Konzentration

Stephan Medem
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»Mul­ti­tas­king« das Schlag­wort unse­rer Genera­ti­on. Fern­se­hen und gleich­zei­tig essen. Durch die Stadt lat­schen und gleich­zei­tig Kaf­fee aus ’nem Papp­be­cher trin­ken. Auto­fah­ren und gleich­zei­tig ne SMS schrei­ben. Wer ein »Mul­ti­tas­ker« ist, der ist cool und ange­sagt! Ich habe damit ein klei­nes Pro­blem, denn man ist nie rich­tig mit ein 100 Pro­zent bei einer Sache. Beim Fern­se­hen kle­ckerst Du Dir plötz­lich die Spa­ghet­ti-Sau­ce auf die Hose, Du stol­perst beim Lau­fen und schüt­test dir den Kaf­fee über die neu­en Snea­ker, an der Ampel knallst Du mit dem Auto auf die Kar­re dei­nes Vor­der­manns, weil Du auf Dei­nem Han­dy her­um­ge­fum­melt hast.

Die Fähig­keit, sich auf EINE Sache mit sei­ner VOLLEN, GANZEN Auf­merk­sam­keit zu fokus­sie­ren scheint momen­tan total uncool zu sein! Nur: auf dem Ten­nis­platz musst Du eben TOTAL kon­zen­triert sein! Dei­ne Gedan­ken in der Ver­gan­gen­heit wüh­len zu las­sen, Dich über den Dop­pel­feh­ler, den ver­schla­ge­nen Vor­hand­vol­ley, den ver­pass­ten Satz­ball zu ärgern bringt Dir nur Frus­tra­ti­on. Eben­so unnütz sind Gedan­ken, die sich mit dem Aus­gang des Spie­les beschäf­ti­gen: „Wenn ich so wei­ter spie­le, habe ich kei­ne Chan­ce!“ — „Hof­fent­lich lässt mich jetzt mein Auf­schlag nicht hän­gen!“ — „Den zwei­ten Satz muss ich unbe­dingt gewin­nen!“ Alles nur Zukunfts­mu­sik! Die Zeit, in der das Spiel statt­fin­det, ist HIER und JETZT, in der Gegen­wart! Die­ser eine, jet­zi­ge Punkt, der hier gera­de gespielt wird, der eine, jet­zi­ge Schlag, dar­auf musst Du Dich kon­zen­trie­ren und die­sen mit all dei­nen Fähig­kei­ten und dem Höchst­maß an Auf­merk­sam­keit spie­len! Nur so bist Du in der Lage, Dein wirk­li­ches Opti­mum auszuspielen!

Das Schö­ne: Kon­zen­tra­ti­on kannst Du üben! Ver­su­che, beim Trai­ning nicht nur den Ball »anzu­schau­en«, son­dern in zu stu­die­ren! Kannst du Schrift erken­nen, siehst Du die wei­ße Naht, erkennst Du die Rota­ti­on der Kugel? Spü­re Dei­ne Füße, wie sie sich auf den Zehen­spit­zen bewe­gen, schaue zwi­schen den Ball­wech­seln zehn Sekun­den auf dei­ne Sai­ten ohne etwas zu den­ken. Mache einen tie­fen Atem­zug und spü­re ihn. Es gibt hun­der­te von klei­nen Übun­gen, wie Du auf dem Ten­nis­platz Dei­ne Kon­zen­tra­ti­on ver­bes­sern kannst. Übe Dei­ne Kon­zen­tra­ti­on auch im All­tag. Wenn Du Kaf­fee trinkst, trin­ke Kaf­fee — und mach nichts ande­res dabei: der Kaf­fe schmeckt bes­ser! Wenn Du isst, mach nichts ande­res dabei — das Essen schmeckt inten­si­ver! Wenn Du mit jeman­dem sprichst, tu es mit Dei­ner vol­len Auf­merk­sam­keit — und Du lernst Dei­nen Gegen­über kennen.

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