Armin Laschet
© Land NRW

Zunächst einmal möchte ich Dir und allen führenden Politikern ein großes Kompliment aussprechen. Das, was Ihr auf Bundesebene sowie in den einzelnen Landesregierungen in den vergangenen Monaten auf der Agenda hattet und für unbestimmte Zeit auch noch auf der Agenda haben werdet, ist eine immense Herausforderung. Vor allem aber ist es eine unglaubliche Verantwortung. Um es gleich vorweg zu nehmen: ich möchte nicht mit Dir und Deinen Regierungs-Kollegen tauschen…

Was immer Ihr in diesen Tagen für Entscheidungen trefft, Shitstorm ist garantiert. Einige sagen: die Politiker verdienen so viel Geld, die müssen das aushalten. Müsst ihr das wirklich? Wie böse vor allem im Netz geschrieben wird, hat wohl Jeder schon mal erlebt, der sich auf öffentlichem Terrrain bewegt. Als Politiker bist Du diesem Wahnsinn ohnehin dauerhaft ausgesetzt. Beschließt Du im Sinne des Großen und Ganzen Einschränkungen, bekommst Du Gegenwind. Lockerst Du diese Einschränkungen, gibt es natürlich auch Gegenwind. Hältst Du an den Einschränkungen fest, während sich gegebenenfalls Kollegen anderer Bundesländer dem Druck der Öffentlichkeit schon wieder beugen, bekommst Du noch mehr Gegenwind.

Als Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen kannst Du es in diesen schwierigen Zeiten gewiss nicht allen Recht machen. Die Menschen sehen immer nur, was sie sehen wollen. Geprägt vom Egoismus, geleitet von den eigenen Interessen. Zum Beispiel, in welchen Bereichen sie sich derzeit beschnitten fühlen. Natürlich sehen diese Menschen nicht, wovor Du und die Bundesregierung uns alle mit Euren Entscheidungen ganz sicher bewahren konntet, wobei ein Blick auf die heftigst gebeutelten Nachbarländer eigentlich ausreichen sollte.

Natürlich schreibe ich Dir über dieses Tennisportal heute auch vor dem Hintergrund, dass Vereinsvertreter und Landesverbände seit Wochen vehement die Öffnung ihrer Tennisanlagen fordern. Um im Bild des »Großen und Ganzen« zu bleiben: Begriffe wie Verantwortung, Gesundheit, Wirtschaft oder Bildung spielen bei vielen Tennisspielern und -funktionären eine eher untergeordnete Rolle. Wenn es nach unserem »Tennis-Völkchen« gegangen wäre, hätte es die Schließung der Tennishallen und Freiluftanlagen vermutlich erst gar nicht gegeben. Wo Tennis doch die perfekte Distanz-, sprich: »Corona-Sportart« darstellt. 14 von 16 Bundesländern haben den Betrieb auf den Freiluftanlagen unter bestimmten Voraussetzungen mittlerweile wieder freigegeben bzw. für die kommenden Tage avisiert. Heißt: 13 von 17 Landesverbänden im Deutschen Tennis Bund dürfen ihrem Sport peu à peu wieder nachgehen.

Du, lieber Armin, der sich aktuell verständlicherweise in erster Linie Gedanken darüber machen muss, wie die Gesundheit möglichst aller Bürgerinnen und Bürger gesichert sowie die Bereiche Wirtschaft und Bildung wieder auf die Bahn gebracht werden können, wirst in Sachen Tennissport besonders gefordert, denn Nordrhein-Westfalen stellt mit dem Westfälischen Tennis-Verband sowie den Tennis-Verbänden Nieder- und Mittelrhein gleich drei DTB-Landesverbände. Das gibt es ja in keinem anderen Bundesland. Bedeutet für Dich auch dreifachen Shitstorm. Es ist wirklich abenteuerlich, was sowohl das Fußvolk, aber auch Menschen, die selbst auf öffentlicher Bühne agieren, da von sich geben. Hierzu habe ich mich bereits vor einiger Zeit in meinem Blog »Liebes Tennis-Völkchen« ausgiebig geäußert – und mir dafür selbst Lack abgeholt.

So sehr ich mir als Tennis-Enthusiast auch die baldige Rückkehr unseres schönen Sports zu alter Normalität wünschen würde, so sehr bin ich mir unser aller Verantwortung der Gesellschaft gegenüber bewusst. Ein Turnier- oder Trainingsbetrieb, so wie wir ihn kennen und lieben, ist bis auf Weiteres eh‘ nicht möglich. Von daher sollten alle Beteiligten die Füße still halten und Euch Politiker die Arbeit machen lassen. Eine Arbeit, die Euch heuer niemand abnehmen möchte. Auch jene Menschen nicht, die Euch aktuell tagtäglich diffamieren, beleidigen und diskreditieren. Die alles besser wissen, aber keinerlei Verantwortung übernehmen wollen.

Armin, niemand muss und wird mit jeder Eurer politischen Entscheidungen konform gehen. Gleichwohl gebührt Euch Dank und Respekt dafür, dass Ihr Euch der größten Herausforderung unseres Landes stellt. Existenzängste hin und her: Mein Vertrauen habt Ihr. Und wenn Nordrhein-Westfalen das letzte Bundesland ist, welches die Tennisplätze öffnet, dann ist es so. Zunächst aber sollten Kitas, Schulen, Geschäfte und Restaurants wieder geöffnet haben…

Liebe Grüße, Christoph