Novak Djokovic
© Jürgen Hasenkopf

Was Deine sportlichen Meriten angeht, so gibt es überhaupt keinen Zweifel: Du gehörst schon jetzt zu den größten Tennisspielern aller Zeiten. Viele Deiner Fans sehen Dich sogar auf dem Weg zum »GOAT«. Das Potential dazu bringst Du mit – ebenfalls überhaupt keine Frage. Zumal Du von den drei »Riesen« der Jüngste bist. Rafa und vor allem Roger werden es da schwerer haben, auf längere Sicht weiter ausreichend Major-Titel einzufahren. Das zum Sportlichen.

Was Dich als Mensch angeht, so warst Du mir nie sympathisch. Noch nie. Dein Gehabe auf dem Court während und nach den Matches hat mit Authentizität nicht das Geringste nichts zu tun. Es ist lediglich ganz billiges Schauspiel – reine Show. Es ist der verzweifelte Versuch, fehlende Eigenschaften zu überspielen – wohlwissend, dass Deine Haupt-Konkurrenten um die ewige Krone, Rafael Nadal und vor allem Roger Federer, bereits von Natur aus über alles verfügen, um die Massen zu begeistern und für sich zu gewinnen. Egal, wo sie auf diesem Planeten spielen. Selbst in Belgrad hätten sie vermutlich mehr Sympathisanten als Du.

Mit Deiner völlig missglückten »Adria-Tour« hast du mir und all‘ Deinen vielen Kritikern reichlich Wasser auf die viel zitierte Mühle gegossen. Klar muss die Schuld an diesem Desaster auch auf andere verteilt werden, aber Du bist als Organisator die hauptverantwortliche Person. Selbstherrlich wie immer hast Du gedacht, nichts auf dieser Welt könnte Dir etwas anhaben – nicht mal das Corona-Virus. Sportlich bist Du 2020 bislang unbesiegt. Mit diesem Wissen wolltest Du Dir und der Welt beweisen, dass auch Corona Dich nicht in die Knie zwingen kann. An dieser Stelle will ich Deine Aussagen rund um das Thema »Impfung« sowie »Sicherheit und Hygiene« und auch Dein »Guru-Wunderwässerchen« gar nicht mehr erwähnen. Das haben meine vielen geschätzten Kollegen schon zu Genüge getan.

Was DEINE Kolleginnen und Kollegen auf der Tour angeht, so halten Dich mittlerweile so ziemlich alle für durchgeknallt. Sie zweifeln völlig zu Recht an Deinem Verstand. Ich glaube, nach der »Adria-Tour« wird Dich kaum Jemand mehr für voll nehmen. Erst Recht nicht, wenn Du nicht mal jetzt, wo das Desaster perfekte Formen annimmt und Corona selbst Dich persönlich sowie Deine Frau glatt in zwei Sätzen vom Platz geholt hat, klar Stellung beziehst und Dich ohne Einschränkung für alle Aktionen, die am Balkan stattgefunden haben, ohne Wenn und Aber entschuldigst. Aber diese Größe hast Du nicht. Du fühlst Dich im Recht, weil Du ein egoistischer Scharlatan bist. Das alles ist absolut unerträglich.

Einem erfolgreichen und glaubwürdigen Re-Start des professionellen Tennissports hast Du – wenn auch vielleicht nicht gewollt – mit Deiner »Adria-Party« vor den Augen der gesamten Welt den Mittelfinger gezeigt und dies als Nummer Eins der Welt und Präsident des ATP-Spielerrats. Die Tenniswelt lässt dies alles fassungslos zurück. Gleiches gilt aber auch für Deine Gäste Zverev, Thiem, Dimitrov, Troicki und alle anderen Tennis-Kumpels vom Balkan, die sich selbst und Tausende Zuschauer und vor allem jede Menge Kinder für einen Moment voll Ektase in Gefahr gebracht haben. Du, lieber Novak, hast dies inszeniert und organisiert.

Novak, von irgendwem musst Du dieses hohe Maß an Ignoranz und Dummheit doch geerbt haben. Wohl von Deinem verbal bösartig und vollkommen hirnlos um sich schlagenden Vater Srdjan, von dem Du Dich besser per sofort und in aller Öffentlichkeit distanzieren solltest, um Sympathien wenigstens im Promillebereich zurückzugewinnen. Stattdessen versteckst Du Dich hinter diesem Bösewicht, Deinem Erzeuger.

Die »Adria-Tour« darf nicht ainfach so abgehakt werden. Sie muss Konsequenzen haben. Für all‘ Deine Kollegen, die am Balkan serviert haben und allen voran für Dich, der dafür gerade stehen muss. Auch finanziell. Für potentielle professionelle Turnierveranstaltungen, wann auch immer sie wieder gezündet werden dürfen, gehört Ihr allesamt gesperrt. Dich würde ich schon allein für Deine Verblendung für mindestens zwölf Monate aus dem Verkehr ziehen. Auch als Vorsitzender des ATP-Spielerrats bist Du nicht mehr tragbar. Und wenn Dein Vater irgendwann noch mal in Deiner Box sitzen darf, dann verstehe ich die Welt nicht mehr.

Die »Adria-Tour« war für Dich ein Waterloo. Sich selbst zu krönen, ging in der Geschichte noch nie gut. Nun stehst Du vor einem Scherbenhaufen. Bleibt zu hoffen, dass Deine PR-Abteilung einen fetten Besen hat und nicht von Deinem Vater geführt wird. Falls doch, wirst Du von Deiner »Adria-Tour« sportlich wohl niemals zurückkehren. Wäre das schlimm? Mitnichten.

Liebe Grüße, Christoph