Liebe FedCup-Damen!

Von Christoph Kellermann.

Es besteht ja überhaupt kein FedCup-Zweifel: dieses Jahr dürfte sich für Euch so ziemlich die letzte Chance bieten, den Pokal nach der Steffi-Graf-Ära nach 1987 und 1992 noch einmal nach Deutschland zu holen. Möglichkeiten hattet Ihr ja in den vergangenen Jahren zu Genüge. 2014 standet Ihr sogar im Finale. Geklappt hat es aber bekanntlich nie. Obwohl viele doch von einer »goldenen Ära« sprechen. Nicht zu Unrecht…

Du, Angie, hast drei Grand-Slam-Titel im Einzel einfahren können und warst die Nummer Eins der Welt, Du, Jule, konntest Dich zwischenzeitlich ins Wimbledon-Semifinale und unter die besten zehn Spielerinnen der Welt spielen, Du, Petko, warst ebenfalls im erlauchten Kreis der Top Ten und mit Euch, Laura und Tatjana, befinden sich zwei sympathische und kampfstarke Spielerinnen in der Hinterhand, die jedem Teamgefüge gut tun. Nicht vergessen möchte ich unsere Doppelrentnerin Anna-Lena, die ebenfalls einige Majortitel in ihrer Vita stehen hat und die ich an Rainers Stelle für die FedCup-Finals in Budapest noch einmal reaktivieren würde, denn keine der vorgannenten Spielerinnen ist auch nur annähernd so doppelstark, wie Anna.

Nun habt Ihr Euch also für die neuen »FedCup-Finals« qualifiziert. Eine Pflichtaufgabe, denn in der Quali in Brasilien hätte die deutsche Mannschaft wohl auch mit Sylvia Hanika und Helga Masthoff gewonnen. Die Gegenerinnen in Florianopolis hatten allenfalls Westfalenliga-Niveau. In Budapest aber warten mit der Tschechischen Republik und der Schweiz andere Kaliber auf Euch. Mit voller Kapelle aber könnte doch durchaus was drin sein, oder?

Ich hoffe so sehr, dass Ihr Eure eigenen Interessen in diesem Jahr einmal geschlossen hinten an stellt und Rainer als Teamchef in Budapest aus dem Vollen schöpfen kann. Wie gesagt: es dürfte so ziemlich Eure letzte Chance auf den Titelgewinn sein, denn die biologischen Uhren ticken erbarmungslos, auch wenn man es Euch nicht ansieht: Kerber (WTA 20/32 Jahre alt), Görges (WTA 31/31 Jahre alt), Siegemund (WTA 73/31 Jahre alt), Petkovic (WTA 80/32 Jahre alt), Maria (WTA 91/32 Jahre alt), Groenefeld (WTA-Rentnerin/34 Jahre alt). Wenn Ihr es 2020 nicht packt, muss Tennis-Deutschland gefühlt wohl ewig auf das »Scheiß-Ding« (O-Ton Rittner) warten, denn potentielle deutsche FedCup-Siegerinnen müssten erst noch gezeugt werden.

Pack ma’s! Christoph

Januar 2020 · Photocredit: Jürgen Hasenkopf