Zeitung Medien
© Pixabay

Userfrage: „Hallo Herr Hofen! Ich berichte für die lokalen Medien und betreue dort seit kurzem die Sportarten Fußball und Tennis. Meine Frage: wie stark darf die eigene, ganz persönliche Meinung oder Einschätzung einer Lage oder Leistung in die Berichterstattung einfließen? Ich stelle fest, dass hundertprozentige Objektivität nicht immer möglich ist. Haben Sie in Ihrer journalistischen Laufbahn ähnliche Erfahrungen gemacht? Ich freue mich auf Ihre Antwort!“

Liebe Anette!

Eine wirklich charmante Frage, die ich mir auch schon vor über 40 Jahren gestellt habe. Auch ich habe in meinen sportjournalistischen Anfängen lokal über Fußball und Tennis geschrieben und war natürlich mit großer emotionaler Begeisterung dabei. Da schlugen schon des Öfteren meine Emotionen für meinen Verein durch, was eigentlich nicht sein kann und darf. Das führte stets zu Diskussionen, zumal der verantwortliche Lokalchef es zweifelsohne anders bewerten muss. Er steht für die Neutralität. Er steht für die Gleichbehandlung aller Sportvereine und Sportarten. Auch seinen Lesern gegenüber!

Meine damalige und auch heute noch persönliche Meinung dazu ist aber, als lokaler Sportberichterstatter*in muss man schon eine gewisse lokale Subjektivität zulassen. Das ist es ja gerade, was den Sport ausmacht: Begeisterung und Emotionalität, die ja nicht konträr der Fairness steht. Doch versteht oder akzeptiert dies auch der Leser, der nicht meine Perspektive hat? Sicherlich nicht. Ich gehe davon aus, dass Sie als Freelancerin tätig und daher zur größtmöglichen Objektivität geradezu verpflichtet sind. Kein Sportchef will sich jedes Mal dafür rechtfertigen wollen, wenn Sie durch Ihre »Brille« das sportliche Geschehen beschrieben haben. Also, stets die Fakten nüchtern und sachlich texten. Sollten Sie jedoch aus der Sicht der Berichterstatterin das Gefühl haben, es auch grundsätzlich einmal anders beurteilen zu müssen, dann ist ein Kommentar das probate Kommunikationsmittel für Ihre Eigene Meinung.

Frank Hofen

Hast auch DU eine Frage?

» FRAG Frank   » Franks ARCHIV

Frank Hofen ist seit November 2019 im Kompetenz-Team von »Tennisredaktion.de«. Die Turnierhistorie der GERRY WEBER OPEN wird immer mit dem Namen des renommierten Sportjournalisten verbunden bleiben. Vom ersten Aufschlag an im Jahre 1993 bis zur 25. Auflage im Jahre 2017 war Frank Hofen das mediale Gesicht des Turniers. Er konzipierte PR-Konzepte, leitete hunderte von Pressekonferenzen und moderierte Stars aus Sport- und Showbusiness professionell durch Veranstaltungen. Für seine weltweite Medienarbeit wurde er von der ATP (Internationale Organisation der Turnierveranstalter und Tennisprofis) in den Jahren 2002 und 2012 mit dem »ATP Award of Excellence Best Media« ausgezeichnet. Aktuell erarbeitet er Medien- und PR-Konzepte für die Stadt HalleWestfalen, für weltweit tätige Konzerne und pflegt zudem sein mediales Netzwerk, welches er sich mit seiner Agentur »hofmedia« erarbeitet hat.

www.hofmedia.de