Objektivität

Frage an Frank Hofen: Hallo Herr Hofen! Ich berichte für die lokalen Medien und betreue dort seit kurzem die Sportarten Fußball und Tennis. Meine Frage: wie stark darf die eigene, ganz persönliche Meinung oder Einschätzung einer Lage oder Leistung in die Berichterstattung einfließen? Ich stelle fest, dass hundertprozentige Objektivität nicht immer möglich ist. Haben Sie in Ihrer journalistischen Laufbahn ähnliche Erfahrungen gemacht?

Frank Hofen
© Hofen

Frank Hofen: Eine wirklich charmante Frage, die ich mir auch schon vor über 40 Jahren gestellt habe. Auch ich habe in meinen sportjournalistischen Anfängen lokal über Fußball und Tennis geschrieben und war natürlich mit großer emotionaler Begeisterung dabei. Da schlugen schon des Öfteren meine Emotionen für meinen Verein durch, was eigentlich nicht sein kann und darf. Das führte stets zu Diskussionen, zumal der verantwortliche Lokalchef es zweifelsohne anders bewerten muss. Er steht für die Neutralität. Er steht für die Gleichbehandlung aller Sportvereine und Sportarten. Auch seinen Lesern gegenüber!

Meine damalige und auch heute noch persönliche Meinung dazu ist aber, als lokaler Sportberichterstatter*in muss man schon eine gewisse lokale Subjektivität zulassen. Das ist es ja gerade, was den Sport ausmacht: Begeisterung und Emotionalität, die ja nicht konträr der Fairness steht. Doch versteht oder akzeptiert dies auch der Leser, der nicht meine Perspektive hat? Sicherlich nicht. Ich gehe davon aus, dass Sie als Freelancerin tätig und daher zur größtmöglichen Objektivität geradezu verpflichtet sind. Kein Sportchef will sich jedes Mal dafür rechtfertigen wollen, wenn Sie durch Ihre »Brille« das sportliche Geschehen beschrieben haben. Also, stets die Fakten nüchtern und sachlich texten. Sollten Sie jedoch aus der Sicht der Berichterstatterin das Gefühl haben, es auch grundsätzlich einmal anders beurteilen zu müssen, dann ist ein Kommentar das probate Kommunikationsmittel für Ihre Eigene Meinung.

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