Claudia Kohde Kilsch
© Jürgen Hasenkopf

Ich hatte das Glück, Dich in den 80er-Jahren kennenzulernen. Keine Ahnung, wie viele gemeinsame Trainingseinheiten und Matches wir im Marbella College Höfsäss 1986 absolviert haben. Schon damals gehörtest Du zu den weltbesten Spielerinnen auf der Tour. Nur Steffi Graf hatte seinerzeit aus deutscher Sicht ein besseres Ranking als Du.

Deine sportliche Vita ist beeindruckend: FedCup-Siegerin, Wimbledon-Doppel-Champion und US-Open-Doppel-Siegerin, dazu Finalteilnahmen bei den Majors in Melbourne und Paris. Nicht zu vergessen auch Deine Bronze-Medaille in Seoul an der Seite von Steffi Graf und Deine sechs WTA-Einzel- sowie 25 WTA-Doppeltitel. Vor allem im Verbund mit Helena Sukova zähltest Du über viele Jahre rund um den Globus zu den absoluten Turnierfavoritinnen – in einem Atemzug genannt mit einer Martina Navratilova.

Seit kurzer Zeit bist Du auch als Bundestrainerin für das Rollstuhltennis unterwegs. Als einer Deiner Vorgänger kann ich Dir zu diesem Ehrenamt nur gratulieren. Ein höchst lobens- und lohnenswertes Engagement – und das meine ich jetzt nicht monetär, wie sich wohl versteht.

Claudia, wer sich »Wimbledon-Siegerin« nennen darf, ist eigentlich auf dem Olymp angekommen. Sollte man zumindest meinen. Für Dich gibt es aber offenbar noch etwas Größeres, als den Triumph an der Church Road: die Teilnahme an Big Brother! Das »Promi« davor lasse ich jetzt mal bewusst weg. Vor wenigen Minuten habe ich Deinen Video-Aufruf gesehen, wo Du die Öffentlichkeit schon jetzt um Unterstützung bittest. Du sagst, es sei »der helle Wahnsinn«, dass Du in den Container ziehen darfst. Ja, liebe Claudia – das ist es wirklich. Der helle Wahnsinn! Du, eingepfercht im Container, 24/7-Video-Voyeurismus inklusive. An Deiner Seite elf absolute »Mega-Promis«: Udo Bönstrup, Kathy Kelly, Adela Smajic, Senay Gueler, Saskia Beecks, Sascha Heyna, Mischa Meyer, Jasmin Tawil, Elena Lucia Ameur, Emmy Russ und Ikke Hüftgold. Um zu wissen, um wen es sich im Container überhaupt handelt, muss man – Dich ausgenommen – jeden Teilnehmer intensiv gegoogelt haben. Gibt Dir das nicht zu denken?

Liebe Claudia, ich flehe Dich an: tu es nicht! Noch kannst Du rausziehen. Das Renommee einer Wimbledonsiegerin darf unter keinen Umständen in einem solchen Container im Trash-TV vernichtet werden. Für kein Geld der Welt… Ich bitte Dich…

Liebe Grüße, Christoph