Meister der Täuschung

Über Boris Becker ist viel geschrieben worden – vor allem in den vergangenen Tagen – und zwar in allen Medien, egal ob auf Ebene des Boulevard oder des Sports. Die allgegenwärtigen Themen: Beckers Trennung von Lilly, Beckers Schuldenberge und Beckers angeblicher Diplomatenstatus. Mit jedem Beitrag, sei er auch noch so sorgfältig recherchiert, mischen wir uns in die Privatsphähre unseres einstigen Tennisidols ein und eröffnen folgerichtgig Diskussionsplattformen im Netz für jeden anonymen »Hinz und Kunz«. Was dort dann wiederum teilweise geschrieben wird, ist abenteuerlich. Dürfen wir das? Eigentlich nicht.

Jedoch darf sich Boris nicht beschweren, dass er derart auseinandergenommen wird, kehrt er doch all sein privates und geschäftliches Treiben über alle erdenklichen Kanäle fast stündlich unüberlegt nach außen. Und dies in einer Art und Weise, wie man es ungeschickter nicht tun könnte. Hierbei verstrickt er sich mehr und mehr in Unwahrheiten. Aus dem »roten Baron« ist offensichtlich längst ein »Lügen-Baron« geworden. Vorläufiger Höhepunkt ist wohl das aktuell kursierende selbst inszenierte und vom Top Magazin Frankfurt veröffentlichte Interview zum Thema »Schulden und Diplomatenstatus«. Diese Selbstinszenierung ist an Peinlichkeit nicht mehr zu überbieten. Wer um Himmels Willen berät unseren einstigen Tennisgott eigentlich? Hat er wirklich alle, die es jemals gut mit ihm meinten, vom Hof gejagt? Boris Becker war mal Liebling aller Deutschen. Bum-Bum-Boris. Erfinder von Becker-Hecht und Becker-Faust. Dreimaliger Wimbledon-Champion und sechsmaliger Major-Sieger. Ehemalige Nummer Eins der Welt. Eine echte Sport-Ikone, die es mit den Besten der Besten aufnehmen konnte.

In seiner »zweite Karriere« konnte sich Becker als Coach von Novak Djokovic Sympathien und Respekt zurück erarbeiten. Doch auch diese Meriten hat er längst selbst verbrannt. Heute verliert sich Boris Becker in Social-Media-Duellen mit Oliver Pocher, dessen eigene begrenzte intellektuelle Fähigkeiten vollkommen ausreichen, um den besten deutschen Tennisspieler aller Zeiten regelrecht vorzuführen und vom Deutschen Tennis Bund wird sich Becker in Zukunft auch noch ein drittes und viertes Mal als Hampelmann, sorry: als »Head of Men`s Tennis«, vor den Karren spannen lassen. Frauen weg, Geld weg, Anerkennung weg – doch von sich selbst spricht Becker weiterhin nur in der dritten Person. Er verkennt die aktuelle Lage und sieht sich selbst weiterhin als »Weltmarke«. In Wirklichkeit aber ist er eine bemitleidenswerte Marionette. Ein Selbstzerstörer. Als leidenschaftlicher Pokerspieler ist er ein »Meister der Täuschung«. Becker braucht kein Mikrofon bei Eurosport und auch keinen Posten beim DTB. Erst Recht keinen Diplomatenpass. In allererster Linie braucht er auch kein Geld. Ein Therapeut wäre ein guter Anfang.

 

Autor: Christoph Kellermann
Photocredits:
Jürgen Hasenkopf

Juni 2018 · © tennisredaktion.de