„My way or highway!”

Nick Bollettieri
© Hasenkopf

Fra­ge an Her­bert Schnau­belt: Hal­lo, Herr Schnau­belt! Ich freue mich, Ihnen heu­te eine Fra­ge stel­len zu dür­fen, möch­te Ihnen aber vor­ab zu Ihrer jüngs­ten PTR-Aus­zeich­nung gra­tu­lie­ren. Mei­ne heu­ti­ge Fra­ge: Wie kom­mu­ni­zie­re ich als Ver­eins­coach den Ten­nis­eltern, dass ich deren Enga­ge­ment zwar sehr schät­ze (ohne die Eltern geht schließ­lich nichts, denn sie zah­len und fah­ren die Kin­der von A nach B!), ich sie aber den­noch nicht direkt am Trai­nings­platz, geschwei­ge denn Ball sam­melnd oder auf der Bank sit­zend auf dem Platz sehen möch­te? Ich habe die Erfah­rung gemacht, dass dies mei­ne Arbeit unge­mein ein­schränkt und mei­ne Ten­nis­kids in ihren Aktio­nen immens ein­ge­schränkt und gehemmt wir­ken. Die­se Erfah­rung wer­den Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen sicher­lich auch bereits gemacht haben. Ich hof­fe, Sie haben da eine Vor­ge­hens­wei­se, die sich natio­nal wie inter­na­tio­nal bewährt hat?! Lie­be Grü­ße aus Berlin!

Herbert Schnaubelt
© PTR

Her­bert Schnau­belt: »Eltern on court, off court, no court« — die­se Pro­gres­si­on sehe ich als sehr gefähr­lich an. Ich ken­ne inter­na­tio­nal aner­kann­te Aka­de­mien, die den Zugang zu den Trai­nings-Courts schlicht­weg allen (außer den Spie­lern und dem Staff der Trai­ner) ver­bie­ten. Die Argu­men­te sind wohl über­all ähn­lich. Die Spie­ler sind weni­ger fokus­siert, weil die Eltern zuschau­en und/oder sich in irgend­ei­ner Form ein­mi­schen. Die Aka­de­mien haben es in die­sem Kon­text aus mei­ner Sicht ein­fa­cher, da es sich um wirt­schaft­lich ori­en­tier­te Unter­neh­mun­gen han­delt, die ihr Cre­do und ihre Regeln ver­öf­fent­li­chen und wem dies nicht passt, der kann ja gehen. Zitat Nick Bol­let­tie­ri: „It’s my way or the highway!”

Auf Ver­eins­ebe­ne sehe ich die­se Situa­ti­on komplexer.

Ohne die Eltern geht nichts! Sie zah­len und haben ein (gewis­ses) Recht, sich zu infor­mie­ren, wie das Trai­ning aus­sieht und abläuft. Eben­so wie die Ver­eins- oder Klub­füh­rung. Von daher spricht aus mei­ner Sicht nichts dage­gen, wenn aus einer gewis­sen Distanz und auf jeden Fall von außer­halb des Plat­zes zuge­schaut wird. Das müs­sen sowohl die Kin­der als auch Sie als Trai­ner aus­hal­ten kön­nen! Hier gilt es auch zu beach­ten, dass Kin­der bis zu ca. 8 Jah­ren noch die Sicher­heit der Anwe­sen­heit von Eltern­tei­len oder von Opa/Oma brau­chen und die­se in der Nähe wis­sen wollen.

Was nicht geht, sind ver­ba­le Ein­mi­schun­gen oder wie von Ihnen geschil­dert, das Bäl­le sam­meln auf dem Platz. Auch hier wie­der haben wir es mit einer Situa­ti­on zu tun, in der Sie »reak­tiv« sind. Sie reagie­ren auf etwas was geschieht bzw. gesche­hen ist und haben die­se Situa­ti­on weder anti­zi­piert, noch im Vor­feld geklärt, wie Ihr Trai­ning abläuft. Klä­ren Sie des­halb im Vor­feld, wie Ihr Trai­ning ablau­fen soll! Infor­mie­ren Sie Ver­ein und Eltern hier­über! Auch wenn die Absich­ten eines ball­sam­meln­den Opas durch­aus posi­tiv zu bewer­ten sind, so trägt dies nicht zur Erzie­hung, zur Auto­no­mie bei (genau­so wenig wie das Tra­gen der Kin­der­ten­nis­schlä­ger vom Park­platz zum Court). 

