Laura Siegemund
© Jürgen Hasenkopf

Bei den ersten beiden Vorrundenturnieren sowie dem Semifinalevent der »DTB German Pro Series« hast Du beeindruckende 12:0 Siege eingefahren. Hier und da mal ein Wackler, aber Du bist nie umgefallen. Nun könnte man sagen, dass man das von einer ehemaligen Weltranglisten-27. und Porsche-Grand-Prix-Siegerin auch so erwarten darf, aber wie wir ja nicht zuletzt an den letzten zwei Tagen gesehen haben, war und ist die Konkurrenz bei dieser Serie gar nicht sooo schlecht. Ein exzellenter Mix aus erfahrenen und etablierten Spielerinnen und extrem guten Nachwuchstalenten.

Eine aus der »Next Gen« hat Dich gestern eiskalt erwischt und Dir sehr schmerzhaft ein paar Zähne gezogen: Nastasja Schunk, 16 Jahre jung, halb so alt also wie Du. Mit dem Rücken zur Wand hast Du heute gegen Tamara Korpatsch noch mal alles in die Waagschale geworfen, aber der Druck hat Dich wohl gelähmt. Zweites Spiel, zweite Niederlage. Hmmm.

Tamara hatte den Matchball gegen Dich gerade erst verwandelt, da habe ich einen Medienkollegen gefragt, ob er mein Gefühl teile, dass Du zum dritten Gruppenspiel am Samstag nicht mehr antreten würdest. Und obwohl es mein allererster Gedanke war, wollte ich es nicht glauben – bis ich heute Abend die offizielle Bestätigung seitens des Ausrichters im Postfach hatte. Magen-Darm soll es also sein. Hmmm.

Laura, von links und rechts gab es für Deine Zusage, überhaupt bei der »DTB German Pro Series« anzutreten – noch dazu aus Amerika anreisend – schon vor dem allerersten Spieltag viel Lob. Du warst das absolute Zugpferd für den veranstaltenden Deutschen Tennis Bund und jeden einzelnen Ausrichter vor Ort. Nicht nur für mich kommt Dein Rückzug nach zwei Niederlagen und Null Aussicht auf das Finale kalkuliert daher. Das hat etwas Geschmäckle. Für den Großteil der deutschen Spielerinnen bist Du ein Vorbild. Die jungen Mädels schauen ganz sicher zu Dir auf. Was sie nun sehen, ist eine zweifache WTA-Tour-Siegerin und Nationalspielerin, die – quasi mit Ansage – vor dem letzten Gruppenspiel und einem möglichen »kleinen« Finale raus zieht. Hmmm.

Ein guter Fight im noch ausstehenden Match gegen die Führende Anna Zaja sowie eine tolle Partie um Platz Drei am Sonntag wäre wohl die bessere Option gewesen, um die vom Deutschen Tennis Bund für Euch Spielerinnen mit viel Aufwand hoch professionell organisierte Turnierserie ebenso professionell zu einem würdigen Abschluss zu bringen. Stattdessen ziehst Du raus. Dabei hättest Du spätestens im kleinen Finale – womöglich wieder gegen Schunk – die Chance bekommen, Dich sportlich zu rehabilitieren. Chance vertan.

Heute warst Du kein Vorbild. Für mich warst Du heute ein »Quitter«.

Liebe Grüße, Christoph