Toni Witz
© Toni Witz

In den letzten Jahren wurden wir bei den Grand Slams durch großartige Finalspiele verwöhnt. So waren das Australian-Open-Finale 2017 zwischen Roger Federer und Rafael Nadal oder das Wimbledon-Finale 2019 zwischen Novak Djokovic und Roger Federer Matches, die ich nie vergessen werde. Diese Auseinandersetungen werden mir vor allem deshalb in Erinnerung bleiben, weil die Akteure in den wichtigsten Momenten ihr bestes Tennis zeigen konnten. So geschehen zum Beispiel im Wimbledon-Endspiel des vergangenen Jahres, wo Novak Djokovic gegen Roger Federer mit einem Vorhand-Cross-Passierball aus vollem Lauf einen matchball abwehren konnte. Diese und viele andere Situationen im Verlauf solcher Matches rufen bei mir regelmäßig Fragezeichen hervor. Ich kann einfach nicht nachvollziehen, wie solche Schläge möglich sind, sprich: wie man immer wieder sein allerbestes Tennis abrufen kann, wenn es wirklich drauf ankommt.

Thiem und Zverev zeigten ihr Innenleben

Und dann vor drei Tagen bei den US Open ein weiteres außergewöhnliches Finale. Diesmal ging es zwischen Dominic Thiem und Alexander Zverev um die Krone und das mit über weite Strecken tollem Tennis und herausragender kämpferischer Leistung auf beiden Seiten. Dieses Match war für mich aber auch deshalb so außergewöhnlich, weil es sich meiner Meinung nach in einem Punkt sehr stark von allen anderen Finalspielen zuvor unterschied. Thiem und Zverev zeigten uns ihr »Innenleben«. Das, was sich in ihrem Kopf in den entscheidenden Momenten abspielte. Dieser Umstand ermöglichte dem Zuschauer, sich im Verlauf der Partie enorm mit den Spielern zu identifizieren. Man fühlte sich den Spielern nahe, weil auch sie – wie wir »Nicht-Profis« – in wichtigen Situationen und häufig aus Angst, einen Fehler zu machen, viel zu passiv agierten und teilweise überfordert schienen. Sie agierten in den wichtigen Situationen häufig nicht, wie man es eigentlich von ganz »Großen« gewohnt ist. Sie zeigten uns, was ihnen der Sieg sowie die Erfüllung ihres Traums, auf den sie seit vielen Jahren hinarbeiten, bedeuten. Sie zeigten ihre menschliche Seite. Und genau aus diesem Grund wird mir dieses Finale in Erinnerung bleiben.

Euer Toni

Hinweis der Redaktion: Dr. Toni Witz kommt aus Österreich. Er ist Sportwissenschaftler und Personal Trainer sowie Head-Coach der »Let’s play Tennis Academy« mit Sitz im österreichischen Bisamberg. Für »Tennisredaktion.de« bloggt Toni seit April 2020.