Mit einem Satz aus Ihrer Fra­ge habe ich jedoch ein Pro­blem: „Ich habe die Erfah­rung gemacht, dass dies mei­ne Arbeit unge­mein ein­schränkt und mei­ne Ten­nis­kids in ihren Aktio­nen immens ein­ge­schränkt und gehemmt wir­ken.“ Wie genau wird ihre Arbeit ein­ge­schränkt? Und wie genau wer­den die Ten­nis­kids in ihren Aktio­nen ein­ge­schränkt und gehemmt? Hier benö­ti­ge ich prä­zi­se­re Infos, um Ihnen bes­ser ant­wor­ten zu können.

 


 

Rück­mel­dung des Lesers: Lie­ber Herr Schnau­belt, Dan­ke für Ihre Ant­wort! Mit ein­ge­schränkt und gehemmt mei­ne ich, dass sich doch Trai­ner und Schü­ler natur­ge­mäß anders ver­hal­ten, wenn sie allei­ne arbei­ten, als wenn die Eltern oder Oma und Opa das Trai­ning mit Argus­au­gen ver­fol­gen. Mein Trai­ning bei­spiels­wei­se basiert auch auf jeder Men­ge Spaß und die Kids auch mal machen zu las­sen. Sprü­che wie „Und für das Rumal­bern bezah­len wir?“ oder „Ich dach­te, das sei Ten­nis­trai­ning!“ wenn wir mal mit einem Hockey­spiel zum Auf­wär­men in die Unter­richts­stun­de star­ten, sind nicht sel­ten. Ich den­ke, ich spre­che sicher­lich für vie­le Trai­ner­kol­le­gin­nen und ‑kol­le­gen, wenn ich sage, dass Coach und Schü­ler einen Schal­ter umle­gen (müs­sen), wenn sie der­art beob­ach­tet wer­den. Eine Mut­ter kon­fron­tier­te mich gar ein­mal mit einer Strich­lis­te, wer in der Grup­pe (U10) in der Stun­de wie vie­le Bäl­le schla­gen durfte…

Her­bert Schnau­belt: Es bleibt für mich dabei: Wenn Eltern und/oder Ver­ein nicht dar­über im Vor­feld infor­miert sind, was und war­um im Trai­ning beinhal­tet ist und durch­ge­führt wird, kann sich ein Pro­blem erge­ben. Mei­ne fol­gen­de Aus­sa­ge bit­te nicht per­sön­lich neh­men! Wenn das Trai­ning (oder das was Eltern als »Rumal­bern«, oder der Trai­ner als ein­fach mal machen las­sen bezeich­nen) nicht so packend inter­es­sant ist, wer­den die Augen der Kin­der off­court zu den Eltern/Großeltern gehen. Du schreibst:

„Ich den­ke, ich spre­che sicher­lich für vie­le Trai­ner­kol­le­gin­nen und ‑kol­le­gen, wenn ich sage, dass Coach und Schü­ler einen Schal­ter umle­gen (müs­sen), wenn sie der­art beob­ach­tet wer­den.” 

Wenn Trai­ner einen Schal­ter umle­gen müs­sen, wenn sie beob­ach­tet wer­den, stimmt per se etwas nicht! Die Qua­li­tät des Trai­nings und die Per­for­mance des Trai­ners kön­nen und dür­fen nicht davon abhän­gen, ob das Trai­ning unter Beob­ach­tung statt­fin­det oder nicht. Die Strich­lis­te hin­ge­gen ist für mich ein Indiz, dass Eltern beun­ru­higt sind, was Inten­si­tät oder Gleich­be­hand­lung inner­halb des Trai­nings angeht. Am liebs­ten wür­de ich Ihnen eine Super­vi­si­on der Situa­ti­on (Trai­ning, Ver­ein, Eltern) anbie­ten. Ich den­ke, dass in die­sem »Ber­mu­da-Drei­eck« ein Kon­flikt­po­ten­ti­al besteht, wel­ches ver­stan­den und aus­ge­räumt wer­den will.

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