Neue Horizonte

Von Christoph Kellermann.

Donnerstag ist für mich in meinem Heimatverein TuS Ickern wieder Rollstuhltennis angesagt! Für mich ist jede Rollitennis-Stunde, die ich geben darf, etwas ganz Besonderes. Warum das so ist, das will ich Euch gerne im Folgenden näher bringen. Vielleicht gelingt es mir, meine Begeisterung für den Behindertensport zu transportieren und Euch für dieses Thema zu sensibilisieren. »Rollstuhltennis ist Faszination« – und nur für denjenigen wirklich zu greifen, der es selber einmal ausprobiert oder sich als Trainer bereits mit der Thematik beschäftigt hat. Wer glaubt, nach wohlmöglich jahrzehntelangem Training mit »Fußgängern« bereits alles als Trainer erlebt zu haben, der täuscht sich gewaltig. Mir persönlich hat die Arbeit mit den »Rollis« nach 25 Jahren des Unterrichtens von Fußgängern eine völlig neue Welt geöffnet. Seit 2005 begleite ich nun den Rollstuhltennissport hierzulande, anfangs in meiner Profession als Sportjournalist, dann schon sehr bald auch als Trainer, einige Jahre gar als Bundestrainer.

Demut, Dankbarkeit, Begeisterung und Leidenschaft

»Rollstuhltennis ist Leidenschaft.« Was ich bekomme, ist eine ungeheure Dankbarkeit seitens der Rollis, die mit jeder Stunde gemeinsamer Arbeit ein Stückweit mehr in das soziale Leben integriert werden. Dass ich hierbei mithelfen darf, macht mich stolz. Auch macht es mich demütig. Ich bin dankbar, wenn ich nach einem weiteren Versuch, das Tennisspiel im Sitzen zu erlernen, wieder aufstehen darf. Demut, Dankbarkeit, Begeisterung und Leidenschaft – vier Attribute, die vielen Tennistrainern bei ihrer alltäglichen Arbeit an der Basis oft fehlen. Alleine diese Erkenntnis ist schon Grund genug, sich dem Rollstuhltennis zu öffnen.

Bereitschaft und Mut, sich selbst als Mensch und Tennislehrer neu zu definieren, sind dazu notwendig. Gemeinsam mit meinen Schülern, die im Alltag und/oder beim Sport aus den unterschiedlichsten Gründen auf den Rollstuhl angewiesen sind, werde ich diese Woche wieder an die Grenzen des Machbaren gehen und einmal mehr werde ich anschließend wieder glücklich und voller Demut den Ballwagen in die Hallenecke schieben. So beschließe ich meinen Arbeitstag am liebsten.

November 2019 · Photocredit: Tennisredaktion.de