Mehr blamieren geht nicht

Von Dirk Hordorff.

Liebe Tennisfreunde,

Mehr blamieren geht wohl nicht, Mr. Bernard Giudicelli?

In einer Zeit, in der alle Menschen mit Einschränkungen leben, die wir in Europa in dem Maße zumindest nicht kannten, in der die Gesundheit von vielen Menschen gefährdet ist, in der jeder sich um seine nächsten Verwandten und Freunde Sorgen macht, hat der Präsident des Französischen Tennis Verbandes, Bernard Giudicelli, seinen Verband und das Turnier Roland Garros komplett der Lächerlichkeit preis gegeben.

Die Grenzen sind geschlossen, Ausgangssperren in vielen Teilen Europas, Reisebeschränkungen in der ganzen Welt. An Tennisturniere ist zur Zeit nicht zu denken. Folgerichtig haben WTA, ATP und ITF die Turniere zuerst bis zum 26. April 2020 weltweit abgesagt. Letzte Woche kam die Verlängerung der Absage aller Profiturniere und internationalen Veranstaltungen weltweit bis zum 7. Juni 2020. Diese Woche wurden die Olympischen Spiele 2020 in Tokio abgesagt. Und ich sage jetzt schon voraus, nächste Woche wird die Rasensaison abgesagt! Wann wieder gespielt werden kann, steht in den Sternen. Die Gesundheit ist wichtiger, als jedes Tennismatch. Das sehen die Spielerinnen und Spieler und die Verantwortlichen bei WTA, ATP und ITF ohne Ausnahme und haben in einer gemeinsamen Presseerklärung den Schulterschluss gesucht und gefunden.

Anstatt wie sonst kleine Grabenkriege zu führen, hat die Krise zusammengeführt, was zusammen gehört. ITF, WTA, ATP, AELTC, Tennis Australia and USTA haben darauf hingewiesen, dass man sich – sofern die Situation es möglich macht – mit allen Beteiligten zusammensetzt und eine bestmöglichste Lösung erarbeiten will. Und zwar gemeinsam. Nur einer fehlte: der Französische Tennis Verband. Der hatte in einer beispiellosen, nicht abgesprochenen Pressemitteilung seine French Open vom ursprünglichen Termin im Mai in die Zeit vom 20. September bis zum 4. Oktober 2020 verlegt. Ohne Qualifikation – nur das Hauptturnier will man stattfinden lassen. Ungeachtet der Tatsache, dass zu diesen Daten vier ATP-Turniere, drei WTA-Turniere und der Laver Cup in Boston terminiert sind. Und das auch ohne dieses mit den Spielerinnen oder Spielern zu besprechen, ohne Einverständnis der WTA oder ATP oder der anderen Grand-Slam-Turniere.

Entsprechend harsch fiel die Antwort der Tenniswelt aus. Gerüchteweise benötigte der Präsident der FFT, Bernard Giudicelli, ein erfolgreiches Roland Garros 2020, um seine Wiederwahl gegen seinen starken Konkurrenten Gilles Morreton zu sichern. Das war wohl wichtiger, als die Solidarität der Tennisgemeinschaft. Ob er damit auch nur die geringste Chance hat, muss nach der Reaktion der Spieler und der anderen Grand-Slam-Turniere bezweifelt werden. Und ob »Tennis-Frankreich« einen Präsidenten haben will, der das französische Tennis so ins Abseits führt, muss ebenfalls bezweifelt werden. Denn Solidarität und Gemeinsinn sind Werte, die auch in Frankreich große Bedeutung haben.

Euer Dirk Hordorff

März 2020 · Photocredit: ITF/Hasenkopf