Medienarbeit für Talente

Von Frank Hofen.

Ein User schrieb mir: „Guten Morgen, Herr Hofen! Ich habe einen Sohn, der sehr talentiert ist und auch international schon einige Turniere spielt. Er ist 14 Jahre und ich würde gerne weitsichtig eine eigene Webseite für Ihn erstellen lassen, um ihn solide zu präsentieren und natürlich auch, um ihn für Sponsoren interessant zu machen. Wir brauchen dringend Geld und Hardware, um weiter voranzukommen, denn was das finanzielle Engagement für eine potentielle Karriere angeht, so haben wir aus familiärer Sicht längst eine gewisse Grenze überschritten. Als Medienprofi können Sie mir doch sicherlich sagen, ab welchem Alter/Leistungsstand wann es Sinn macht, sich als Spieler mit einer eigenen Webseite medial zu präsentieren und welche Inhalte dort platziert sein sollten, um Bodenständigkeit zu repräsentieren. Oder gibt es andere mediale Möglichkeiten? Tausend Dank für Ihre Mühen!“

Lieber Guido, eigentlich kann ich es mir ganz einfach machen. Wenn Ihr Sohn – wie Sie schrieben – sehr talentiert ist und auch an internationalen Turnieren teilnimmt, obwohl dies meiner Meinung nach nicht unbedingt etwas über sein spielerisches Können aussagt, wird er zweifelsohne seinen sportlichen Weg gehen. Und wenn sich zudem sportlich Erfolgreiches daraus entwickelt, dann folgt sicherlich auch die mediale Aufmerksamkeit. Denn auch im Tennissport zählen letztlich nur die Ergebnisse.

Unbestritten ist zweifelsohne, dass eine Karriere im Individualsport viel, viel Geld kostet. Zeiten, wo die Industrie bereits schon einem Talent mit dem geringsten Tennispotential nachhechelte, sind längst passé. Letztlich, neben einer teilweise, zumeist aber sehr geringen finanziellen Unterstützung durch einen Tennisverband, ist die Karriereförderung des Kindes immer eine verdammt teure Angelegenheit für die Eltern. Inwieweit sich das dann auch einmal bezahlt macht, ist nicht abzuschätzen. Sie dürfen mir gerne glauben, dass ich in meinem Business schon hunderte von Talenten gesehen habe, die aber auch eben nur Talente geblieben sind. Amortisiert hat sich dieses Investment nicht. Darum ist es auch ungeheuerlich schwierig, zumal der Tennissport heute in den meinungsbildenden Medien (sprich bundesweite TV-Berichterstattung) keine Rolle spielt, finanzielle Mittel von Dritten zu generieren.

Nun reden Sie und auch ich beim finanziellen Aufwand für die eigenen Kinder nicht von einem Investment, vielmehr davon, dass man ihnen eine Perspektive ermöglichen will. Ob Tennisspieler oder Studium, es ist ganz alleine Ihre Entscheidung, was Sie sich familiär leisten können. Die Hoffnung, mit einer entsprechenden Homepage entsprechende Financiers zu finden, ist – egal wie gut diese gelayoutet oder designt ist – sehr gering. Gleichwohl sollten sie alle medialen Wege ausschöpfen, um auf die sportlichen Leistungen und Erfolge ihres Sohnes aufmerksam zu machen. Das beginnt mit von Ihnen erstellten regelmäßigen Berichten über Turnierresultate (mit entsprechendem Bildmaterial) an die lokalen und regionalen Medien wie Tageszeitungen, lokaler Rundfunk und den Tennispublikationen ihres Verbandes.

Die Homepage sollte das persönliche Profil Ihres Sohnes sein. Dies betrifft gleichermaßen das Sportliche, als auch das Private: Hobbys, Musik, Freunde, Zukunft, Tennisverein, Mannschaft… und Bilder. Die sind immer sehr wichtig, denn es wird weniger gelesen als geschaut. Und Bilder können eine emotionale Bindung herstellen. Dazu gehört auch der sportliche Werdegang. Ganz wichtig: die Seiten sollten immer aktuell sein. Auch wenn es Niederlagen gegeben hat, sollte man die nicht unter den Tisch fallen lassen. Erst daraus entwächst das authentische Bild eines jungen Talentes! Ob das weiterhilft, kann ich nicht beurteilen. Hoffe aber einmal, dass die sportliche Entwicklung Ihres Sohnes den Weg nimmt, den Sie mit »sehr talentiert« beschreiben.

November 2019 · Photocredit: Tennisredaktion/Hofmedia