Albert Costa
© Jürgen Hasenkopf

Zunächst einmal Gratulation zum gewonnen »Kosmos-Cup«! Irgendwie ist es doch egal, ob man als Spieler, Coach oder Turnierdirektor gewinnt, oder? Hauptsache, am Ende steht der spanische Triumph – und der war ja nun mal abzusehen, wenn man im einst bedeutendsten Mannschaftswettbewerb der Welt als einziges von 18 Teams vor eigenem Publikum antreten darf, noch dazu mit dem bewundernswerten und nimmersatten Rafa in seinen Reihen. Das eingekaufte und für sich in Anspruch genommene Heimrecht alleine ist ja schon ein »no-go«. Ebenfalls ein »no-go« ist, was Du den Kollegen des tennis Magazins da (offensichtlich im Vorfeld des höchst umstrittenen Finalturniers) in die Notizblöcke diktiert hast. Hier eine kleine Kostprobe Deiner Aussagen:

„Die Zuschauer dürfen sich in Madrid über eine ähnliche Atmosphäre wie früher freuen!” – Nun dies kann ja im Nachhinein nur für die eigene Mannschaft, sprich: für die Spanier gelten, denn alle anderen 17 Teams waren in diesem Jahr – und auch für die nahe Zukunft – in Madrid nur zu Gast. Ein klarer Wettbewerbsvorteil für Euch Spanier, wie nicht nur Boris Becker völlig zurecht anprangert. +++ „Die Leidenschaft wird dieselbe sein!” – Nun, diese Prognose war ein kompletter Griff ins Klo. Es sei denn, Du meinst die Leidenschaft für die gedruckten kleinen Scheinchen mit den vielen Zahlen drauf. +++ „Ich glaube an das neue Format!” – Nun, mit dem Glauben ist das seit jeher so eine Sache. +++ „Das Format ist attraktiv für jeden: für Spieler, Fans und Medien!” – Nun, da müsste man zunächst die »Handvoll« Fans mal fragen, die die Partien mit nicht-spanischer Beteiligung verfolgt haben. Das ist ja auf Grund der spärlich gefüllten Ränge schnell gemacht. Die Medien jedenfalls waren sich im Großen und Ganzen einig, was das Finalturnier in Madrid angeht: der Begriff »Farce« war hierbei sehr beliebt und praktisch flächendeckend war von der »Zerstörung des Davis Cups« der Rede. Auch bei den Tennis-Experten – von Tiriac bis Hordorff – gibt es keine zwei Meinungen.

Albert, Du hast den Davis Cup noch in seiner ureigensten Form kennen und lieben gelernt und sogar gewinnen dürfen. Diesem neuen, absolut fragwürdigen Format dürftest Du doch als Turnierdirektor niemals vorstehen. Man kann es beim geschriebenen Wort ja nicht sehen, aber ich denke, im Interview mit dem tennis Magazin bist Du doch bestimmt mächtig rot geworden. Wie das berühmt-berüchtigte Tuch. Menschen wie Pique, Haggerty, Blanco und auch Du haben den Davis Cup verkauft. Das ist erbärmlich. Und hinter dem großen roten Tuch kauernd wisst Ihr das auch. Eso es patético!

Christoph