Mediale Aufmerksamkeit

Von Frank Hofen.

Ein User schrieb mir: „Hallo Herr Hofen! Gern nehme ich als Vorstandsmitglied (Öffentlichkeitsarbeit) die Chance wahr, mich von einem Experten medial beraten zu lassen. Mich würde interessieren, wie sich die Aufmerksamkeit medial verlagert hat! Welchen Raum nehmen Internetportale und Social Media unterdessen in der Wahrnehmung von News und Resultaten ein und was bedeutet dies schlussendlich für uns Vereine?! Müssen auch wir mittlerweile andere Kanäle füttern, nicht nur mehr die Lokalredaktion der Tageszeitung? In meinem Freundeskreis (Alter 28 bis 40 Jahre) jedenfalls hat schon niemand mehr ein Zeitungsabo. Danke für Ihre Mühen!“

Liebe Pia, Öffentlichkeitsarbeit besteht aus zahlreichen Facetten. Und dabei ist nicht nur das eine oder das andere wichtig. Alle zur Verfügung stehende – wie Sie es schreiben – Kanäle müssen bedient werden. Doch die entscheidende Frage, die sich jeder stellen muss, der Öffentlichkeitsarbeit betreibt: Wie professionell ist das, was wir im Hinblick auf Öffentlichkeitsarbeit leisten?! Jeder in dieser Verantwortung Stehende sollte sich daher zuerst die Frage stellen, wie nimmt mein Gegenüber (Redaktion, etc.) uns wahr?! Kennen wir die Mechanismen der Redaktionen und sind wir in der Lage, die entsprechend ihres Business so auch zu bedienen?!

Lassen Sie mich nun konkreter werden: die lokalen Nachrichten in einer Tageszeitung haben – gemäß einer Umfrage der Arbeitsgemeinschaft Medien-Analyse – einen enorm hohen Stellenwert. Sie werden von 92 Prozent gelesen und es nach »politischen Berichten aus der Welt und Deutschland«, folgen »Wirtschaft und Kultur« und der »Sport« mit 59 Prozent.

Was ist zu tun?! Meine Medienarbeit sollte daher nicht nur sportlich geprägt sein, sondern möglicherweise auch einen lokalen Bezug haben. Oder ihn herstellen. Ich will nicht verhehlen, dass die Auflagenhöhe der Tageszeitungen rückläufig sind und Ihr Freundeskreis fast kein Abos mehr besitzt, dennoch greifen immerhin noch 38,1 Millionen Bürger in Deutschland zu einem gedruckten Zeitungsexemplar. Die Reichweite liegt damit bei 53,9 Prozent, das heißt, mehr als jeder zweite Deutsche ab 14 Jahren liest täglich eine Printausgabe.

Zudem genießt die Zeitung bei den Lesern eine besonders hohe Glaubwürdigkeit. Auch hier eine Umfrage: demnach vertrauen bei lokalen und regionalen Themen 38 Prozent der Befragten der von Zeitungen vermittelten Information. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen erzielt einen Wert von 19 Prozent, es folgen der öffentlich-rechtliche Hörfunk (12 Prozent) und das Internet (12 Prozent). Die Schlusslichter bilden das private Fernsehen und der private Hörfunk (3 bzw. 4 Prozent).

Das schließt aber nicht aus, dass wir »Social Media« auch bedienen müssen. Aber dann auch mit dem entsprechenden Engagement. Eine Homepage muss fast so aktuell sein, wie eine Zeitung, denn nur die regelmäßigen News wecken das Interesse. Leider geben sich Vereine vielfach damit zufrieden, eine Homepage zu haben. Sie wird während der sommerlichen Saison noch bestückt, doch ansonsten ist der Internetauftritt datumsmäßig zumeist »aus einer anderen Zeit«. Tipp: Gehen Sie einmal versuchsweise auf die Homepage einiger Tennisvereine und machen Sie sich selber ein Bild von der Aktualität!

Auch Facebook kann ich Ihnen nur empfehlen, doch ihre Zielgruppe ist wichtig! Wenn sie eine rege Jugendabteilung haben, dann binden Sie diese ein, denn die sollten diese Medienkanäle pflegen. Es nützt nichts, wenn jemand aus dem  Vorstand, der nicht im Stil der sozialen Netzwerke schreiben kann, derartiges erledigt. Also bitte keinen pensionierten Lehrer mit dieser Aufgabe beauftragen, sondern diejenigen damit einbinden, die vom Alter her auch dazu passen. Aber auch hier ist es wichtig, dass es eine gewisse Aktualität gibt. Das heißt, sich nicht nur alle paar Wochen einmal zu äußern, sondern möglichst täglich ein paar Zeilen posten. In diesem Sinne viel Spaß bei Ihrer Medienarbeit.

November 2019 · Photocredit: Pixabay/Hofmedia