und für sich zu werben.

Das Freizeitverhalten der Kinder und Jugendlichen hat sich in den vergangenen Jahren deutlich hin zur Inaktivität verschoben. Parallel dazu ist das Freizeitangebot von Vereinen und kommerzieller Sportanbieter stetig angewachsen. Diese drängen nun ebenfalls auf den »Markt Schule«, um Mitglieder für ihre Aktivitäten zu gewinnen. Hier wird sich am Ende derjenige durchsetzen, der den Schülern das beste und attraktivste Angebot vorstellt.

Die heutige Bildungspolitik beeinflusst im starken Maße die Planungen im Jugendbereich der Vereine. Die vielfach angestrebte Ganztagesschule und die auf acht Jahre verkürzte Gymnasialzeit haben dabei große Auswirkungen auf die aktive Jugendarbeit der Tennisvereine bis hin zum Wettkampfspielbetrieb der jugendlichen Altersklassen.

Falls es bundesweit zu einer Ganztagsbetreuung der Schüler kommen sollte, ist der Jugendsport am Nachmittag in seiner bisherigen Form kaum integrierbar und es müssen neue Wege gefunden werden. Solche bildungspolitischen Veränderungen dürfen aber nicht als Bedrohung angesehen werden, sondern müssen als neue Chance und Herausforderung für Vereine verstanden werden. Weiterhin ist es sinnvoll, über den Tellerrand hinauszuschauen und genau zu verfolgen, welche Aktivitäten andere Sportarten wie Handball oder Fußball vollziehen, um aktiv in den Schulen Fuß zu fassen.

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