Thassilo Haun
© Thassilo Haun

Seit einigen Tagen vergleicht man Fußball mit Tennis. »DIE« beim Fußball dürfen dies und das schon wieder tun (Training in Kleingruppen, etc.) und »WIR« beim Tennis müssen immer noch warten und dürfen (noch) nichts. Wer meint, über diese Argumentation politisches Gehör zu finden, liegt falsch. Fußball und Tennis sind nicht vergleichbar. Jeder Versuch ist sinnlos.

Fußball ist (nicht nur) in Deutschland die uneingeschränkte Sportart Nr. 1! Der Fußball bewegt Woche für Woche Millionen von Menschen, füllt problemlos ganze Stadien, macht Umsätze, von denen andere Sportarten nur träumen. Im Fußball vereinigen sich wie kaum woanders maximale Interessen aus Sport, Politik und Wirtschaft. Es geht um Milliardenbeträge. All das ist im (deutschen) Tennis so nicht gegeben. Das ist vielleicht schade und wird nicht gerne gehört, aber es ist so.

Aktuelle Ideen, wie man ab dem 20. April Tennis starten soll, sind in meinen Augen nicht zu Ende gedacht. Denn Regelungen à la »nur Einzeltraining« und »no shake hands« bieten keine hundertprozentige Sicherheit. Kein Tennistrainer sollte so argumentieren. Corona wird über kleinste Wasserpartikel übertragen. Bei jedem Ausschlagen, bei jedem Rotieren des Oberkörpers, beim Ausatmen und bei jeder anderen Bewegung, gerade im Sommer, verliert der Körper kleinste Tropfen Wasser.

Was, wenn Euer Schüler beim Einzeltraining beim Sammeln der Bälle (und wenn auch nur versehentlich) in die Nicht-Schlaghand hustet, in der sich gerade drei Bälle befinden? Oder er hustet in Richtung seines Schlägers, auf dem er gerade die Bälle sammelt? Ihr als Trainer habt es nicht mitbekommen und Euer Schüler legt seine Bälle irgendwann in Euren Ballkorb. Trinkpause. Weiter geht’s. Nächste Übung! Ihr greift nach ein paar Minuten diese drei Bälle, um ein Zuspiel zu machen. Was ist jetzt!?

Manche Forscher gehen davon aus, dass das Corona-Virus mehrere Minuten auf Oberflächen, deren Temperatur unter der Körpertemperatur des Menschen liegt, überleben kann. Andere wiederum sprechen sogar von Stunden oder Tagen – je nach Material der Oberfläche. Wieder andere sagen, dass das Corona-Virus Kunststoff und Plastik besonders liebt und mindestens drei Tage überlebt. Keiner weiß aktuell genau, was dieses Virus mag. Aber wir bekommen alle mit, zu was es im Stande ist!

Ich kann nur für mich sprechen: ich habe mich gedanklich von der Sommersaison 2020 verabschiedet! Sollte ich mich täuschen, so freue ich mich natürlich. Aber solange in anderen Ländern Europas Ausgangssperren verlängert werden und die Infektionszahlen in Deutschland weiter ansteigen, lasse ich den Fußball Fußball und Tennis Tennis sein.

Euer Thassilo